Full text: Bismarck Die gesammelten Werke. Band 6b. (6b)

368 Bismarck, Moltke und Roon bitten Wilhelm I., nach Verlin jurückzukehren. 
mitgesprochen haben, den König der fortgesetzten Einwirkung Benedettis zu entnehen. Daß 
Bismarck in diesem Augenblickl an den König telegraphiert hätte, wenn er Benedetti nochmals 
empfänge, so bäte er um seine Entlassung, wie Busch (Tagebuchblätter, II, 485) 1877 von dem 
Kanzler vernommen haben will, trifft nicht mu; dagegen entschloßb sich Bismarck am Abend des 
13. Juli, während Noon und Moltke bei ihm zu Tisch weilten, mit diesen mlammen einen 
direkten dringenden Appell jur Rückkehr an den König zu richten. Ob dem Kanzler im 
Augenblicke des Abgangs des Telegramms (8,10 Uhr) schon die Entifferung der um 6,09 Uhr 
eingegangenen berühmten „Emser Depesche“ (ogl. dazu Nr. 1612) vorlag, ist nicht mit Sicherheit 
festimstellen, aber kaum wahrscheinlich 
Berlin, den 13. Juli 1870. 
lur Station: 810 nachm.) 
Angesichts der steigenden Entrüstung der öffentlichen Meinung gegen die Anmaßungen 
Frankreichs, von der mir aus den verschiedensten Tbeilen Deutschlands die Symptome zu- 
gehnt, halte ich es für geboten, daß wir eine Aufforderung an Grankreich richten, sich über 
seine Intentionen gegen Deutschland zu erklären. Der Text eines golchen Actenstückes kann 
nur unter Mitwirkung der amtlichen ulnd) natürlichen Rathgeber Ew. Aloajlestät) festgestellt 
werden. Sch wage daher im Vereine mit General von Moltke ulnd) von Noon meine ehr- 
furchtsvolle Bitte zu wiederholen, daß Ew. Mloajestät! nach Berlin zurückzukehren geruhn 
wollens. « 
R.H.Lord.ThcOriginsokthewakok1870.o.228f. 
1612. Telegramm an die Missionen in Dresden, München, Stuttgart, 
Karlsruhe, Darmstadt, Hamburg, Weimar'. 
[Kanzleikon #ept.)] 
Während der Herzog von Gramont in fseiner Unterredung mit Wertber vom 12. Juli 
(logl. Ar. 1604) die Sorderung eines Entschuldigungsbriefes König Wilhelms aufgestellt hatte, 
in dem u. a. jum Ausdruck gebracht werden jollte, daß der König sich der Thronentsagung des 
Erbprinzen von Hohenzollern ausdrücklich anschließe, batte er am gleichen Cage Benedetti 
angkriesen, in einer bei dem Könige nachzusuchenden neuen Audien) neben der Approbierung 
des Aücktritts von der Kandidatur auch ein bindendes Versprechen m verlangen, daß er, der 
König, eine Wiederaufnahme der Kandidatur auch in der Zukunft nicht mlassen werde. König 
Wilhelm, der sich bei der Anmeldung Benedettis Jr Audien; am Morgen des 13. vornahm, 
gemäß der Warnung Bismarcks dem gonköllschen Botschafter gegenüber „keine Erklärung 
irgendwelcher Art mu geben“ (ogl. Ar. 1598 und Nr. 1611, Vorbem.), hat in der berühmten 
Siene auf der Brunnenpromenade in Ems in der Tat die ihm gänzlich unerwartet kommende 
Jorderung, daß er sich für alle Zukunft binden solle, mit gröhter Entschiedenheit abgelehnt. 
Der anderen Forderung einer ausdrücktllichen Billigung des Thronverzichts suchte sich Wilbelm I. 
t entziehen, indem er Benedetti darauf binwies, daß man erst noch eine direkte Mitteilung 
es Sürsten Karl Anton aus Sigmaringen abwarten müsse, die jeden Moment eintreffen 
könne. Immerhin sagte der König dem Votschafter zu, ihn wieder zu lich rufen lassen 
m wollen, sobald die endgültigen Entschließungen aus Sigmoaringen eingegangen seien. 
Als diese indessen kur nach der Verabschiedung Benedettis wirklich eintrafen, nahm der König 
unter dem nachwirkenden Eindruck der voraufgegangenen Drätension des Votschafters davon 
Abstand, ihn noch einmol mu sich m entbieten, vielmehr ließ er ihm nur durch den Ilügeladjutanten 
Drinz Nadjiwili mündlich bestellen, er habe jetzt aus Sigmaringen die volle Bestätigung des 
Chronverkichts erhalten und sebe hiermit die Angelegenbeit als erledigt an. Die Sassung 
1 Vgl. dam auch Bismarcks Außerungen zu Lord Lofkus vom 13. Juli, wo von erhaltenen Telegrammen 
aus Bremen, Königsberg und anderen Orten die Rede ist. The Dliplomatic Keminiscences of Lord- 
Augustus Loftus, I. 274.= „ ..... 
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gen Bremen und Lübeck. Die Veröffentlichung in der Presse erfolgte in einer etwas abweichenden Form 
als Zeitungstelegramm aus Ems; ogl. Das Staatsarchiv. 44