228 Greßbritannien. (Juli 12.—24.)
Besorgnis gegenüber; sie müsse die gegenwärtige Lage der Schiffahrt im
Atlantischen Ozean im ganzen in Betracht ziehen und könne sich, ehe nicht
die ganze Frage zu einem endgültigen Abschluß gelangt sei, vernünftigerweise
weder mit der einen noch mit der anderen Partei ins Einvernehmen
setzen.
12. Juli. Der Premierminister Lord Salisbury tritt wegen
hohen Alters zurück; sein Nachfolger wird der Erste Lord des Schatzes
James Arthur Balfour. Der Rücktritt Salisburys wurde seit
längerer Zeit erwartet.
17. Juli (Unterhaus.) Bei der Beratung des Heeresetats
kritisiert der Kriegsminister Brodrick scharf die Heerführung General
Bullers während der Belagerung von Ladysmith und seine Disziplinlofigkeit
nach seiner Abberufung.
24. Juli. (Oberhaus.) Der Minister des Auswärtigen
Lord Landsdowne sagt auf eine Anfrage über die Lage im Mittelmeer:
England und Italien erstrebten die Aufrechterhaltung des status
quo im Mittelmeere und wünschten, daß kein Eingriff in die Unabhängigkeit
der Länder am Gestade des Mittelmeeres geschehe und daß die englische
Politik auf dieses Ziel gerichtet sein müsse; das sollte eine Gelegenheit
geben, beide Länder vereint zu sehen zur Aufrechterhaltung dieser Ziele.
Dieser Meinungsaustausch über Politik sei nicht in irgend einem Vertrage
niedergelegt. Von diesem politischen Versprechen sei England niemals
zurückgetreten. England bestätige von neuem seine Freundschaft mit Italien
und wünsche die Aufrechterhaltung des status quo und hege die Hoffnung,
beide Mächte, wenn notwendig, gemeinsam handeln zu sehen. Es hätten
keine Schwierigkeiten zwischen England und Italien bestanden, außer in
einer oder zwei Angelegenheiten, die Auseinandersetzungen erheischten, darunter
die Frage der erythräischen Grenze und zuletzt im Jahre 1899 die
tripolitanische Frage. Ueber diese Frage sei Lord Salisbury mit der
französischen Regierung zu einer Verständigung gelangt und unzweifelhaft
sei die Wirkung dieser Verständigung die gewesen, daß bei der italienischen
Regierung die Besorgnis erregt wurde, England beabsichtige den status.
qduo an der Küste des Mittelmeeres zu stören. Die italienische Regierung
habe aber sowohl von der englischen wie von der französischen Regierung
Versicherungen über diesen Punkt erhalten, die sie völlig befriedigt hätten.
Die englische Regierung sei darauf bedacht gewesen, diesen Versicherungen
hinzuzufügen, daß England zwar seinen Verpflichtungen nachkommen müsse,
daß es aber sein Wunsch sei, daß die Lage der Dinge im Mittelmeere
nicht gestört werden solle. Diese Versicherungen seien bereitwillig angenommen
worden. „Es ist so dargestellt worden, als ob wir das Bündnis
mit Italien verloren hätten, und als ob Italien Frankreich in die Arme
getrieben worden sei. Wir erachten es für ebenso völlig natürlich, daß
Italien auf einem freundschaftlichen Fuße mit seinen Nachbarn zu stehen
wünscht, als es unser Interesse ist, daß Italien gedeihe; wir wollen die
letzten sein, die es beklagen, wenn durch ein solches Abkommen Italien
seine internationale Lage verbessert hat. Es gibt keine Macht, mit der wir
nicht herzlichere und freundschaftlichere Beziehungen zu haben wünschen,
und so viel ich weiß, gibt es keine Macht, mit der wir nicht auf freund-