32 Rithtlinien zur Behandlung der BroschUre Arcolaus.
msjagen, nachdem Sie mit den Gesinnungen Seiner Majestät und den leitenden Grundsätzen
unserer Politik binreichend vertraut sind, um sofort bereitwillig erkennen m lassen, welchen
Wert wir auf die Erhaltung des Griedens legen, ulnd] welche sichre Bürgschaft der Friede
in dem einmüthigen Willen beider Mächte, den Krieg zu verbindern, finden würde. Diese
Mittbeilung ist nur zu Cw. pp. perfönlicher Information bestimmt“.
H. Michael, Bismarck, England und Europa, S. 437ff.
1332. Erlaß an den Gesandten in München
Freiherrn von Werthern.
Gonret von der Hand des Vortragenden Rats Bucher.)
Am 2 al Sebruar batte Freiherr v. Werthern eine unter dem DPleudonym Arcolau
erschm 0 wie e sich bald berausltellte. von dem WPilitrscheiftsteller Streubel, einem ehemaligen
Emmichen Artillerieoffizier, verfaßte Broschüre: „Der Anschluß Süddeutschlands an die Staaten
reuhischen Hegemonie, sein sicherer niersaug bei einem franzsisch-preuhischen Kriege“
übersandt. , Werthern besorgte. daß diese Schrift „wegen ihrer auf militärwoissensihaftl er
Basis aufgebauten Deduktionen“ lut m sehr geeignet sei, in München eine große Verwirrun
bervorzurufen. Bismarck wollte in der Schrift, die die überlevenheit des scher von Österrei
und Italien unterstützten Srankreich über Dreußen und Vußland in starken Sarben ausmalte,
nur zdos elendeste Gewäsch“ seben und ließ Werthern in einem nicht von ihm ee neten
Erlaß vom 1. Märj dahin instrujeren daßb es am zweckrmähigsten lein werde, „das wer
gar 735 rnitbaft zu bebondeln“, seltn wenn es in München als einem Terrain, Owei soviel
rädispolition lur Verwirrung vorhanden ist“, wirklich Verwirrung stiften sollte. Am 11. März
Kellte Werthern noch einmal die Frage, ob es sich tatlächlich empfeble, die Schrit als
Wantts négligeable m behandeln: „Wie ich vorhergesehen, erweist sich die Arcolapsche
roschüre als äußerst wirklames Mittel der Verwirrung, aber nicht allein im Publikkum auf
dem Lande und den kleinen Städten und im Aeichsrate, wo sie verschlungen wird. General
v. d. Tann und Major v. Sauer versichern mich, daß sie fortwährend den ernstesten Dekoe
darüber unter ihren EWihen briwohnen- Szieer Sgieltät dem Könige — sie anonym
uge chick t worden mit der Aufschrift: entscheide über das Wohl Deines
olkes', und soll einen Sinfluß auf Wuz al uun d haben. Die ganze Presse
beschöftigt sich mit der Broschüre.“, Einen von der „Süddeutschen resse“ gekrache, Segen-
artikktel wollte Werthern wenig geschickt finden.
Berlin, den 23. Mär; 1869.
Ungeachtet der in dem gefälligen Vericht vom 11. d. M. bervorgehobenen Umstände kann
ich nicht zugeben, daß die schülerhafte Arbeit von Streubel alias Arcolau der Mühe lohnte,
nochmals auf dieselbe mrückezukommen. Keiner jener Umstände ist dazu angetan, die Gründe
m entkräften, welche einer ernsthaften Behandlung des Pamphlets entgegenstehen, das hier
bei Fachmännern nur Heiterkeit erregt hat. Daß es dort Verwirrung anrichten würde,
habe ich in meinem Erlaß vom 1. d. M. ausdrücklich vorausgesetzt, und würde ich voraus-
gesetzt haben, selbst wenn Ew. pp. nicht darauf hingewiesen hätten. Ich kenne aus der Be-
obachtung bier den Sauber, den das auf dem Titel prangende Wort „wissenschaftlich“ aus-
müben pflegt. Die Sitte „wissenschaftlicher Vorträge“ hat sich bis in die obskursten Bezirks-
vereine, bis in die unbedeutendsten Landstädtchen verpflanzt. Der dürftigste Dilettantismus
tritt mit der Prätension der Wissenschaftlichkeit auf Personen, die es sehr übelnehmen
würden, wenn man ihnen das Prädikat „gebildet“ bestreiten wollte, und die es auf anderen
Schieten in der Tat verdienen, geben ihren gesunden Wenschenverstand gefangen vor diesem
Worte, und diejenigen, die am meisten befäbigt sind, wirklich wissenschaftliche Kritik zu üben,
2 Der letzte Satz und de der Schluß bes vorletzten von den Worten an: „um sofort bereitwillig .“
eigenbändiger Susatz Bismarcks.