Full text : Europäischer Geschichtskalender. Sechster Jahrgang. 1865. (6)

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Deutschland.

bindung  mit  Preußen  einzugehen  in  denjenigen  Angelegenheiten,  deren  gedeihliche
  Entwickelung  ohne  Anlehnung  an  die  norddeutsche  Großmacht  weder  für
Schleswig-Holstein  noch  für  das  übrige  Deutschland  möglich  ist.“

Auf  den  Antrag  der  Altonaer  wird  beschlossen,  den  Antrag  des  Reinbecker
Vereins,  da  er  sowohl  das  Staatsgrundgesetz,  als  auch  das  Selbstbestimmungsrecht
  preisgebe,  ohne  Discussion  von  der  Tagesordnung  zu  entfernen.  Mit
der  Altonaer  Erklärung  gegen  das  gegenwärtige  Regiment  in  Preußen  erklären
sich  auch  die  Kieler  einverstanden,  bestreiten  aber  ihre  Opportunität.  Die  Altonarr
  sind  bereit,  sich  mit  den  Kielern  zu  verständigen  und  wollen  den  ersten
Theil  der  Kieler  Resulution  annehmen,  verlangen  dagegen  für  den  zweiten
Theil  folgende  Fassung:

„Wir  verwerfen  daher  die  Einverleibung  in  Preußen,  die  Personalunion
mit  Preußen,  die  rückhaltlose  Unterordnung  unter  Preußen.  Wir  räumen
dabei  ein,  daß  ein  Anschluß  an  Preußen  in  einigen  Beziehungen  wünschenswerth
  ist.  So  lange  aber  Preußen  das  Recht  unseres  Landes  auf  die  Regierung
  Herzog  Friedrich's  VIII.-und  das  Staatsgrundgesetz  nicht  im  Princip
anerkannt  und  in  bestimmter  Weise  nicht  sich  darüber  ausgesprochen  hat,  was
es  von  uns  fordert,  können  wir  es  nicht  für  richtig  halten,  Namens  des
schleswig-holsteinischen  Volks  Anerbietungen  entgegenzutragen.“

Die  Delegirtenversammlung  genehmigt  einstimmig  den
ersten  Theil  des  Kieler  Antrags,  verwirft  dagegen  mit  120  gegen
88  Stimmen  den  zweiten  Theil  desselben  und  beschließt  auf  den
Antrag  der  Advocaten  Stemann  aus  Segeberg,  statt  desselben  bloß
zu  sagen:

„II.  Wir  stellen  es  daher  auch  dem  Herzog  und  der  Landesvertretung
anheim,  die  im  Interesse  Deutschlands  nöthigen  Staatsverträge  mit  Preußen
abzuschlleßen.“

Der  so  amendirte  Beschluß  wird  als  Ganzes  einstimmig  angenommen
  und  hierauf  der  engere  Ausschuß  des  Gesammtvereins  neu
bestellt  und  zwar  im  Sinne  der  Majorität  mit  Gegnern  eines  allzu

engen  Anschlusses  an  Preußen.

26.  Febr.  (Hannover).  Der  Polizeidirector  von  Hannorer  wird  zum

Präsidenten  des  Obermedizinalcollegiums  ernannt,  da  die  Kammer
eine  Gehaltserhöhung  desselben  abgelehnt  hatte.

27.  „  (Zollverein).  Die  aus  Vertretern  Preußens,  Bayerns  und

Sachsens  einerseits  und  Oesterreichs  anderseits  bestehende  Conferenz
  zu  Berathung  eines  Handelsvertrags  zwischen  dem  Zollverein
und  Oesterreich  beendigt  ihre  Verhandlungen  über  die  gegenseitigen
Tarifconcessionen,  so  daß  zur  Paraphirung  des  Vertrags  geschritten.
werden  kann.

—  Febr.  u.  März.  (Baden).  Versammlungen  in  Freiburg,  Pforzheim,

Offenburg,  Heidelberg  und  Stockach  gegen  die  clericale  Agitation
der  wandernden  Casinos.  Katholische  Petitionen  an  den  Erzbischof
um  Zurücknahme  seines  Erlasses  v.  15.  Sept.,  der  den  Geistlichen
den  Eintritt  in  die  Ortsschulräthe  verbot.

5.  März.  (Oesterreich)  lehnt  die  preußischen  Forderungen  vom

22.  Febr.  bez.  Schleswig-Holsteins  als  Ganzes  ab:
Ein  unter  diesen  Bedingungen  eingesetzter  Fürst  sei  nicht  gleichberechtigtes