378 Zeitalter der Revolution.
keine Ruhe, keine Erquickung; erst jenseits der Gränze hielt der Rest,
von 500,000 Mann keine 50,000 mehr; die andern lagen in Rußland
den Wölfen zum Fraße, welche aus größter Weite dem Heerwege zuliefen.
Aber es darf nicht verschwiegen werden, daß bis in die letzte
Zeit die noch kampffähigen Männer eine Tapferkeit und Ausdauer bewiesen,
die einer besseren Sache und eines besseren Schicksales werth
gewesen wäre; namentlich zeichneten sich die Rheinbundstruppen und
Schweizer aus, welche bei dem Angriffe die ersten und bei dem Rückzug
die letzten sein mußten; „der Brave der Braven“, der Marschall
Ney, verrichtete seine von den Franzosen gepriesenen Heldenthaten an
der Spitze deutscher Soldaten.
Napoleon selbst, der von nichts erschüttert wurde, hatte nach dem
Uebergange über die Beresina bei Smorgony das Heer verlassen (6. Dezember)
und war auf einem Schlitten vorausgeeilt; er kam allen unerwartet
nach Paris (19. Dezember) und mit ihm erst die volle Kunde
des Unheils. Diese scholl durch Europa, die Völker trauerten um ihre
untergegangenen Söhne, aber bebend sprachen sie auch: „das Gericht
Gottes über den Gewaltigen der Erde hat begonnen."“
Achtundzwanzigstes Kapitel.
Preußen greist zum Schwert.
Kutusow machte bei Wilna Halt, Tschitschagow am Niemen, Wittgenstein
aber verfolgte Makdonalds Korps; General York, der Kommandant
des preußischen Heeres, das unter Makdonald mit Auszeichnung
vor Riga gefochten hatte, schloß bei dem Rückzuge am 30. Dezember
(zu Tauroggen) einen Vertrag mit dem nachrückenden russischen General
Diebitsch, durch welchen er sich dem Kampfe entzog und Makdonald
seinem Schicksale überließ; überdies wurde in der von den Russen besetzten
Provinz Preußen durch Stein, Schön rc. eine Verwaltung im
Namen des Königs von Preußen eingesetzt, ein Landtag einberufen und
durch Klausewitz, Dohna 1c. eine Landwehr von 30,000 Mann
aufgestellt. Der König mißbilligte zwar öffentlich Yorks Schritt auf die
härteste Weise, bald jedoch deutete seine Abreise (22. Januar 1813)
aus dem von den Franzosen besetzten Berlin nach Breslau seine Absicbten
an, und am 3. Februar erschien sein Aufruf „an mein Volk“,
der die wehrbaren Männer zu den Waffen rief.
Sogleich erhob sich Preußen zum Kampfe gegen den Unterdrücker
aller Nationen, von dessen Härte gerade der Staat Friedrichs des Großen
am meisten hatte leiden müssen. Preußen trat wohlgerüstet in den Kampfj