188 Begründung der preuhischen Jurückhaltung.
Im Sweifel darüber glauben wir uns indes enthalten m müssen, den an uns gelangten
Vorschlag mit den anderen beiden Mächten zu diskutieren, ohne der Zustimmung des Kaiser-
lichen Kabinetts bierm gewiß m sein.
Auf Befehl Seiner Majestät habe ich Ew. pp. daher ergebenst zu ersuchen, sich in
diesem Sinne gegen den Marquis de Moustier auszusprechen.
*1000. Erlaß an den Botschafter in Daris Grafen von der Goltz.
[Konzept von der Hand des Vortragenden Aats Abeken.]
Vertraulich. Berlin, den 20. Dejember 1867.
Ew. pp. habe ich in meinem beutigen Erlaß Ar. 597 mitzuteilen mich beehrt, in welcher
Weise Seine Maojestät der König befiehlt, daß Ew. pp. sich vorläufig gegen den Marquis
de Moustier über die durch Herrn Benedetti bierber gelangte französische Eröffnung aus-
Iprechen.
Sw. pp. werden es begreiflich finden, daß wir es vermeiden müssen, einerseits vielleicht
entschiedener als die anderen Aächte uns gegen die von Grankreich eingenommene Stellung
und die Wünsche des Kaiserlichen Kabinetts auszusprechen, andererseits unsere Haltung
von der der ersteren zu trennen.
Nach allen bisherigen Außerungen aus St. Petersburg und London dürfen wir mit
Sicherheit annehmen, daß weder Außland noch England geneigt sein werden, sich mit dem
Eintritt in die vertraulichen Besprechungen zugleich für die Konferenz, deren Verwirk-
lichung erst von dem Ergebnis dieser Besprechungen abhängt, zu binden. Daß dies für
uns ebenso unmöglich ist, baben Ew. pp. aus meinen bisherigen Alitteilungen ersehen. Wir
müssen aber wünschen, uns vorber darüber zu vergewissern, daß von allen Seiten die gleiche
Sprache geführt werde, und daß wir nicht mit unserer Außerung — wie es die Absicht des
Kaiserlichen Kabinetts zu sein scheint, und wie Ew. pp. selbst es in öhren Berichten mit
Recht als nicht wünschenswert bezeichnet haben — in die erste Linie gedrängt werden.
Ich darf daher Ew. pp. ergebenft ersuchen, sich in Ihren Außerungen gegen den
Kaiserlichen Minister zunächst auf die in meinem angezogenen Erlasse dargelegten Erwä-
gungen zu beschränken.
In meinen Mitteilungen aus der letzten Zeit finden Ew. pp. binreichend Anhalts-
punkte, um bei etwaigen Unterredungen mit dem Minister sowohl den preußischen Stand-
punkt nicht verrücken zu lassen als auch unsere Haltung zu rechtfertigen und mit den freund-
schaftlichen Beziehungen zu Frankreich, welche wir zu wahren wünschen, in Einklang zu
halten. Wie sehr es Seiner Majestät dem Könige darauf ankommt, daß alle unsere
Außerungen den Charakter des möglichst freundschaftlichen und wohlwollenden Entgegen-
kommens tragen, und daß mehr die Bereitwilligkeit zu vertraulichen Besprechungen als
die Ablehnung der vorgängigen Zustimmung zur Konferenz in den Vordergrund trete, —
bedarf für Ew. pp. nicht erst der Bemerkung.
Wir würden es für zweckmäßiger gehalten haben, wenn der franzölische Minister die
Einladung m den Besprechungen nicht an die Zustimmung zur Konferen; geknüpft, sondern
einfach die vertraulichen Besprechungen, durch welche, wie wir glauben, alle Mächte geneigt
Siebe Ar. 99.