380 Zeitalter der Revolution.
die furchtbarsten Donner des Befreiungskrieges. Am 2. Mai wurde bei
Lützen blutig gekämpft; hier empfing der edle Scharnhorst die tödtliche
Wunde. Napoleon behauptete durch seine Uebermacht das Schlachtfeld;
aber das war kein Sieg, wie die früheren; mit ungeheuren Opfern
war er erkauft worden und zwang die Verbündeten nur zum Rückzuge,
er brachte keine Trophäen, weder Fahnen noch Geschütze, und als der
französische Vortrab lebhaft nachdringen wollte, wurde er am 5. blutig
zurückgewiesen. Die Allilerten zogen über Dresden ab und nahmen bei
Bautzen eine feste Stellung. Hier wurde drei Tage lang, vom 19. bis
21. Mai, wie bei Lützen gekämpft, abermals mit dem gleichen Erfolge.
An Napoleons Seite wurden sein Liebling Durok und der General Kirchener
zerschmettert; der eherne Mann war erschüttert, er und seine Soldaten
erkannten, daß ein neuer Geist in den feindlichen Reihen wehe.
Den entschlossenen Rückzug der Preußen wollte er durch den General
Maison beunruhigen, dieser fiel aber bei Hainau in einen Hinterhalt
und beinahe sein ganzes Korps wurde von den Preußen zusammengehauen
(26. Mal). Die Verbündeten zogen sich durch Schlesien bis
Schweidnitz zurück, wo sie an dem Gebirge, an die österreichische Gränze
gelehnt, eine feste Stellung bezogen.
Wasfenstillstand. Desterreich bringt die Entscheidung.
Die ermüdeten Streiter schloßen (zu Pleischwitz bei Jauer) einen
Waffenstillstand vom 4. Juni bis zum 20. Juli; beide Theile wollten
sich während der Zeit verstärken und Oesterreich zum Bundesgenossen
gewinnen. Dieses rüstete mit Macht und zeigte abermals, daß es an
Streitkräften fast unerschöpflich sei; wohin es sein Gewicht in die Wagschale
warf, dorthin mußte sich die Entscheidung neigen, das wußte Europa.
Auf dem Friedenskongresse von Prag brauchten Napoleons Botschafter
ihre ganze Kunst und Napoleon versprach seinem Schwiegervater
sogar Schlesien; aber Kaiser Franz wollte den Frieden vermitteln, nicht
die Uebermacht Frankreichs stützen, und als Napoleon erklärte, Frankreich
werde kein Dorf von seinen einverleibten Provinzen abtreten, und
dadurch bewies, daß es keinen dauerhaften Frieden wolle, mußten sich
die Unterhandlungen zerschlagen. Am 12. Aug. erklärte Oesterreich den
Krieg; zugleich kam aus Spanien gute Botschaft: dort hatte Wellington
immer größere Fortschritte gemacht, bei Talavera und Salamanka
gesiegt, Madrid befreit und am 21. Juni 1813 den König
Josef bei Vittoria geschlagen. Darum schickte Napoleon den Marschall
Soult mit 30,000 alten Soldaten an die Pyrenäen, um die
Fortschritte der Spanier und Engländer aufzuhalten.