4 Die Mark Brandenburg vor den bobenzollern
Die Polen riefen den Orden herbei, der die Erwerbung Danzigs schon lange ins.
Auge gefaßt hatte, und einen Moment standen die beiden großen Kolonisations=
machte, durch deren Vereinigung später der preußische Staat erstehen sollte, ein-
ander kampfbereit gegenüber. Ein großer historischer Moment. Aber die Mark-
grafen gaben nach. Der Orden saß hier am längeren Hebelarm, und die Askanier
hatten ohnehin viele Feinde an allen Grenzen ihres Gebietes. Sie verkauften
dem Orden ihre Ansprüche auf Danzig, Dirschau und Schwetz für 10 000 Mark
Silber und behielten nur das Land Schlawe mit Rügenwalde, wo sie nun einen
Platz an der Seeküste hatten. Gewissermaßen im Wettbewerb mit Danzig
haben sie bald darauf dort Stolp gegründet. Die Auseinandersetzung mit dem
Orden war fest und endgültig; sie ist auch durch den Kaiser von Reichs wegen
1311 förmlich bestätigt worden.
Bald nach dieser Wendung von 1308 ist Otto IV. gestorben, einer der
bedeutendsten Fürsten seines Hauses. Er hatte nach dem Tode Johanns II. mit
seinem Bruder Konrad gemeinsam die Regierung geführt. Dessen Sohn war
der junge Waldemar, der ihn auf dem Zuge nach Danzig begleitet hatte, und der
nach seinem Tode den ganzen Anteil der älteren Linie in seiner Hand vereinigte.
Die Geschichtsschreiber haben ihm den Beinamen des Großen gegeden: weil er
Macht seines Hauses, wenn auch nicht ganz ungeschmälert, gegen eine Velt von
Feinden behauptet hat, unmittelbar vor dem jähen und traurigen Erlöschen der
ruhmreichen askanischen Dynastie. Er war ein Mann nach dem Herzen der
Sänger. Heinrich Frauenlob hat ihn aufs höchste gepriesen. Das große Fest,
das er 1311 in dem Rosengarten vor Rostock gab, wo er von seinem Vetter, dem
Dänenkönig Erich Menved, den Ritterschlag empfing, war weit und breit
berühmt. Damals war er mit Dänemark noch im besten Einvernehmen. Er
hat dem K König Erich auch noch geholfen, 1311 Wismar und 1312 Rostock e Bin-
gemeinschaft # eine Feindschaft auf Tod und Leben, deren Grund wohl bari
zu suchen ist, daß Dänemark nun auch nach Pommern hinübergriff und seine
alte Machtstellung an der Ostseeküste auf Kosten der Askanier herzustellen
versuchte.
Ehe es noch zum Ausbruch der Feindschaft mit Dänzmark. kam, erhob sich
war. Der Wettiner Friedrich der Freidige, der 1307 in der Schlacht bei Lucka
über König Albrecht gesiegt hatte, versuchte auch den Askaniern gegenüber zurück-
zugewinnen, was sein Haus verloren hatte. Er unterlag und geriet in Ge-
hohen Gelbjumme loskaufen, für dee Leipzig, Döbeln, Grimmo, Oschatz zum
Pfande gesetzt wurden; was die Askanier von meißnischem Gebiet erworben
hatten, behielt Waldemar, auch Großenhain und Torgan.
Dann kam der Kampf mit dem dänischen Könige, der 1314 ein großes
Bündnis norddeutscher Fürsten gegen die Askanier zustande gebracht hatte, bei
dem die Grafen von Holstein und Schwerin, der Fürst von Mecklenburg, der
Herzog von Lauenburg in erster Reihe standen; auch die übrigen nordischen
Könige waren mit im Bunde, ebenso Polen und Ungarn, und im Süden
erhoben sich die Wettiner von neuem. Feinde ringsum.