76 Malets Offenheit. Taktik Rechbergs. Hatzfeldt. Bernstorff. Usedom. Wedell. Ordenssachen.
auf dem in Homburg zur Feier der Eroberung Sebastopols veranstalteten Diner einen
ernstlichen Verweis erteilt habe. Lord Clarendon habe hinzugefügt, wie er sich freue, daß
die preußische Regierung ihn der Verlegenheit überhoben habe, in die ihn eine diesseitige
Beschwerde würde gebracht haben, da er einer solchen gegenüber nicht imstande gewesen
wäre, sich Sir Alexander Malets anzunehmen (qu'il n'aurait pas pu le soutenir).
Sir Alexander Malet hat mir nochmals seinen lebhaften Dank für die von der K.
Regierung beobachtete Rücksicht ausgesprochen.
Indem ich mir erlaube, E. E. im Anschluß an meinen Bericht vom 8. d. M. hier=
von g. g. Anzeige zu machen, glaube ich annehmen zu dürfen, daß dieser Abschluß der
Angelegenheit auch zu Hochdero Befriedigung gereichen werde.
88. Bericht vom 29. Oktober 1855 an Minister v. Manteuffel,
betr. die Besetzung der Stelle eines Archivars der Bundesmilitärkommission.
— Vgl. Poschinger II Nr. 147.
89. Privatschreiben an Wirkl. Geh. Legationsrat Balan.
[Eigenhändig.]
30. Oktober 1855.¹)
Verehrtester Freund und Gönner, mit vielem Danke habe ich Ihr Schreiben vom 27.²)
erhalten, und bin darin ganz mit Ihnen einverstanden, daß ich mir mit einiger Besorg=
niß die Frage stelle, ob Rechberg in der erfreulichen Weise fortfahren wird, in der er seine
Stelle interimistisch versah, oder ob er sich bloß in berechneter Weise die Wege geebnet
hat, um nun Prokeschs Spiel mit mehr Geschick fortzusetzen. Die Bundesreform halte
ich für eine blague, um die Kleinen zu ängstigen und um Oestreich als den Träger, Preußen
als den Gegner dieser volksthümlichen Idee darzustellen. Pfordten hätte sich klüger be=
nommen, wenn er seine Kammer mit ihren unmöglichen Projecten hätte herauskommen
lassen, anstatt die Sache ernsthaft zu nehmen und Depeschen darüber zu machen. Mit
Hatzfeldt und Bernstorff habe ich mich in Coblentz schon expectorirt, und es gelang mir
nur mit Mühe, letztern zur Mitreise und zum Vortrag seiner olympischen Klagen³) bei
Sr. Maj. heranzubringen. Ich hoffe, daß er damit zur Verdunstung der Luxemburger
Conspiration⁴) das Seinige beigetragen hat, nachdem die Hauptsache durch Hatzfeldt ge=
schehn war. Was macht aber Wedell noch in Berlin? Ich denke, der alte Herr⁵) wird
doch durchgesehn haben, daß man ihn benutzen wollte, die Kastanien aus dem Feuer zu
holen! Was die Ordensangelegenheit betrifft, so bitte ich Sie, auf meinen Beistand
und meine Discretion zu rechnen. Ich glaube aber kaum, daß man in D[armstadt] auf
eine Reciprocität für Solms eingeht. Aus meinen Berichten ist Ihnen bekannt, daß der
Großherzog für Görz den Orden wünscht, und die Hutmachergeschichte⁶) läßt diesen
Wunsch im Preise steigen. …
¹) Vollständig abgedruckt im Bismarckjahrbuch VI S. 58 f.
²) Abgedruckt a. a. O. S. 56 ff.
³) Anspielung auf Herrn v. Usedoms Gattin Olympia.
⁴) Anspielung auf die amtliche Stellung des Generals v. Wedell als Gouverneur von Luxemburg.
⁵) Wedell war 1784 geboren.
⁶) Vgl. die folgende Nummer.