Full text : Handwörterbuch der Preußischen Verwaltung. Zweiter Band (L-Z). (2)

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der  Seesteuerleute  und  der  Seedampsfschiffs—
maschinisten  befolgt  und  überall  gleichmäßige
Anforderungen  an  die  Prüflinge  gestellt  werden.
Die  R.  werden  nach  Anhörung  des  Bundesratsausschusses
  für  Handel  und  Verkehr  berufen.
Der  Prüfungsinspektor  für  die  Schiffer=  und
Steuermannsprüfungen  wird  vom  Kaiser  ernannt;
  die  Prüfungsinspektoren  für  die  Maschinistenprüfungen
  bestellt  der  R#K.

Reichsrayonkommission  ist  eine  durch  den
Kaiser  berufene,  dem  Reichsschatzamt  unterstellte
Reichsbehörde,  in  welcher  die  deutschen  Staaten,
in  deren  Gebieten  Festungen  liegen,  vertreten
sind.  Ihr  Sitz  ist  Berlin  (Rayongesetz  vom
21.  Dez.  1871  —  RGBl.  459  —  §  31).  Die  R.
ist  Rekursinstanz  gegen  die  Entscheidungen  der
Kommandanturen  in  Rayonangelegenheiten  (88
11  Abs.  6,  29);  auch  ist  ihre  Genehmigung  zur
Feststellung  von  Bebauungsplänen  für  den
dritten  Rayon  von  Festungen  erforderlich  (§  14).
Rayongesetz  und  Reichsbehörden.


Reichsschatzant.  Das  R.  ist  die  oberste
Finanzverwaltungsbehörde  des  Deutschen  Reiches.
  Es  zerfällt  in  zwei  Abteilungen  (eine  für
das  Etats-,  Kassen=  und  Rechnungswesen  und
cine  für  das  Zoll-  und  Steuerwesen).  An  der
Spitze  des  R.  steht  ein  Staatssekretär  (Reichsschatzsekretär).
  Dem  R.  unterstehen  u.  a.  die
Reichshauptkasse,  das  Zoll=  und  Steuerrechnungsbureau
  und  die  Reichsbevollmächtigten  für
Zölle  und  Steuern  sowie  die  ihnen  nachgeordneten
  Stationskontrolleure  (s.  Reichskontrolle
  der  Zölle  und  indirekten
Steuern).

Reichsschatzanweisungen  s.  Schatzan  weiungen.


Reichsschuldbuch.  Die  Vorschriften  des  G.,
betr.  das  R.,  vom  31.  Mai  1901  (Rl.  321),
in  der  sich  aus  den  Nov.  vom  28.  Juni  1904
(RBl.  251)  und  6.  Mai  1910  (RG#Bl.  665)
ergebenden,  vom  BR.  unterm  31.  Mai  1910
neu  publizierten  Fassung  (RE#l.  840;  Ausführungsbestimmungen
  vom  2.  Juni  1910  im  ZBl.

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217),  ent'prechen  durchaus,  größtenteils  wörtlich

den  preußischen  über  das  Staatsschuldbuch  (s.
daher  diesen  Artikel).  Jn  Buchschulden  des  Reiches
können  Schuldverschreibungen  der  Reichsanleihen,

nicht  Reichsschatzanweisungen,  umgewandelt  weranweisungen
  wurde  durch  das  G.,  betr.  Verwalden;

  nach  der  Nov.  vom  6.  Mai  1910  tönnen  mit
Ermächtigung  des  RK.  Buchschulden  auch  ohne
Umwandlung  begründet  werden  gegen  Einzahlung

  des  vorher  festgesetzten  Kaufpreises  für

Schuldverschreibungen,  deren  Neunwert  der  einzutragenden
  Buchschuld  entspricht,  nebst  Stückzinsen
  seit  dem  letzten  Zinstermin.  Die  Obliegenheiten
  der  Hauptverwaltung  der  Staatsschulden
hat  die  Reichsschuldenverwaltung  (s.  d.).  Am

31.  März  1909  wies  das  R.  10  578  Konten  über  es  mit  der

686  381  400  f  auf,  nämlich  1993  über
41  394  900  .K  zu  4%,  5886  über  410  148  900  .
zu  3½  und  2699  über  234  837  600  .K  zu  3%0;
auf  physische  Personen  entfielen  7067  Konten
über  218  718  200  .K  weitere  504  mit  71520  900.8
auf  Handelsfirmen,  dem  Betrage  nach  fast  die
Hälfte  der  Gesamtsumme,  nämlich  323  609  600  .K
auf  2293  Konten  juristischer  Personen,  der  Rest
auf  Vermögensmassen  ohne  juristische  Persönlichkleit,
  eingetragene  Genossenschaften  und  ein-Reichsrayonkommission

