Full text: Staatsbürgerliche Belehrungen in der Kriegszeit. Band 2. (2)

310 A. Crecelius 
führung und Finanzierung der behördlichen Organisationen zum Teil über— 
nommen, zum Teil tatkräftig unterstützt. 
Ähnliches gilt von der Tätigkeit der Absatzgenossenschaften. Die 
Lebensmittelversorgung ist unter weitgehender Beteiligung dieser Genossen- 
schaften erfolgt. Im Getreidehandel sind sie als Beauftragte der Reichs- 
getreidestelle sowie der Zentralstelle zur Beschaffung der Heeresverpflegung 
tätig geworden, in einzelnen Bezirken sogar als die alleinigen Verteilungs-, 
Auskunfts- und Ablieferungsstellen. Sie wurden mit Lagerung der Brot- 
frucht, der Mehlverteilung usw. beauftragt. Sie sind in einzelnen Fällen 
auch als Bezirkszentralen der Zentraleinkaufsgesellschaft in Tätigkeit getreten 
und haben als solche den Warenbezug zwischen dieser und den Kommunal- 
verbänden des Bezirks vermittelt. Die Geschäftstätigkeit vieler Genossen- 
schaften bekam dadurch ein ganz anderes Aussehen. Die Arbeiten für die 
Anpassung des Geschäftsbetriebes waren außerordentlich groß, wurden 
aber glücklich geleistet. 
Den weiteren Kreisen ist durch die Kriegsverhältnisse der Wert der 
Molkereigenossenschaften bekannt geworden. Sie bilden fast allein 
die Grundlage für die derzeitige Milch- und Butterversorgung. Die un- 
geheuren Schwierigkeiten der Fettversorgung sind nur durch Heranziebung 
der Molkereigenossenschaften zu überwinden, was auch im weitesten Umfange 
durch die Verordnungen des Bundesrats geschehen ist. Diese Tatsache 
ist zugleich die beste Anerkennung, die ihrer Arbeit zuteil werden konnte. 
Abgesehen von der wertvollen Mitarbeit, die die Molkereigenossenschaften 
bei der Milchversorgung namentlich der großen Städte leisten können, beruht 
ihre Bedeutung hauptsächlich darin, daß sie eine ausgiebige Verwertung 
des Butterfettes gewährleisten. Die Verbutterung im Kleinbetrieb bedeutet 
stets eine Fettverschwendung. Aus diesem Grunde hat auch das Land- 
wirtschaftsministerium den Anschluß aller Viehbalter an Molkereigenossen- 
schaften als erwünscht bezeichnet. 
Die Viehverwertungsgenossenschaften hatten bei Kriegsbeginn 
erst eine kurze Entwicklung hinter sich. Sie sind während des Krieges weiter 
ausgestaltet worden. Die Heeresverwaltung hat sich ihrer in vielen Bezirken 
für die Beschaffung der Heeresverpflegung mit gutem Erfolg bedient. Für 
die Versorgung der Städte und des Heeres haben sie Schweinelieferungs- 
verträge abgeschlossen, wobei die Genossenschaften gegen Lieferung von 
Futter die Lieferung von Schweinen übernahmen. Sie haben vielfach über- 
eilte Schlachtungen und Verschwendung von Vieh verhindert und ins- 
besondere auch durch Aufklärungsarbeit dem kleinen Landwirt in den 
schwierigen Kriegszeiten, wo in der Viehhaltung vielfach neue Wege ein- 
geschlagen werden mußten, wertvolle Dienste geleistet. 
Daß die genossenschaftlichen Organisationen auch durch Neubildung 
bestrebt gewesen sind, den Bedürfnissen der Kriegszeit Rechnung zu tragen, 
dafür spricht die Errichtung von Geflügelzuchtgenossenschaften, 
Obst- und Gemüseverwertungsgenossenschaften, Eierverkaufs- 
genossenschaften. Dem Mangel an Zugvieh suchen Motorpflug- 
genossenschaften zu begegnen.