Volltext : Deutsche Staatsgrundgesetze. Heft 6. Verfassungsurkunde des Königreichs Sachsen. Vom 4. September 1831.

68  Verfassungsurkunde  des  Königreichs  Sachsen.

 

höhern  Gerichte  ernannt  wird,  und  aus  zwölf  Richtern,  wovon
  der  König  sechs  aus  den  Mitgliedern  jener  Gerichte  und
jede  Kammer  drei,  nebst  zwei  Stellvertretern,  außerhalb  der
Mitte  der  Ständeversammlung  wählt.  Unter  den  von  den
Ständen  gewählten  Mitgliedern  müssen  mindestens  zwei  Rechtsgelehrte
  seyn,  welche  auch,  mit  Vorbehalt  der  Einwilligung  des
Königs,  aus  den  Staatsdienern  gewählt  werden  können.

Die  Stelle  des  Präsidenten  vertritt  im  Verhinderungsfalle
der  erste  der  vom  Könige  bestellten  Richter.

Die  Ernennung  der  Mitglieder  erfolgt  für  die  Periode

von  einem  ordentlichen  Landtage  zum  andern,  und  zwar  jederzeit

  am  Schlusse  desselben.  Im  Falle  einer  Vertagung  des
Landtags  oder  der  Auflösung  der  zweiten  Kammer  bleibt  der
am  Schlusse  des  vorigen  ordentlichen  Landtags  bestellte  Gerichtshof
  bis  wieder  zum  Schlusse  der  nächsten  Ständeversammlung
  fortbestehen.

S.  144.

Der  Präsident  und  sämmtliche  Richter  werden  für  diesen
ihren  Beruf  besonders  verpflichtet,  und  im  Bezug  auf  selbigen
ihres  Unterthanen=  und  sonstigen  Diensteides  entbunden.

Weder  der  König  noch  die  Stände  können  die  Ernennung
der  Mitglieder  während  der  Zeit,  auf  welche  sie  ernannt  sind,
zurücknehmen.

Nimmt  jedoch  ein  von  den  Ständen  gewählter  Richter
ein  Staatsamt  an,  so  hört  er  dadurch  auf,  Mitglied  des
Staatsgerichtshofs  zu  seyn,  kann  aber  von  der  betreffenden
Kammer  sofort  wieder  gewählt  werden.

C.  145.

Bersammlung  Das  Gericht  versammelt  sich  auf  Einberufung  durch  den

des  Staatsgerichtshofs.



Präsidenten,  welche  von  diesem  sogleich  geschehen  muß,  wenn
er  dazu  einen  von  dem  Vorstande  des  Insti-Ministeril  contrasignirten
  Befehl  des  Königs,  oder  eine  von  den  Präsidenten
beider  Kammern  unterzeichnete  Aufforderung,  mit  Angabe  des
Gegenstandes,  erhält.

Die  Function  des  Gerichts  hört  auf,  wenn  der  Proceß
geendigt  ist.

Der  Präsident  hat  für  die  Vollziehung  der  Beschlüsse  zu
sorgen  und  im  Falle  eines  Anstands  das  Gericht  wieder  zu
versammeln.