Inhaltsverzeichnis : Allgemeines Landrecht für die Preußischen Staaten. Erster Theil, Erster Band. (1)

Von  Erwerbung  des  Eigeuthums.  443

den  gemeinschaftlichen  Jagdbezirk,  für  welchen  die  nämlichen  Vorschriften  gelten,  wie  sür  die  gewoͤhnlichen
  Jagdbezirke  152##9  .

g.  8.  Die  im  S8.  5  des  Gesetzes  vom  31.  Oktober  1848  enthaltenen  Borschriften  über  die  Aus-Übung
  der  Jagd  in  den  Festungswerken,  in  deren  Umkreise,  sowie  in  dem  der  Pulvermagazine  und
ähnlicher  Anstalten,  bleiben  unverändert  in  Kraft.

#.  9.  Die  Besitzer  der,  einen  Jagdbezirk  dildenden  Grundstücke  werden  in  allen  Jagdangelegenheiten
  durch  die  Gemeindebehörde  vertreten  16  b).  Werden  Grundstücke  aus  verschiedenen  Gemeindebezirken
  zu  Eiuem  Jagdbezirke  vereinigt,  so  bestimmt  die  Aussichtsbehörde  diejenige  Gemeindebehörde,  welche
  die  BVertretung  zu  Übernehmen  hat.

§.  10.  Nach  Maßgabe  der  Beschlüsse  der  Gemeindebehörde  konn  auf  dem  gemeinschastlichen  Jagdbezirke
  en#weder:

a)  die  Ausübung  der  Jagd  gänzlich  ruhen,  oder

b)  die  Jagd  für  Rechnung  der  betheiligten  Grundbesitzer  durch  einen  angestellten  Jäger  beschofsen
werden,  oder

x)  dieselbe,  sei  es  öffentlich  im  Wege  des  Meistgebots  oder  aus  freier  Hand,  verpachtet  werden.

Die  Pachtverträge  17  6)  dlirfen  sich  auf  keinen  kürzeren  Zeitraum  als  auf  drei  Jahre,  und  auf  keinen
  längeren  Zeitraum  als  auf  zwölf  Jahre  erstrecken.

z.  11.  Die  Pachtgelder  und  Einnahmen  von  der  durch  einen  angestellten  Jäger  beschossenen  Jagd
werden  in  die  Gemeindekasse  gezahlt,  und,  nach  Abzug  der  etwa  entstehenden  Verwaltungskosten,  durch
die  Gemeindebehörde  unter  die  Besitzer  derjenigen  Grunstücke,  auf  welchen  die  gemeinschaftliche  Ausübung
  des  Jagdrechts  staufindet,  nach  dem  Verhältnisse  des  Flächeninhalts  dieser  Grundstücke,  vertheilt
  17).

 

16°“““.)  (4.  A.)  Daß  die  mehreren  aneinanderstoßenden  derartigen  Grundstücke,  welche  die  voransgesetzte
  Fläche  zusammen  bilden,  verschiedene  Eigenthümer  haben,  hindert  nicht,  einen  für  sich  bestehenden
  gemeinschaftlichen,  oder  Einem  von  ihnen  zugehörigen  Jagdbezirk  zu  bilden.  Der  Eine
gans  de-  deg  auf  den  fremden  Grundstücken  pachten  und  sein  eigenes  Grundstück  zuschlagen.  Vergl.
M.  Bl.  1863,  S.  91.

16  5)  (3.  A.)  Wenn  die  Aussichtsbehörde  einen  von  der  Gemeindevertrekung  geschlossenen  Jagd-Berpachtungsvertrag
  mißbilligt,  und  die  Abschließung  eines  neuen  (durch  einen  anderen  Vertreter  als
die  Gemeindebehörde)  veranlaßt  hat  und  die  Gemeindebehörde  selbst  die  Anordnung  der  Auffichtsbe-Frd
  anfechten  will;  so  ist  der  Rechtsweg  unzulässig.  Erk.  des  Gerichtshofes  zur  Entsch,  der  Komp.=onfl.

  v.  26.  Novbr.  1853.  (J.M.  Bl.  1354,  S.  21.)  —  Wenn  dagegen  der  audere  Koutahent  die
Rechsdenändigeer  des  Pachtvertrages  behauptet,  und  seine  vermeintlichen  Rechte  aus  demselben  versolgen
  will,  so  ist  ihm  der  Rechksweg  unverschränkt.  Der  Erl.  des  Min.  des  Inn.  und  des  Min.
für  landwirthschaftliche  Angel.  d.  4.  August  1852  (M.  Bl.  für  die  i.  B.  S.  175),  durch  welche  den
Landräthen  die  Befugniß  zur  Aufhebung  solcher  Jagtpachtverträge  beigelegt  wird,  vermag  den  Rechtsweg
  über  dergleichen  Ansprüche  des  anderen  Kontrahenten  nicht  auszuschließen.  Erk.  des  Gerichtsh.
zur  Eutsch,  der  Komp.-Konfl.  v.  3.  Zuni  1854  (J.M.  Bl.  S.  399).
(5.  A.)  In  Westpdalen  ist  nicht  das  Amt  (der  Amtmann)  sondern  gemäß  des  §.  23  der  Landemeinde-Ordnung
  für  die  Provinz  Westphalen  v.  19.  März  1856  der  Gemeindevorsteher  die  im  FS.  9
Sechueie  Gemeindebehörde.  Erk.  d.  Obertr.  v.  27.  Juni  1867  (Arch.  f.  Rechtsf.  Bd.  LXVII,
306).

(4.  A.)  Der  Eigenthümer  eines  im  Gemeindebezirke  belegenen  Gutes,  welcher  den  Jagdpacht-Kontrakt
  als  ungültig  angreist,  macht  sein  eigenes  Recht,  nicht  ein  jus  tertüi  geltend.  Erk.  des
Obertr.  vom  11.  Juli  1861  (Arch.  f.  Rechtes.  Bd.  XLII.  S.  257).

16e)  Bei  Abschließung  der  Pachtverträge  vertritt  in  diesem  Falle  die  von  der  Aufsichtsbehörde  ernannte
  Gemeindebehörde  auch  die  anderen  Gemeinden  ohne  weitere  besondere  Legitimation  oder  Beschlußfassung
  derselben.  Ader  der  bestimmungsmäßigen  Prüfung  und  Genehmigung  seitens  der  Aufsichtsbedörde
  bleiben  dergleichen  Verträge  unterworsen.

17)  (5.  A.)  Es  ist  nicht  vorgeschrieben,  daß  der  Jagdbezirk  mit  dem  Gemeindebe  #zirke  identisch
sein  solle  oder  müsse.  Auch  ergiebt  sich  aus  den  88.  9,  10  u.  11,  daß  das  Gesetz  die  Jagd  und  deren
  Auslbung  keinesweges  als  eine  Vermögensangelegenheit  der  Gemeinde-Korporation  angesehen  hat,
noch  bebandelt  wissen  will.  —  Die  Jagdeinnahmen  bilden  keine  Intrade  der  Gemeindekasse  für  die
politische  Gemeinde,  sondern  eine,  den  zum  Jagdbezirke  vereinigten  Grundbesitzern  gehörige,  durchlausende
  Post  (s.  11).  Die  Gemeinde=  Behörde,  als  Behörde,  ist  nebenbei  nur  Vertrererin  dieser
Grundbesitzer  in  allen  Jagdangelegenheiten.  Was  also  die  Gemeindedchörde  in  dieser  Eigenschaft