Full text: Bismarck Die gesammelten Werke. Band 6b. (6b)

494 Materielle Bürgschaften gegen nächsten Angriff der Sranjosen nötig. 
dem Kriege, dem wir widerstrebten, gezwungen hat, müssen wir dabin streben, für unsere Ver- 
teidigung gegen den nächsten Angriff der Franzosen bessere Bürgschaften als die ihres 
Wohlwollens zu gewinnens. «- 
Die Garantien, welche man nach dem Jahre 1815 gegen dieselben französischen Gelüste 
und für den europäischen Frieden in der Heiligen Allianz und andern im europäischen Inter- 
esse getroffenen Einrichtungen gesucht hat, haben im Laufe der Zeit ihre Wirksamkeit und 
Bedeutung verloren, so daß Deutschland allein sich schließlich Srankreichs hat erwehren 
müssen, nur auf seine eigene Kraft und seine eigenen Hilfsmittel angewiesen. Eine solche 
Anstrengung wie die heutige darf der deutschen Aation nicht dauernd von neuem angesonnen 
werden; und wir sind daber gezwungen, materielle Bürgschaften und die Sicherheit Deutsch- 
lands gegen Grankreichs künftige Angriffe zu erstreben, Bürgschaften zugleich für den euro- 
päischen Frieden, der von Deutschland eine Störung nicht zu befürchten hat"“. Diese Bürg- 
schaften haben wir nicht von einer vorübergehenden Regierung GSrankreichs, sondern von der 
französischen Aation zu fordern, welche gezeigt hat, daß sie jeder Herrschaft in den Krieg 
gegen uns zu folgen bereit ist, wie die Reihe der seit Jahrhunderten von Grankreich gegen 
Deutschland geführten Angriffskriege unwiderleglich dartute. 
Wir können deshalb unfre Sorderungen für den Grieden lediglich darauf richten, für 
Grankreich den nächsten Angriff auf die deutsche und namentlich die bisher schutzlose jüd- 
deutsche Grenze dadurch zu erschweren, daß wir diese Grenze und damit den Ausgangspunkt 
französischer Angriffe weiter zurückzulegen und die Festungen, mit denen Frankreich uns 
bedroht, als defensive Bollwerke in die Gewalt Deutschlands zu bringen suchen. 
Ew. pp. wollen sich, wenn Sie befragt werden, in diesem Sinne aussprechen. 
Das Staatsarchiv, XIX, 218 f. 
180a. Telegramm an den Gesandten in Stuttgart 
Frelherrn von Rosenberg. 
[Konzept von der Hand des Vortragenden ABats Abeken.)] 
Während seines vom 10. bis zum 15. September währenden Aufentbalts im Hauptquartier 
ogl. dazu Ax. 1I77, Anm.) hotte der Hrösident des Bundeskanjleramts Delbrück auf Wunff 
ismarcks eine Denkschrift über die künftige Scltaltung Deutschlands aufgesetzt. Was Delbrü 
in leinen Lebenserinnerungen (II, 414) über den Inhalt der vom 13. September datierten Denk- 
Ichrift anführt, trifft, wie der von W. Stollfe (Dreuhische Jahrbücher, Juli 1924, 5. Jff.) ver- 
öffentlichte Lext erweist, nicht überall zu. In den Erinnerungen beißt es u. a.; „Der Schluß der 
Denkschrift gab dem alle Geister erfüllenden Gedanken zum erstenmal einen offiziellen Ausdruck: 
ich begründete die unabweisbare N-otwendigkeit für den Lr- lich für die Annahme der Kaiser- 
würde zu entschliehen. Die Charakterisierung dieses Entschlusses als eines im Interssse des 
Vaterlandes unvermeidlichen Opfers war die der Auffassung des hohen Herrn m Wede 
Begründung.“ Tatsächlich wird der Kaiserwürde in der Denkschrift nur einmal am Schluß 
eines Abschnittes gedacht, der Wesen und Inhalt des auf ganz Deutschland ausmdehnenden 
bundesstaatlichen Organismus umreißt. Dieser Abschnitt „lautet: „Es würde sich also 
bandeln um ein deutsches Reich, bestehend aus dem Norddeutschen Bunde und den Süddeutschen 
Staaten, bestimmt um Schutze Deutschlands und zur Dflege der Interessen des deutschen Volkes, 
ausgestattet mit der GSesetzgebung und Aufsicht über Landheer und Seemacht, über Zölle, 
1 Die beiden letzten Sätze beruhen auf jahlreichen eigenbändigen Korrekturen und ZJujätzen Bismarcks, 
teils im ersten Konzept, teils im AMeinkonjept. n · 
«DeklpqtksahiltdutcheineAaJableigenhändig-r Korrekturen Bismarckes im Neinkonzept bestimmt. 
*s Dos letzte Stückr des Saßzes von den Worten an: „wie die Reibe . eigenhändige Ergänzung Bismarcks 
in ersten Konzept Abekens. Der ganze folgende Schluß des Erlafses ist eigenböndiger Zusatz von seiner Hand 
ebendort.