LEiexiız und Brandenbure. 39
Die spärlichen Quellen, die wir in Bezug auf das Verhältniss Lressızens
zu Brandenburg aus den dJalıren 1684-1694 besitzen, gestatten
leider keinen sicheren Schluss. Sicher aber ist, «dass er um das
Jahr 1694 zu einer ganz anderen Einsicht in Bezug auf das Land
gelangt war. Es ist richtig, dass die Kurfürstin SorniE CHARLOTTE
einen Gelelrrten wie Lrıesız mindestens zeitweilig in ihrer Nähe
haben wollte; es ist ferner gewiss, dass die Kurfürstin-Mutter zur
Verfolgung ihrer Pläne einen klugen und politisch unverdächtigen
Vertrauensmann in Berlin zu sehen wünschte; es ist endlich nicht
zu bezweifeln, dass sowolil die Bewerbung um das Amt eines brandenburgischen
Historiographen, als auch die Uniouspläne und der
Gedanke der Societätsstiftung in Berlin auch im Dienste der welfischen
Politik gestanden haben allein weder hat es sich, soweit Leiesiz
betheiligt war, um Pläne gehandelt, die für Brandenburg verhängnissvoll
oder gar verderblich waren, noch ist Leisntz je der diplomatische
Vertrauensmann des hannoverschen Kurfürsten gewesen,
noch hat er seine grossen Unternehnnungen nur als Nittel zum Zweck
betrachtet. Sie lebten ınit selbständiger Kraft in seiner Seele: er
ordnete sie in seinem Geiste allen politischen Aftairen über und betrieb
sie ehrlich und mit Nachdruck. Dazu hatte sich sein Urtleil
über «len Beruf Preussens wirklich geändert. Nicht nur hatte das
Lebenswerk des Grossen Kurfürsten, den auch die Herzogin Sornıe
»un heros de notre religion« nennt', den tiefsten Eindruck auf ihn
gemacht, sondern er erkannte auch mit steigender Klarlıeit. dass
nur ein festes Zusammenhalten der protestantischen Fürsten unter
Preussens Führung den in seiner Existenz von Frankreich her bedrohten
Protestantismus und die deutsche Libertät retten könne.
Er salı in Deutschland keinen anderen grösseren Staat. der so wie
Brandenburg -Preussen auf die Hebung der geistigen und materiellen
Cultur seiner Untertlianen bedacht war und der jene religiöse Toleranz
so zielbewusst übte, die ihm als die Voraussetzung alles Fortschritts
erschien. Vollends seit dem Übertritt des Kurfürsten von
Sachsen sah er im brandenburgischen Kurfürsten »das llaupt der
Protestanten im Reiche«°. Darum hat er Verbindungen mit dem
Lande gesucht’, und die ausgedehnteste Forschung hat bisher nichts
! Im Briefe Leissiızens vom 22. Mai 1688 (Krorp. Werke von Leısxız.
7. Bd. S. 13).
? Siehe den Brief an Cvxeau vom 4. Juli 1697. (Abgedruckt in der »Berlinischen
Bibliothek«. 1. Bd. 1747 8.133.)
3 Ausserdem war ihm Preussen durch seine guten Beziehungen zu Perer |.
die Pforte für Russland, Russland die Pforte für China.