  —  Reichsschulden  und  Reichsschuldenverwaltung  usw.

geschriebene  Hilfskassen.  Gegen  den  in  der
1.  Auflage  angegebenen  Bestand  vom  1.  Okt.
1906,  also  2½  Jahre  früher,  ist  die  Zahl  der
Konten  um  2532,  d.  i.  mehr  als  30  %  die  Gesamtsumme
  um  rund  78  Mill.  Mark  oder  noch
nicht  130%  gestiegen;  es  hat  also  eine  erheblich
stärkere  Inanspruchnahme  des  R.  durch  kleinere
Konten  stattgefunden,  was  den  mit  der  Einrichtung
  erfolgten  Absichten  entspricht.  Am
31.  März  1910  betrugen  die  Eintragungen
848  568  300  H.  =  18,640%  der  gesamten  eintragungsfähigen
  Reichsschuld.  S.  auch  Reichsanleihen
  IV.

Reichsschulden  und  Reichsschuldenverwaltung;
  Reichsschuldenkommission.  Die  Schulden
des  Deutschen  Reiches  im  weiteren  Sinne  bilden
alle  Verpflichtungen  vermögensrechtlicher  Art,  die
das  Reich  auf  Grund  von  Verträgen  und  anderen
Rechtsakten  zu  erfüllen  hat.  Unter  R.  im  engeren
  finanztechnischen  Sinne  (Finanzschulden  im

 

Gegensatze  zu  den  Verwaltungsschulden)  versteht

  man  dagegen  nur  diejenigen  Verpflichtungen,
  die  das  Reich  behufs  Befriedigung  seines
Kreditbedürfnisses  eingeht.  Nach  Art.  73  R.
dürfen  „Anleihen"  nur  zur  Deckung  außerordentlichen
  Bedarfs  und  nur  auf  Grund  eines
Reichsgesetzes  ausgenommen  werden.  Der  gleichen
  Beschränkung  unterliegt  die  Übernahme
einer  Garantie  zu  Lasten  des  Reiches.  Man
unterscheidet  unter  den  R.:  1.  die  nur  auf  seiten
des  Rciches  kündbaren  verzinslichen
Schuldverschreibungen,  die  auf  Grund
besonderer  Anleihegesetze  ausgegeben  werden
(s.  Reichsanleihen);  2.  die  Schatzanweisungen
  (s.  d.);  3.  die  Reichskassenscheine
  (s.  d.);  diese,  unverzinsliche
Schuldverschreibungen,  vertreten  gleichzeitig  die
Stelle  von  Papiergeld.  Man  pflegt  die  letzteren
  beiden  Arten,  die  von  verhältnismäßig  ge- 



ringerer  Bedeutung  sind,  als  „schwebende  Schuld“
den  ersteren  als  der  eigentlichen  Recichsschuld
gegenüberzustellen.  Die  Schuldverschreibungen
zu  1  können  durch  Eintragung  in  das  Reichsschuldbuch
  (s.  d.)  in  Buchschulden  umgewandelt
werden.  Wegen  der  Tilgung  der  R.  s.  Reichsfinanzwesen
  III,  IV,  V.  Die  Verwaltung  der
Reichsanleihen  und  die  der  Reichssckh  uldenverwaltung
  besonders  übertragenen  Funktionen  in  An- 



sehung  der  Reichskassenscheine  und  der  Reichsschatztung

  der  nach  Maßgabe  des  G.  vom  9.  Nov.  1867
aufzunehmenden  Bundesanleihe,  vom  19.  Juni
1868  (Besl.  339),  dessen  Bestimmungen  in  den
späteren  Anleihegesetzen  auf  die  einzelnen  Anleihen
  ausgedehnt  wurden,  unter  Kontrolle  der
Reichsschuldenkommission  der  Preuß.  Hauptver- 



waltung  der  Staatsschulden  unter  der  Bezeichnung
  Reichsschuldenverwallung  und,  soweit
ihr  beigelegten  Unabhängigkeit
vereinbar  ist,  unter  der  oberen  Leitung  des
RK.  übertragen;  dasselbe  gilt  nach  den  betr.
Anleihegesetzen  von  der  Verwaltung  der  Anleihen
  der  Schutzgebiete.  Präsident  und  Mitglieder
  der  Hauptverwaltung  der  Staatsschulden
  haben  zu  Protokoll  zu  erklären,  daß  sie
den  von  ihnen  als  solche  geleisteten  Eid  auch
für  die  Verwaltung  der  Reichsschulden  als  maßgebend
  anerkennen.  S.  im  übrigen,  auch  wegen
  der  Reichsschuldenkommission: