Full text: Bismarck Die gesammelten Werke. Band 6a. (6a)

Verständigung der Kabinette von Daris und Slorenz über römische Srage? 47 
Grau Kronprinzessin diese Treppe zum Herabgehen benutzen würde. Abgesehen davon, dah 
Ihre Königliche Hoheit, wie ich gesehen, nicht diese, sondern die Theatertreppe an der alten 
Kapelle benutzte, als Höchstdieselbe sich entfernte, so erscheint es mir untunlich, die amtlich 
anwesenden Mitglieder der Vertretung des Norddeutschen Bundes in dieser Weise an der 
Benutzung des einzigen ihnen angewiesenen Ausganges zu hbindern. 
Ew. glaube ich um geneigte Abhülfe in diesen Beziehungen ulnd) um die Anordnung 
ergebenst bitten zu sollen, daß den mit der Ueberwachung im Könliglichen] Schlosse beauf- 
tragten Dolizei- ulnd] Hof-Beamten ulnd) der Dienerschoft ein besonders zuvorkommendes 
Verhalten gegen die Abgeordneten zur Pflicht gemacht werde, weil andern Salles die dar- 
aus hervorgehenden Verstimmungen nicht verfehlen, sich politisch fühlbar zu machen. Dieser 
Reichstag bat zahlreiche Mitglieder, welche durch ihre sociale Stellung an rücksichtsvolle 
Behandlung gewöhnt sind, ulnd] wenn auch die Empfindlichkeit über vermeindlichen Mangel 
einer golchen sich grade bei diesen im ersten Augenblickt minder lebhaft als bei andern 
äußert, so befürchte ich doch, daß Vorkommnisse wie die oben angedeuteten dazu dienen 
werden, den ohnehin spärlichen Besuch der Ceremonie im weißen Saale, wenn nicht gar 
die AReigung zur Übernahme der unbefoldeten Mandate in den höheren Kreisen der Wähl- 
baren noch m verminderne. 
*839. Rundtelegramm an die Missionen bel den Großmächten, 
in Florenz, Brüssel, Madrld und München. 
[CEigenbändiges Konzjept.] 
Am 10. September hatte der Geschäftsträger beim Päpftlichen Stuhl o. Schlözer von 
einem einfluhreichen Mitgliede der ARationalpartei, das in nahen Bejiehungen zu dem italienischen 
Ministerpräsidenten Ratani stand, erfahren, daß in Paris über eine neue italienisch-französische 
Konvention verbandelt werde, ae Italien die päpstlichen Prooinzen besetzen, der Papst auf 
NRom beschränkt werden und dieses felbst neutralisiert werden solle. Abnliche Gerüchte wurden 
auch in der italienischen Presse laut. Da Bismarck immerbin mit der Möglichkeit rechnen 
muhßte, daß eine engere Verständigung zwischen den Kabinetten von Paris und Slorenz in der 
römischen Frage dahin fübren könne, dah Italien Aa#poleon III. auch gegen Preußen Gefolgschoft 
leiste (logl. Tr. 832), hielt er es für nötig, vorsichtig Erkundigungen über den Grund jener 
Gerüchte einzujieben. 
Berlin, den 11. September 1867. 
Aus guter Quelle wird gemeldet:, daß Ratani mit Grankreich über eine neue Kon- 
vention verhandele, wonach Ztalien die pästlichen Prooinzen besetzen, Dapst auf Rom be- 
schränkt werden und Nom selbst als neutrale Stadt eine Munizipalverwaltung erhalten 
soll. Ratani verlange, daß diese Bestimmung nur bis zum Tode Pius' IX. Gültigkeit 
behalte. Österreich solle für diese Konvention gewonnen sein. Die Sache werde sehr geheim 
gehalten. Rataz#i allein leite von Slorenz aus die Verbandlung, die in Paris geführt 
würde. 
Erfahren Sie dort Bestätigendes oder Widersprechendes, so melden Sie telegraphisch. 
Erkennbare Nachfrage m vermeiden. 
.... Bismarcks. D de Telld 
eine 72 i## Ao Sänege Halat, sgerhe Hand- voraufgehende Ceil des Schreibens enthält 
Em—1 lgende mit Ausnahme des letten Ablatzes ist inleriert aus einem Telegramm des Sesch# 
trägers dasslilse Schlözer vom 10. ueee chöfts-