Full text: Bismarck Die gesammelten Werke. Band 6a. (6a)

280 Die Mission Tauffkirchens 1867 und die französischen Rüstungen. 
sei. õch halte denselben vielmehr im Gegenteil für einen politischen Fehler, erklärbar da- 
durch, daß die Schüchternheit der damaligen preußischen Regierung ihr das Auge für eine 
richtige Würdigung der politischen Verhältnisse trübte. Ich habe schon damals, da ich 
persönlich in die betreffenden Berhandlungen eingeweiht war, die Überjeugung gewonnen, 
daß das Verhalten unserer damaligen Regierung ein Ergebnis ihrer Schwäche und jener 
Vertrag die Fortsetzung der Politik der Entsagung und der Hingebung an österreichische 
Leitung war, welche den Rachklang zu der auf Olmütz folgenden Periode bildete. 
*1028. Erlaß an den Boischafter in Darls Grafen von der Golz. 
. [Konzept von der Hand des Vortragenden RNats Abeken.] 
Nacheinem Bericht des Grafen v. d. Goltz vom 19. Februar hatte dieser tags zuvor 
Veranlassung genommen, Marquis Waustier über die vielfachen Prtümer Guhu lären, die be- 
süglich der Berlin-Wiener Mission des Grafen Taufskirchen im April in den im Öster- 
reichischen Rotbuch veröffentlichten Schriftfstückten, insbesondere in den Eusn' des Aeichskanjlers 
Sreiherrn v. Beust an Graf Wimpffen vom 19. April — Ar. 47 des Nolbuchs —, enthalten 
waren. Auf die von Goltz im Gespräch mit Moustier hingeworsene Bemerkung, daß das Wiener 
Kabinett dem franjösischen mutmaßlich gleich nach den Creignissen eine falsche Darstellung von 
Inhalt und Bedeutung der Taufstirchenschen Mission gegeben haben werde, bestätigte Mwustier: 
ja, man habe ihm damals mitgeteilt, daß es sich um nichts wen ger als die Wiederberstellung der 
Heiligen Allian;z gegen Srankreich gehandelt babe. Goltz ließ in seinem Bericht ein Bedauern 
durchblickeen, daß Bismarck ihm seinerjeit nicht von jenem Beuftschen Erlaß, der dem Minister 
hunch schon damals durch die von Beuft angeordnete Verlesung zur Kenntnis gekommen sei, Mitteilung 
gemacht habe; es hätte sich dann rechtzeitig einer Grreführung des französischen Kabinetts, die 
nicht ohne Cinwirkung auf die franfösischen Rüstungsmohregeln geblieben sei, vorbeugen lassen. 
Vertraulich. Berlin, den 26. Sebruar 1868. 
Ew. pp. gefälliger Bericht Ar. 46 vom 19. d. M. veranlaßt mich zu der Bemerkung, 
daß wir in gewissem Sinne dem Sreiherrn von Beust für die indiskrete Veröffentlichung 
des Rotbuchs dankbar zu sein Urfsache haben, indem er uns dadurch den Anlaß und die 
Aöglichkeit geboten bat, die an die Mission des Grafen Tauffkirchen geknüpften falschen 
Auffassungen zu berichtigen. Mit den Aufklärungen, welche Ew. pp. dem Marquis de 
Moustier darüber gegeben haben, bin ich vollkktommen einverstanden. Bis zu welchem 
Grade dies nötig war, habe ich allerdings erst jetzt erkennen können. Daß die Depesche des 
Freiherrn von Beuft vom 19. April (Nr. 47 des Notbuchs) mir damals vorgelesen worden 
wäre, ist mir durchaus nicht erinnerlich, im Gegenteil habe ich sehr bestimmt im Gedächtnis, 
daß ich nur ein längeres Gespräch mit dem Grafen Wimpffen über die Tauffkirchensche 
Mission gehabt habe, und zwar spajierengehend im Garten, wobei es schon an und für sich 
nicht wahrscheinlich ist, daß ein so langes Aktenstückt vorgelesen worden sei. Sch glaube 
nicht, daß mein Gedächtnis mich in dieser Besiehung trügt. Die Aeußerungen des Grlafenl! 
Wimpffen waren dabei vorwiegend satirischer Matur über Grlaf]j TCauffkirchen, abwehrend 
gegen bairische Intervention zwischen uns ulnd) Oestreich ulnd] auffordernd mu sperifi- 
cirten Anerbietungen des Preises, den wir für Oestreichs Allianz zu geben geneigt sein 
würden. Es ist von mir, da ich den Eindruck behielt, daß auf ehrliches Entgegenkommen 
nicht m rechnen senn, keine Antwort darauf erfolgt, ja, in der ganzen Korrespondenz mit 
dem Königlichen Gesandten in Wien findet sich keine Beziehung darauf. Die Berichte des 
letzteren über das Auftreten und die Aufnahme des Grafen Cauffkirchen in Wien und über 
: Der Elngang dieses Satzes und der vorausgebende Satz eigenhändiger Jujat Bismarcks.