1. Der Verlauf des Krieges 11
In Galizien wich das österreichisch-ungarische Heer gleichzeitig mit
dem deutschen Rückzug in Polen (Ende Oktober) vor der Übermacht nach
Westen zurück. Przemysl wurde abermals von den Russen eingeschlossen.
Die Festung Krakau bildete den linken Flügel der nach Nordosten gerichteten
österreichisch-ungarischen Linie. Die auf dem nördlichen (linken) Ufer der
oberen Weichsel in Südpolen befindliche Armee des Erzherzogs Josef Ferdi-
nand wurde zurückgezogen und nebst einer deutschen Division Ende November
mit der Bahn nach dem Nordabhange der Beskiden befördert, um von dort
gegen den linken russischen Flügel vorzustoßen. Anfang Dezember begann
eine neue Vorbewegung in Galizien. Am 11. entschied sich bei Limanowa=
Lachanow die Schlacht zugunsten der Österreicher, ihre Verfolgung fand am
unteren Dunajec am 17. Dezember ein Ende. Auf dem linken Ufer der
oberen Weichsel gingen die Russen wieder hinter die Nida zurück. In
den Karpathen waren sie auf der ungarischen Seite bis zum Uzsoker Paß
vorgedrungen; dort und am Dunajec entspannen sich heftige Kämpfe.
In Serbien hatten unsere Verbündeten inzwischen Erfolge erzielt.
Am 2. Dezember rückten sie in Belgrad ein. Ein serbischer Vorstoß gegen
die verhältnismäßig schwachen Kräfte und die außerordentlichen Ernährungs-
schwierigkeiten zeitigten indessen den Entschluß, das Land zu räumen. Am
16. Dezember zog König Peter wieder in die alte Hauptstadt ein.
Auf der ganzen Ostfront trat ein Stillstand ein, währenddessen die
Russen ihre Kräfte vornehmlich in Galizien verstärkten. Um dieser Gefahr
zu begegnen, wurde im Januar 1915 in Ungarn eine neue „Südarmee“
aus österreichisch-ungarischen und deutschen Truppen unter dem Oberbefehle
des preußischen Generals v. Linsingen gebildet. Unter schweren Kämpfen
eroberte sie den Südhang der Karpathen und die Pässe und bedrohte im
stumpfen Winkel zu der alten Front die feindliche linke Flanke. Die un-
bemerkte Heranführung dieser Armee war wieder eine Meisterleistung und
ein Beleg für das treffliche Zusammenarbeiten der beiden Heeresleitungen.
Östlich schlossen sich an die Armee Linsingen die Armee Pflanzer-Baltin,
westlich Böhm-Ermolli und Boroevic an.
Feldmarschall v. Hindenburg war trotz erheblicher Abgaben von seinen
Streitkräften nicht gesonnen, in der Verteidigung zu verharren. Die starke
russische 10. Armee unter General Baron Sievers stand Ende Januar 1915
den schwachen Kräften des mit der Verteidigung von Ostpreußen betrauten
General v. Below gegenüber. Der Oberbefehlshaber überließ die eigent-
liche Verteidigung an den Seen Landwehr- und Landsturmtruppen und
sammelte hinter jedem Flügel eine Armee: Below im Süden bei Johannis-
burg und eine Armee Eichhorn südlich von Tilsit. Unter unsäglichen Schwierig-
keiten der Jahreszeit und der Witterung brachen diese Armeen nach am
8. Februar vollendeten Aufmarsch an den Flügeln der Verteidigungslinie
von Norden und Süden umfassend vor, auch die Mitte schloß sich
zuletzt dem Vorgehen an. Die Winterschlacht in Masuren endete am
16. Februar, die Russen wurden „in nahezu völliger Einkreisung geschlagen“.
Ostpreußen war nun endgültig befreit und ist, abgesehen von einem bald
zurückgewiesenen Raubzuge nach Memel im März, seitdem nur noch von