Bismarck wünscht Entsendung süddeutscher Bevollmächtigter nach Paris. 539
jederzeit auf erfolgende Einladung in Versoilles einzufinden bereit seien. Ausdrũcklich bemerkte
Suckow noch, dah die württembergische Regierung auf ein möglichst rasches Vorgehen in der
deutschen Frage grohes Gewicht lege; denn es sei nicht zu verkennen, daß alles um so leichter,
sicherer und besser vonstatten gehen werde, je weniger man den Gegnern Zelt um Nalliement
und zur Verschwörung lafse.
Versailles, den 11. Oktober 1870.
Aus Ew. pp. Schreiben vom 7. sebe ich zu meiner lebhaften Genugtuung, daß Sie und
Herr von Mittnacht geneigt sein würden, zur weiteren Verhandlung der deutschen Frage
bierber u kommen. Ich bin zu dieser Verhandlung ermächtigt und bereit und werde mich
freuen, Sie und Herrn von Mittnacht so bald als tunlich hier zu seben.
*1857. Telegramm an den Gesandten in München
Frelherrn von Werthern.
(Konzept von der Hand des Drsiiden ten des Bundeskanzleromtes
Delbrüche.
Versailles, den 11. Oktober 1870.
Sw. pp. lind von dem Gange und den Ergebnissen der Besprechungen unterrichtet, welche
im vorigen Monat zwischen dem Präsidenten des Bundeskanzleramtes, den Königlich
Bayrischen Ministern und dem Königlich Württembergischen Justizminister über die deutsche
Grage zu München stattgefunden haben.
Diese Besprechungen gewährten, wie die darüber aufgenommene, in hren Händen be-
findliche Registratur ersehen läßt, ein vollständiges jeden einzelnen Punkt umfalsendes Bild
der Auffassung Bayerns und gestatteten deshalb eine eingehende Erwägung der Stellung,
welche der Rorddeutsche Bund zu dieser Auffassung zu nehmen haben werde. Die Auffalsung
Württembergs dagegen ließen sie nur unvollständig erkennen, weil Herr von Mittnacht aus
sehr erklärlichen Gründen Bedenken getragen hatte, sich über eine entscheidende Srage, die
Gestaltung des Kriegswesens, zu äußern. Es feblte unseren Erwägungen ein auch für unsere
Stellung zu den Vorschlägen Bagerns unverkennbar wesentliches Element.
Es war mir daher sehr erwünscht, m erfahrent, daß die Königlich Württembergischen
Minister bereit wären, hierher zu kommen, um die Münchener Besprechungen fortzusetzen und
zu ergänzen. Sch habe nach eingebolter allerhöchster Genehmigung mich beeilt, den württem-
bergischen Ministern mein Einverständnis mit diesem Gedanken auszusprechen, und ich zweifle
nicht, daß die beiden Herren Minister zu der Zeit, in welcher Ew. pp. den gegenwärtigen
Erlaß erbalten, sich bereits auf dem Wege bierher befinden werden.
Ew. pp. ersuche ich ergebenst, den Herrn Grafen Bray von diesem Hergange qu unter-
richten und demselben, wenn er an Ihre Mitteilung die Frage nach der ferneren Behandlung
der baprischen Vorschläge knüpfen sollte, u Jagen, daß es uns erwünscht sein würde, über
diese Vorschläge mit Königlich Bayrischen WMinistern ebenfalls hier weiter zu verhandeln, daß
wir aber, falls eine Berhandlung bier nicht für tunlich befunden werde, unsere Gegenvorschläge
durch den Präsidenten des Bundeskanzleramtes nach München übermitteln lassen würden,
sobald derselbe hier abkömmlich sein werde.
Indem ich Ew. pp. ergebenst ersuche, mich von der Aufnahme in Kenntnis letzen zu wollen,
welche diese Mitteilung bei dem Herrn Grafen Brag finden wird, bemerke ich vertraulich, daß
1 Bgl. Ar. 1856.