Unterredung mit Graf. Wimpffen, 12. April. 35=
Aulage.
Aufzelchnung über die Unkerredung mit dem österreichischen Gesandten Grafen Wimpffen
vom 12. April 1867.
[Konzept von der Hand des Vortragenden Aats Abeken.)
Der Kaiserlich Osterreichische Gesandte Graf Wimpffen suchte mich am 12. April auf,
um mir, angeblich ohne amtlichen Charakter, die Srage vorzulegen, was wir sagen würden,
wenn Österreich eine Bermittlung in der Luxemburger Frage eintreten ließe auf der Basis,
daß Luxemburg belgisch und dafür ein Stück von Belgien bei Marienburg französisch werde.
Ich habe ihm darauf erwidert, daß ich zwar nicht wisse, wie Seine Moajestät der König
die Sache anseben, aber ich könne für jetzt nicht Rein dazu sagen und nur bemerken, daß die
Entscheidung wesentlich bedingt sein würde von dem Eindruck, den ein jJolches Auskunfts-
mittel auf die öffentliche Meinung in Deutschland, auf Rußland und auf
England machen würde; alle drei dürften nicht verletzt werden.
Ich bin darauf auf eine allgemeine Besprechung der Situation und der Stellung ÖOfter-
reichs zu derselben eingegangen.
Ich habe dem Grafen Wimpffen gesagt, daß wir sehr bereit seien, die Interessen der
deutschen Ration zu verteidigen auf unsere Gefahr bin und auf die Chance eines Krieges
mit Grankreich, wenn wir die Gewißbeit hätten, daß Deutschland uns nicht im Stich ließe,
daß also namentlich die süddeutschen Staaten ernsthaft und ehrlich zu uns bielten. Die Hal-
tung dieser Staaten würde aber wieder wesentlich durch die Rücksichtnahme derselben auf
Osterreich bedingt werden. Wenn die füddeutschen Staaten aus Furcht vor Osterreich und
einer eventuellen Verständigung des letzteren mit Srankreich oder aus Rückssicht auf öster-
reichische Wünsche, uns im Stich ließen und die in den Allianz- und Garantie-Verträgen
übernommenen Verpflichtungen nicht bielten, so würden wir keine Berpflichtung baben,
allein für nationale Snteressen einzustehn, welche die Mation nicht als Jolche anerkennt ulnd)
dehandelt,! und würden dabei dann auch vor unserm Gewissen und vor der öffentlichen Mei-
nung gerechtfertigt dastehen. Wir bätten dann, gestützt auf die Kraft Norddeutschlands,
unfre Stellung in Curopa lediglich nach Maßgabe der eigenen Interessen zu nehmen.: Wenn
Osterreich das nicht wünfche, so müsse es mnächst die füddeutschen Staaten über seine
eventuelle Haltung beruhigen und ihnen dadurch den Mut geben, entschieden mit uns zu
geben.
Ich habe dem Grafen Wimpffen mit aller Offenbeit über die gegenwärtige Lage und
ihre Bedeutung für uns und für Osterreich gesprochen.
Ich babe ihm gesagt, Österreich müsse sich jetzt die Srage vorlegen, ob es eine gegen
seitige und defensive Anlehnung mit Deutschland wieder gewinnen wolle oder nicht?
Beantworte es diese Frage mit Ja, so sei der gegenwärtige Moment dazu günftig,
weil das deutsche Aationalgefühl in Aussicht auf die Gefährdung des Friedens eine An-
näherung Öfterreichs, welche denselben erhalten könnte, mit Freuden aufnehmen, daber
auch die öffentliche Meinung Konzessionen gutheißen werde, welche man mit Rüchksicht
darauf an Ofterreich machen könnte. Es ließe sich darauf ein Bündnis fester und bleibender
1 Der letzte Dessus eigenhändige Korrektur Bismarcks statt Abekens Folsung: „uns allein der in Frage
stebenden deutschen IUnteressen anmnehmen.“
2 Der bhat beruht auf eigenbändigen Korrekturen Bismarcks.
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