beit aller Lebenebedürfnisse und zugleich in anschwellender Teuerung bemerkdar
machten. Der „Kohlrübenwinter“ war angebrochen
Und mit dem Vertrauen zum Gelste der Führung sank auch das Vertrauen
zu lhren Worten, zu lhren Kundgebungen. Ole deutsche O. H. L. hatte elnen sehr
gefährlichen Weg beschritten, als sie nach der Marneschlacht zum erstenmal angefangen
hatte, in den täglichen Heereeberichten entscheidende Vorgänge auf
dem Krlegsschauplatze zu verschwelgen, elne große Schicksalswende zu vertuschen
und zu beschönlgen. Das bewles einen Mangel an Bertrauen zur seelischen
Kraft unseres Volkes, der nur die Wirkung hatte, diese wirklich herabmmindern.
Dle Tatsachen sickerten schließlich doch durch. In seltsamem Wlder--spruch
zu dlesem Geist der Schönfärberei, die ihre eigenen Kundgebungen
mehr und mehr entwertete, hatte die O. H. L. dem Volke elnen starken Bewels
von Vertrauen gellefert, als sle der deutschen Presse die Veröffentllchung der
felndlichen Heereeberlchte ohne Einschränkung gestattete. Das hatte die
luchsäuglge Krlegeleltung der Entente natürlich schnell herausbekommen. Sie
baute ihre Heeresberichte zu elnem Propagandamtttel ersten Ranges aue,
dessen Wirkung gleichzeltig der Beelnflussung der Neutralen wie der Herabdrückung
der Stimmung in Deutschland dienstbar gemacht wurde. Zeder Fortschritt
der Entente wurde lm Posaunenton ausgeschrien, jeder Erfolg der Mittelmächte
ange zwelfelt, herabgedrückt, entstellt. Gegen die deutschen Heeresberschte
wurde in schamloser Welse polemisiert. Und das alles druckten die deutschen
Zeltungen nach. Das Publikum verglich — und wurde an den Kundgebungen
der eigenen Kriegsleltung lrre. Dlese aber stand dem ganzen Crelben so gut
wle hllflos gegenüber, weil ulcht Zeltunge- und Propagandafachleute, sondern
weltfremde Bureaukraten und Generalstabsofflzlere den deutschen Pressefeldzug
lelteten. Hatten doch dlese Stellen nicht einmal Entschluß und Wege gefunden,
der abscheulichen Greuellüge unserer Felnde durch Veröffentlichung und Derbreitung
dee unermeßlichen Materlale über feindliche Schandtaten zu begegnen,
das ungenutzt in lbrem Gewahrsam vermoderte .. Die Stimme der wenigen
Mitarbeiter der O. H.L. aber, welche zugleich Offiziere und Fachleute waren,
verballte ungehört, ihre Anregungen fielen als unerwünscht unter den Tisch
So sank und sank dle Stimmung der Helmat, und bei den engen Bezlehumgen,
die Helmat und Heer verknüpften, allmähllch auch die der Truppe.
Das Ungezlefer, das sich an den in vollem Safte stehenden Baum nicht
berantraut, well es an selner Kraft erstlcken würde, befällt den kränkelnden mult
schnellem Instlukt. So stürzten slch auf dle ermattende Seele des deutschen Volkes
die lnneren wie dle äußeren Feinde. Dle Iinneren, unter denen selbst dle Träger
von Idealen, die in gesunden Zelten volkserneuernde Kraft besessen hätten,
dem verhängnlevollen Wahn verfallen waren, ale sel es lhre Pfllcht, ale sel es
überhaupt möglich, dlesen Sdealen zum Siege zu verbelfen in einer Zelt, da
der Volkskörper inmltten elnes lhm von außen aufgezwungenen lebenentscheldenden
Ringens stand ... Und dle zußeren, die sedee Zelchen nachlassender
Widerstandskraft als Vorboten lhres nahenden und gewlssen Sleges begrüßten!
Zmmer deutlicher wurde es den felndlichen Machthabern, daß der Krieg
gegen dle Waffen und dle Lelber der Elngeschlossenen begonnen batte, auch
ihre Seelen soweit zu zermürben, daß sle geeignete Angriffsobjekte für den ihnen
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