Die deutsche Gewerbenoth in der Bismarck’schen Ära. 117
technische Beihilfe wieder innerlich aufgeholfen werden solle.
Der Berichterstatter der „National-Zeitung“ belehrt uns aber,
dass dieser Recurs an die „ersten Kräfte® dem einheimischen
Verfahren, welches in solchen Angelegenheiten die billigste
Aushilfe liebt, keineswegs entspricht.
„Wer die decorative Plastik der Franzosen im Kunstgewerbe
verstehen, wer wissen und würdigen will, wie diese gewöhnlichen
Broncewaaren entstehen,“ den verweist Julius Lessing in der
Nummer der „National-Zeitung“ vom 1. August 1878 auf die
Ausstattung der grossen monumentalen Bauten in Paris.
Man nehme nur allein die grosse Oper, diese Schöpfung der
neuen Republik, führt er aus, und rechne zusammen, welch’ eine
Fülle von Aufgaben hier dem Kunsthandwerk gestellt werden,
welche Summe von künstlerischen Kräften aus dem hier angebrachten,
scheinbar unnöthigen Luxus die Anregung zu neuen
Productionen empfangen, welche die Bildung und den Reichthum
des Jandes vermehren. In Paris werden die Aufträge zur
Ausschmückung soleher Grossbauten an die grossen Künstler
und ersten Männer ihres Fachs vergeben und somit die Industrie
mit den edelsten Lebenskeimen befruchtet. Bei uns, bei den
Staatsbauten in Berlin liefert im besten Falle ein tüchtiger
‚Industrieller die Arbeiten und beschafft sich, so gut und wie
billig er es vermag, einen Modelleur; die ausgeführten Stücke
dürfen aber in den meisten Fällen noch nicht einmal so viel
kosten, als ein wohlhabender Privatmann für dieselben auszugeben
pflegt. Unter den Künstlern, die z. B. an den monumentalen
Ausschmückungen der Nationalgallerie beschäftigt waren,
findet sich kein einziger, dessen Namen in diesem Gebiete in
erster Reihe stände.
Was die Berliner Gewerbe-Ausstellung vom Sommer
1879 betriflt, so lassen wir wiederum den bewährten Kenner
Julius Lessing sprechen. Derselbe stellt sich (in der „National-Zeitung“
vom 12. September 1879), nachdem man sich „in
Berlin in der grossen und gerechten Freude über den schönen
Erfolg der Ausstellung in Enthusiasmus hineingesprochen, geschrieben
und gesungen hat,“ auf den Standpunkt einer umfassenden
Überschau. „Mit freudiger Genugthuung, schreibt er,
kann man einerseits Fortschritte und eine hohe Leistungsfähigkeit
gegenüber den Arbeiten des Auslandes zugestehen, andere
Gruppen der Ausstellung aber führen uns deutlich zu Gemüthe,