Full text : Der Weltbrand. Deutschlands Tragödie 1914-1918. Zweiter Band. (2)

Sie  bestand  aus  einem  Haupt-  und  einem  Nebenangriff.  Dae  Ziel  für
deide  war  strateglsch  ausgezeichnet  gewählt.  Nördlich  der  Aisne,  zolschen
Laffaux  und  Craonne,  mündete  dle  Siegfriedstellung  in  die  alten  Linlen  der
7.  Armee  ein.  Dieser  Abschnitt  war  das  Ziel  dee  linken  Flügele  des  französlichen
Hauptongriffo—sein  Zentrum  stieß  deiderseite  Craonne,  der  rechte  Flügel
nordwestlich  Relms  vor,  um  nach  geglücktem  Durchbruch  dle  linke  Flanke  der
Hindenburgstellung  zu  umfassen,  deren  rechte  der  Angriff  dei  Arras  dedrohte.

Der  Nedenstoß  setzte  In  der  Champagne  deiderselts  Probnes  an.  Selne
Aufgade  war  es,  einen  zweiten  Durchdruch  zu  erzwingen,  um  auf  diese  Welse
den  Einsatz  der  deutschen  Reserven  zu  zersplittern.

Nivelle  war  „des  trockenen  Tones  satt“.  Ihm  graute  vor  dem  Gedanken
an  elne  neue  Sommeschlacht.  Sein  soldatisches  Empflnden  wldersetzte  slch  der
widerwärtlgen  Vorstellung  einer  Verewigung  dieses  ideenlosen,  maschinenmäbigen
  Beardeitens  einer  Festungsfront,  ale  gälte  es  mit  Meißel  und  Sorengdohrer
  einen  Tunnel  durch  einen  Bergkamm  zu  groden.  Ihn  verlangte  nach
großer,  kühner  Tat,  nach  jäher  Zertrümmerung  der  feindlichen  Verteldlgungemauer
  und  neuem  „frischfröhlichen“  Krleg  im  freien  Felde.  Frankreich  wartete.
  Frankreich  grollte.  Frankrelche  Ungeduld  hatte,  des  Marneruhme  vergessend,
  den  „grignoteur“,  den  Anknadberer  Foffre  nach  Hause  geschlckt.  Frankreich
  forderte  Taten.  Man  durfte  es  ulcht  enttäuschen.

In  selnem  Hauptquartier  hatte  Nivelle  für  solche  Gesinnung  nicht  allzuolel
  Verständnle  gefunden.  Marscholl  Haig  fühlte  sich  dei  dlesem  nach  dem
Vorblld  eines  großen  techulschen  Unternehmene  detrlebenen  Zermürdunge--und
  Adtragungskelege  ganz  wohl.  Der  Engländer  hatte  Geduld,  Nerven  und
Zeit.  England  war  vom  Felnde  frel.  England  konnte  warten.  Ee  hatte  auch
keine  Sorgen  um  Mannschaftenachwuchs.  Seine  Domlnione  lleßen  es  nlcht
im  Stich.  Im  Hintergrunde  rüstete  Amerlka.  Frankreichs  Rekrutendepote
waren  ausgeleert.  Schon  machte  der  Slamese,  der  Madagasse,  der  Marokkoner
in  den  Straßen  von  Parle  sich  drelt  und  unternahm  kecke  Vorstöße  wider  dos
Herz  der  welhen  Frau.  Oies  alles  kam  für  Haig  ulcht  in  Betracht.  Wozu  wagen
und  den  Soldaten  opfern,  wenn  man  die  Maschine  und  die  Zelt  arbeiten  lassen
konnte?!

Seine  Sowerfälligkeit  fand  in  Alvelles  Stade  Parteigänger.  General
Psétain,  der  seldst  auf  den  Posten  des  Generallsslmue  kandldiert  hatte,  schloß  slch
der  Auffassung  des  Engländers  an.  Für  das  langsamere  Derfahren  sprach  dle
neue  Lage,  dle  der  Rückzug  der  Boches  geschaffen  hatte.  Die  ganz  große,
linneerlich  zusammenbängende  Aktion,  wie  sie  Nivelle  vorschwebte,  war  dadurch
doch  unmöglich  geworden.

Heftig  platzten  im  Kriegerat  vom  6.  April  dle  Gegensätze  aufelnander.
Nivelle  forderte  selne  Entlassung.  Falg  beschied  sich,  griff  an,  und  dann  wurde
auch  Nivelles  Mammutoffensive  losgelassen.

Sie  war  glänzend  vorbereltet.  Has  Aufgebot  an  schwerer  und  schwerster
Artillerie  üderdot  jede  bleherige  Vorstellung.  Hinter  der  Angriffoarmee  war
eine  ganze  seldständlge  Reservearmee  dereitgestellt,  um  nach  dem  Einbruch
den  Durchdruch  herdelzuführen  und  nach  dem  unfehlbaren  taktischen  Erfolg
des  ersten  Ansturms  dle  strateglsche  Auswertung  durchzusetzen.  Ihr  woren

66