Full text: Bismarck Die gesammelten Werke. Band 6b. (6b)

366 Werthers befremdliches Schweigen. Ch#teau Renards Insinuationen. 
1609. Telegramm an den Boischafter in London 
Grafen von Bernstorff. 
[Konzept von der Sand des Staatssekretärs von Thile.) 
Berlin, den 13. Juli 1870. 
Uur Station: 6% nachm.) 
Wir hören von neuen Sorderungen Gramonts gegen Werther. Dieser bat seit 
gestern mittag nichts telegraphiert trotz unserer wiederholten Fragen. Verdacht nabe- 
liegend, daß man unjsere telegrophische Korresponden; bemmt. Suchen Sie von der 
Gefälligkeit Lord Granvilles zu erlangen, daß Lord Lgons chiffriert telegraphisch veranlaßt 
werde, Werther m befragen, wann und was er zuletzt telegraphiert habe. 
General Roon bittet den Prinzen Adalbert m ersuchen, daß er nicht über Frankreich 
telegraphiere. 
R. H. Lord, The Origins of the War of 1870, p. 225. 
*1610. Erlaß" an den Gesandten in Dresden von Eschmann. 
lEntwurf von der Hand des Legationsrats von Bülow.) 
Am 12. Juli hatte der * Hesandte i in Dresden Marquis Chäteau Renard 
den sächsischen Minister des Unneren v. Mostitz-Wallwitz, der den beurlaubten Minister 
v. GSriesen verkrat, auf Grund des auch in Dresdener Blättern abgedruckten Bismerckschen 
Telegramms vom jo. siehe Ar. 1588) ern ob die Jächsische Regierung die darin erwöhnte 
Mitteilung über die Stellungnahme der Verbündeten ARegierungen in der Frage der spanischen 
Thronkandidatur erhalten habe. Im Laufe des Gesprächs hatte der französische Gesandte die 
Auffassung vertreten, daß, wenn Dreußen in Paris die Erklärung abgeben könnte, dah König 
ilbelm I. dem Erbprinzen nicht die Genehmigung zur Annahme der Thronkandidatur erteilt 
hade olle Kriegsgesa * beseitigt Jein würde. Offenbar ging die Tenden: der Auslassungen des 
Gesandten dahin, dah die jächlische Regierung sich in Berlin für eine solche Erklärung König 
Wilbelms I. einfetzen möge. Soweit ging natürlich der Minister v. Aostitz-Wallwitz, der das 
ts alsbald zur Kenntnis des Gesandten v. Eichmann brachte, nicht; immerhin gewann 
diejer, wie er in einem Berichte vom 12. (siebe dessen Text bei Lord, a. a. O., P. 210 f.) darlegte, 
den Eindruck, daß der Minister gern über die Möglichkeit einer golchen von König Wilhelm 
abmgebenden Erklärung unterrichtet sein wolste. 
Berlin, den 13. Juli 1870. 
Ew. pp. gefälligen politischen Bericht Ar. 40 vom gestrigen Tage habe ich m erhalten 
die Ehre gehabt. 
Die darin enthaltenen Mitteilungen über eine Besprechung zwischen dem Herrn MAinister 
von Nostiz und dem Marquis de Chateau Renard in betreff der spanischen Chronangelegen- 
heit geben mir zu nachstehenden ergebensten Bemerkungen Veranlassung. 
Das Auswärtige Amt des Norddeutschen Bundes soll nach meiner Auffassung vor der 
Königlich Sächsischen Regierung prinzipiell keine Geheimnisse haben; wenigstens keine weiteren 
Geheimnisse als etwa solche, die ein Minister der auswärtigen Angelegenheiten auch vor 
seinen eigenen Kollegen vorübergehend zu wahren pflegt. 
Mit diesem Stand verträgt es sich aber nicht, wenn ein fremder Gesandter — wie bei- 
spielsweise nach Ew. pp. gefälligen Mitteilung der Marquis de Chateau Renard — sich 
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1 Der Erlaß ist, obwobl von Bismarck durchkorrigiert und paraphiert, nicht zur Absendung gelangt.