Full text: Staatsbürgerliche Belehrungen in der Kriegszeit. Band 2. (2)

302 A. Crecelius 
der einschlägigen Verhältnisse können die Genossenschaften die Kredit- 
würdigkeit der in Betracht kommenden Persönlichkeiten am besten beurteilen, 
und bei der Vermittlung des Kredits, der Auszahlung, der Rückzahlung, 
überhaupt der ganzen banktechnischen Abwicklung wertvolle Mitarbeit 
leisten. Das Wesentliche der Hilfsaktion aber ist, daß die Gelder richtig 
verwendet werden. Die Überwachung einer ordnungsmäßigen, geschäftlich 
gesunden Verwendung der gewährten Kredite ist daher unerläßlich. Hierzu 
sind die Kreditgenossenschaften vornehmlich geeignet, besonders, wenn die 
Auszahlung der Gelder durch sie erfolgt. In dem hier angegebenen Sinne 
ist unter weitgebender Heranziehung der Genossenschaften die Durchführung 
der Fürsorgemaßnahmen, z. B. in der Rheinprovinz, erfolgt. 
Aber nicht immer wird es möglich oder nur wünschenswert sein, den 
heimkehrenden Feldzugteilnehmern eine Selbständigkeit zu geben, die wahr- 
scheinlich nur allzu oft eine Scheinselbständigkeit sein würde. Nicht minder 
wichtig als die Gewährung von Kredit wird daher auch der Nachweis 
von Arbeit sein. Auch hierbei werden die Kreditgenossenschaften infolge 
ihrer Kenntnis der Verhältnisse wertvolle Mitarbeit leisten können. 
e) Aufgaben der Zukunft. 
Soviel zur Arbeit der Kreditgenossenschaften während der bisherigen 
Kriegszeit. Was die Zukunft bringen wird, liegt noch im Dunkel vor uns, 
aber das eine können wir schon sagen, daß es auch unter den veränderten 
Verhältnissen, die dieser Weltkrieg schaffen wird, der Mittelstand nicht leicht 
haben wird. Im gewissen Sinne ist ja der Krieg die Schule für den Groß- 
betrieb, und, wenn gewisse Vorgänge in unserm Wirtschaftsleben eine Schluß- 
folgerung zulassen— man denke an die großen wirtschaftlichen Organisationen, 
die der Krieg geschaffen hat, denke an den Zusammenschluß, der sich bereits 
in einzelnen Industriezweigen (Farbwerke und chemische Industrie) voll- 
zogen hat —, so werden wir mit einem weiteren Anwachsen der Großbetriebe 
zu rechnen haben. Da ist es von ganz besonderer Wichtigkeit, daß auch der 
Mittelstand leistungsfähig bleibt. Dies wird aber im wesentlichen davon 
abhängen, ob die finanzielle Grundlage, auf der er ruht, nämlich das 
Kreditgenossenschaftswesen, leistungsfähig ist und bleibt. Würde diese 
Grundlage ins Wanken geraten, so würde dies nach menschlicher Berechnung 
auch die Katastrophe für den Mittelstand bedeuten; ja, würden die Kredit- 
genossenschaften auch nur für die kommenden Aufgaben nicht vollauf gerüstet 
sein, so würde dies schon verhängnisvolle Folgen haben können. Daher 
wird vieles davon abhängen, daß heute schon die Kreditgenossenschaften 
sich für die kommenden Friedensaufgaben rüsten. Daß dies der Fall sein 
wird, dem gilt heute die Hauptarbeit der Genossenschaftsverbände und 
ihrer Anwaltschaften. „Haltet euch friedensbereit“, ist die Losung. Unsre 
Volkswirtschaft befindet sich unter dem Einfluß des Krieges im Zustande 
der Liquidation. Die Magazine, Warenlager, Speicher und Ställe sind 
für die Bedürfnisse des Krieges geräumt und sind umgesetzt in Kriegsanleihe. 
Nach dem Kriege werden viele Betriebe in der Lage des Geschäftsmannes 
sein, der sein Geschäft neu beginnt, d. h. sie werden erhebliche neue Werte