496 Delbrückes Mission nach München. Belagerung Voms.
daß Tauffkirchen, der zur Übermittlung der Bismarckschen Cröffnungen in der Nacht vom
12.(/13. September in München eintraf und sich hier sofort ju König Ludwig II. nach Schloß Berg
begab, schon vorher den wesentlichen Inhalt jener Eröffnungen an eine erfönlichkeit in der
Umgebung des Bapernkönigs telegraphiert hat, und daß bieser darauf am 10. September dem
Ministerium, wie Werthern an diesem Tage nach Berlin meldete, auftrug, ein Drogramm über
den Anschluß Bagerns an den Norddeutschen Bund ausuarbeiten. Daß die Znitiative nicht
erbindung Bogerbsmit Deutschland so viel Schwierigheiten in den Weg legen werde,
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er sich gegen Könneritz —, oder ob die Absicht dahin gebe, einen neuen, ganz Deutschland
umfassenden Bund zu gründen. Erst wenn er über die preußischen Absichten in dieser Grund-
58 unterrichtet wäre, gedachte Graf Brau selbst „mit geeigneten Vorschlägen aufzutreten“; er
chob also die ihm von Bismarck angetragene Initiative zurück. Am 12. September konnte
dann Wertbern melden: „Die baprische Regierung weicht immer mehr. Es wäre sehr nützlich,
wenn Minister Delbrück auch hierber käme. Auch Graf Bray wünscht dies.“ Am 13. jetzie
Thile von den letzten Meldungen Wertherns Bismarck in Kenntnis, der daorauf noch gleichen
Cages antwortete: „Minister Delbrückt kehrt nach Berlin zurücke und wird sich alsdann nach
MAünchen begeben.“ Ebenfo setzte Bismarck, der nunmehr in Dresden, Karlsrube, Darmstadt
und Muünchen — nur nochicht in Stuttgart, wohl im Hinblickt auf die fortdauernde VBakanz
im dortigen Auswärtigen Minilterium — einen Gedankenaustausch über die deutsche Frage ein-
geleitet batte, am 15. September auch Nosenberg ins Dild.
Thäteau-TChierry, den 15. September 1870.
Herr von Thile telegraphiert aus Berlin, daß Graf Brau zu wissen wünsche, ob nach
preußischer Auffassung ein ganz Deutschland umfassender Bund beabsichtigt werde, daß
Bauern nach Löfung dieser Vorfrage Vorschläge machen werde und wünsche, daß Minister
Delbrückt zum Sweck der Verständigung bierüber nach München kommen möge. Minister
Delbrücke, den ich ins Hauptquartier berufen hatte, ist von hier über Berlin nach München
abgereist. TCeilen Sie dies dem Minister von Suckow vertraulich mit.
W. Seefried, Mittnacht und die deutsche Srage. S. 88.
*1803. Telegramm an das Auswärtige Amt.
[Kontrtept von der Hand des Vortragenden Rats Abeken.])
Rachdem die italienische Regierung nach der Jurückziehung der französischen Cruppen aus
dem Kirchenstaat ihrerseits Truppen an den römischen Grenzen aufgestellt hatte, sah sie sich
infolge des wachsenden Druckes der italienischen ösfentlichen Meinung, die nach der Gefangen-
nahme Mapoleons III. bei Sedan und der faktischen Herltellung eines republikanischen Regimes
in Paris einen bedroblichen Charakter annahm, genötigt, die Cruppen am 11. September in
1 Kriegsminister v. Sucktow war bereits am 12. September ins Hauptquartier abgereist. einmol um dem
Könige Wilhelm I. das Grohkreus des Württembergischen Militärverdienstordens zu überbringen, sodann um
Würitembergs „Seneigtheit in der deutschen Einigungsfrage zu erklären und sich über deren Grundzsüge m
verständigen". Telegramm Rosenbergs vom 12. September. Nach Suckows Tagebuch (Bück'schau A. v. Suckows,
ed. W. Gusch, S. f.) hatte er im Auftrage König Karls zu sagen, „man solle nicht an seiner Gesinnung
zweifeln, er sei zu jedem Opfer bereit.“ Im Hauptquartier eingetroffen, hatte Suckow am 17. eine Besprechung
mit Bismarck, wobei dieser sagte (a. a. O., S. 167): „Unser Grundsatz war und ist, wie Sie wissen. Süd-
deutschland keinen Iwang anzutun und gegen Bundesgenossen wäre dies nun völlig unmöglich. Allso erwarten
wir in der deutschen Sache Ihr freiwilliges Anerbieten Um aber dielelbe anzuregen, so viel wir vermögen,
haben wir eine Fürstenzusammenkunft von Preußen. Bagern und Württemberg in Bersailles vorgeschlagen,
nun aber durch ein Verhandlungs-Anerbieten des baurischen Ministers Brau gekreuzt worden ist, und
— Oelbrück jetzt nach München abgereist st. Aber die Sürstenzusammenkunft bleibt trotdem festgehalten."
To#n- äuherte sich in einem Gelspräch mit dem bagrischen Grafen v. Berchem vom 21. September,
54 ff.
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oeberl. a. a. O., S. 2