Full text : Der Weltbrand. Deutschlands Tragödie 1914-1918. Zweiter Band. (2)

beit  aller  Lebenebedürfnisse  und  zugleich  in  anschwellender  Teuerung  bemerkdar
  machten.  Der  „Kohlrübenwinter“  war  angebrochen

Und  mit  dem  Vertrauen  zum  Gelste  der  Führung  sank  auch  das  Vertrauen
zu  lhren  Worten,  zu  lhren  Kundgebungen.  Ole  deutsche  O.  H.  L.  hatte  elnen  sehr
gefährlichen  Weg  beschritten,  als  sie  nach  der  Marneschlacht  zum  erstenmal  angefangen
  hatte,  in  den  täglichen  Heereeberichten  entscheidende  Vorgänge  auf
dem  Krlegsschauplatze  zu  verschwelgen,  elne  große  Schicksalswende  zu  vertuschen
  und  zu  beschönlgen.  Das  bewles  einen  Mangel  an  Bertrauen  zur  seelischen
  Kraft  unseres  Volkes,  der  nur  die  Wirkung  hatte,  diese  wirklich  herabmmindern.
  Dle  Tatsachen  sickerten  schließlich  doch  durch.  In  seltsamem  Wlder--spruch
  zu  dlesem  Geist  der  Schönfärberei,  die  ihre  eigenen  Kundgebungen
mehr  und  mehr  entwertete,  hatte  die  O.  H.  L.  dem  Volke  elnen  starken  Bewels
von  Vertrauen  gellefert,  als  sle  der  deutschen  Presse  die  Veröffentllchung  der
felndlichen  Heereeberlchte  ohne  Einschränkung  gestattete.  Das  hatte  die
luchsäuglge  Krlegeleltung  der  Entente  natürlich  schnell  herausbekommen.  Sie
baute  ihre  Heeresberichte  zu  elnem  Propagandamtttel  ersten  Ranges  aue,
dessen  Wirkung  gleichzeltig  der  Beelnflussung  der  Neutralen  wie  der  Herabdrückung
  der  Stimmung  in  Deutschland  dienstbar  gemacht  wurde.  Zeder  Fortschritt
  der  Entente  wurde  lm  Posaunenton  ausgeschrien,  jeder  Erfolg  der  Mittelmächte
  ange  zwelfelt,  herabgedrückt,  entstellt.  Gegen  die  deutschen  Heeresberschte
wurde  in  schamloser  Welse  polemisiert.  Und  das  alles  druckten  die  deutschen
Zeltungen  nach.  Das  Publikum  verglich  —  und  wurde  an  den  Kundgebungen
der  eigenen  Kriegsleltung  lrre.  Dlese  aber  stand  dem  ganzen  Crelben  so  gut
wle  hllflos  gegenüber,  weil  ulcht  Zeltunge-  und  Propagandafachleute,  sondern
weltfremde  Bureaukraten  und  Generalstabsofflzlere  den  deutschen  Pressefeldzug
lelteten.  Hatten  doch  dlese  Stellen  nicht  einmal  Entschluß  und  Wege  gefunden,
der  abscheulichen  Greuellüge  unserer  Felnde  durch  Veröffentlichung  und  Derbreitung
  dee  unermeßlichen  Materlale  über  feindliche  Schandtaten  zu  begegnen,
das  ungenutzt  in  lbrem  Gewahrsam  vermoderte  ..  Die  Stimme  der  wenigen
Mitarbeiter  der  O.  H.L.  aber,  welche  zugleich  Offiziere  und  Fachleute  waren,
verballte  ungehört,  ihre  Anregungen  fielen  als  unerwünscht  unter  den  Tisch
So  sank  und  sank  dle  Stimmung  der  Helmat,  und  bei  den  engen  Bezlehumgen,
die  Helmat  und  Heer  verknüpften,  allmähllch  auch  die  der  Truppe.

Das  Ungezlefer,  das  sich  an  den  in  vollem  Safte  stehenden  Baum  nicht
berantraut,  well  es  an  selner  Kraft  erstlcken  würde,  befällt  den  kränkelnden  mult
schnellem  Instlukt.  So  stürzten  slch  auf  dle  ermattende  Seele  des  deutschen  Volkes
die  lnneren  wie  dle  äußeren  Feinde.  Dle  Iinneren,  unter  denen  selbst  dle  Träger
von  Idealen,  die  in  gesunden  Zelten  volkserneuernde  Kraft  besessen  hätten,
dem  verhängnlevollen  Wahn  verfallen  waren,  ale  sel  es  lhre  Pfllcht,  ale  sel  es
überhaupt  möglich,  dlesen  Sdealen  zum  Siege  zu  verbelfen  in  einer  Zelt,  da
der  Volkskörper  inmltten  elnes  lhm  von  außen  aufgezwungenen  lebenentscheldenden
  Ringens  stand  ...  Und  dle  zußeren,  die  sedee  Zelchen  nachlassender
Widerstandskraft  als  Vorboten  lhres  nahenden  und  gewlssen  Sleges  begrüßten!

Zmmer  deutlicher  wurde  es  den  felndlichen  Machthabern,  daß  der  Krieg
gegen  dle  Waffen  und  dle  Lelber  der  Elngeschlossenen  begonnen  batte,  auch
ihre  Seelen  soweit  zu  zermürben,  daß  sle  geeignete  Angriffsobjekte  für  den  ihnen

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