Full text: Staatsbürgerliche Belehrungen in der Kriegszeit. Band 2. (2)

1. Der Verlauf des Krieges 0 
11. September währende Schlacht bei Angerburg oder „an den masurischen 
Seen“ war gleichfalls ein vollkommener Sieg. . Ein Heer von einer halben 
Million Menschen war in wenig mehr als zwei Wochen von 150 000 Mann 
geschlagen, das schwer mißhandelte Ostpreußen war befreit. Die Kraft der 
Deutschen zum Siege konnte selbst durch einen Rückschlag, wie die Marne- 
schlacht es war, nicht gebrochen werden.  
Die Deutschen folgten den Russen in das Gouvernement, Suwalki hinein, 
wo es zwischen der preußischen Grenze und der befestigten Linie des Njemen 
und Narew zu neuen Kämpfen mit der wieder aufgefüllten Armee Rennen- 
kampf kam. Das russische Gebiet und Teile des eignen Grenzstriches mußten 
im November wieder geräumt werden, als unter Beschränkung der kriege- 
rischen Tätigkeit in Ostpreußen auf die reine Verteidigung die Hauptent- 
scheidung Ende September nach dem eigentlichen Polen verlegt wurde. 
D. Die Einleitung des Krieges durch Österreich-Ungarn 
Offensive und Abwehr im Osten. 
Kaiser Kranz Josef hatte am 25. Juli, dem Tage der Ablehnung des 
Serbien gestellten Ultimatums, eine teilweise Mobilmachung befohlen. Ruß- 
lands Stellungnahme nötigte zur allgemeinen Mobilmachung am 31. Juli. Die 
Aufgabe der gegen Rußland verwandten Streitkräfte, „die der Zahl nach weit 
überlegenen feindlichen Massen auf sich zu ziehen, zu fesseln und dadurch dem 
verbündeten deutschen Heere jene Rückenfreiheit zu sichern, deren es in seinem 
vorläufigen Hauptkampfe gegen die Feinde im Westen bedurfte“, konnte nach 
Ansicht der österreichisch-ungarischen Heeresleitung nur durch einen Angriff 
vor völliger Versammlung der feindlichen Kräfte gelöst werden. In diesem 
Sinne vollzog sich der Aufmarsch der Hauptkräfte in Galizien zwischen San- 
mündung und Niemirow und einer kleineren Heeresgruppe bei Lemberg. 
In der linken Flanke auf dem linken Weichselufer durch einen Heeresteil ge- 
sichert, dem sich von Schlesien her das preußische Landwehrkorps Woyrsch 
anschloß, begann am 25. August der Vormarsch der 1. Armee unter General 
Dankl zwischen Weichsel und Bug nach Polen hinein. Die dreitägige Schlacht 
von Krasnik endete am 25. August mit einem vollen Siege. Rechts schloß 
sich die 4. Armee des Generals v. Auffenberg an, während die 3. und 2. Armee 
östlich und nordöstlich von Lemberg den in Ostgalizien eindringenden Russen 
entgegentraten. Nach zehntägigen Kämpfen näherte sich die 1. Armee am 
1. September Lublin bis auf einen Tagesmarsch, während die 4. in der 
Schlacht bei Komarow (oder Zamosc) einen Sieg erfocht. Inzwischen hatten 
in der Zeit vom 25. bis 30. August östlich von Lemberg schwere Kämpfe 
gegen eine auch von der Bukowina her umfassend vorgehende gewaltige 
Übermacht stattgefunden. Ein Teil des rechten Flügels wurde zurückgenom- 
men, während die Hauptkräfte der 5. Armee weiteren Widerstand leisteten. 
Am 3. September gingen auch sie bis hinter die Wereszycalinie zurück. Die 
4. Armee wurde herangezogen, und am 8. September begann die „zweite 
Schlacht bei Lemberg“. Unterdessen hatten die auf sich angewiesene 1. Armee