66 Die revolutionäre Parthie der Regierung Friedrich Wilhelm's II.
nicht den Glauben aufkommen lassen, dass die preussischen
Truppen gekommen wären, ‚um ihre Freileitsbestrebungen zu
uuterdrücken, und die Begünstigung ihrer Erhebung so
leiten, dass sein königlicher Auftraggeber nicht als Beschützer
von Aufwieglern „verschrieen“ werden könne.
Zu gleicher Zeit ‚hatte Preussen in dem aufständischen
Belgien die. Rolle übernommen, welche die Pariser Regierung,
damals durch die innere Revolution in Anspruch genommen, im
Sinne der alten französischen Überlieferung auch nicht einmal
als Vermittler hatte dureliführen können. Friedrich Wilhelm
war .an ihre Stelle getreten und fand in dem Reichsauftrag gegen
die Lütticher die passende Gelegenheit, auf die Brabanter Un-‚ruhen
zu Ungunsten Österreichs einzuwirken. Zunächst wurde
Schlieffen, auch in dem königlichen Schreiben vom 19. Oktober
1789, gemahnt, jeden Schein zu vermeiden, als seien die preussischen
Truppen im Einverständniss mit Österreich nach Lüttich
gekommen, um mittelbar die Brabanter Unruhen einzudämmen.
Namentlich ward in seiner Instruction hervorgehoben,
dass bei einem klugen Benehmen seinerscits die Brabanter,
die soeben aus ihren militärischen Sammelplätzen im Lüttichschen
durch die Kaiserlichen vertrieben waren, wicder Muth fassen
und unter preussischen Auspicien im Lande des Fürstbischofs.
neue Ansammlungen veranstalten könnten.
Der König selbst fasste die belgische Angelegenheit so
sangujnisch auf, dass er sogar, wie Hertzberg amı 11. Dezember
1789 an Schlieffen meldete, daran dachte, aus Belgien eine
unabhängige Republik zu machen. Hertzberg wollte sich
zwar, weil England schwerlich auf diesen Plau eingelien würde,
damit begnügen, dem Kaiser seine Provinz mit einer von Preussen
garantirten Constitution zurückzugeben. Die Erfolge der Aufständischen
über die kaiserlichen Truppen befeuerten indessen
die Stimmung in Berlin in dem Grade, dass Hertzberg am
23. Februar 1790 an Schlieffen schreiben konnte, man erwarte
für nächstens die Unabhängigkeits-Erklärung der neuen Republik
und der König sei bereit, sie anzuerkennen und für sie einzutreten.
In der That caressirte nun Friedrich Wilhelm den ultramontanen
Klerus, welcher die neue Ständeversammlung in Brüssel
und den executiven Congress beherrschte. Er ward der Verbündete
einer Geistlichkeit, die aus der Republik eine Theokratie