145 argwohnen — Argernis.
erreget Sturz 2, 64; ohne argwohn der falschheit,
Lessing Sampsf. 5, 10.— argwohnen, argwöhnen (die
Form onne Umlaut bei den Klassikern), Argwohn haben,
ehedem unpersönlich mir argwöhnt Luther, später ieh
argwohne; wie Sie argwohnen Schiller Kab. 1, 5;
man argwohnet diszlalls auf ihn Steinbach; mit
Acc der Person, früher als Gerichtswort: (Makier sollen)
uber ir ampt nicht gearewänct werden von den burgern
Meran. Stadtr. 17; mit Acc. der Sache oder abhängigem
Satz: dasz ich es argwohnen kann Lessing Sampf.:
5, 10; niehts an ihm läszt uns argwohnen, dasz es ihm
nicht um wahrheit zu thun sei Wieland Arist. 4, 1;
sie argwohnte sogleich dasz.. Goethe Wahlverw. 2,6.
— ar#wöhnisch (in älterer Spr. auch argwöhnig Carolina
6, argwöhnlich Simpl. 1, 215), früher verdächtig: ich
was vorhin by im argwönisch der religion halb Platter
84; argwöhnische sache Simpl. 1, 212; jetzt Argwohn
habend, mißtrauisch: ein argwöhnisches gemute, einen)
argwönisch machen, argwöhnisch auf die seinigen l
Steinbach; wenn Sie argwöhnisch wären! Lessing
Brief 1772; in einer argwöhnischen zeit Freytag
Val. 4, 2. 1
Arger, m. das sich ärgern, erst im 18. Ih. aus dem
Niederdeutschen (Adelung)e arger haben, einen ürger
wit, auf jemand haben; anch als Formel: seinen urger,
bat man nicht seinen ärger mit den jungen!; der ürger
hält mich gesund Lefsing Brief 1773. — ärgerlich,
zum Argern geeignet; Arger erregend: du bist mir ergerlich
Matth. 10, 23; seid nicht ergerlich weder den Juden)
noch den Griechen 1. Cor. 10, 32; ärgerlich ding Garg.
Arm. 146
Arm, m. das umsangende Glied des Oberkörpers;
gemeingerm. Wort tgoth. arms. nord. armr, ahd. aram,
arm), als ausgreifender gedacht (von einer indogerm.
Wurzel ar), urverwandt mit lat. armos Vorderbug, slav.
ramo Arm; Plur. arme, tadelhaft ä#rme (doch in seinen
rmen: wörmen P Gerhard 130); 1) von Menschen,
oft in sormelhafter Verbindung mit bein, blötz an beinen
unde an armen Iwein 1931; vor einer solchen gewaltthätigkeit
zittern wir arm und beine Goethe Aufger.
1, 7; als führender, greisender, haltender, stützender,
liebend umsassender: am arme führen, ein buch unterm
arme halten, ein kind auf dem arme haben; der liebsten
im arme liegen (alt am arme: ez dunkct mich wol
töscut jũr daz ich an liebes arme lac DvEist); das
weib in deinen armen 5. Mos. 13, 6; sich in die arme
sinken, fallen, begrüßend, liebend; in den axmen liegen
sich beide Schiller Bürgsch.; sich in jemandes arme
werfen, auch bildlich: ihre bedenklichkeit, sich als unglucklich
in meine arme zu wersen Lessing Minna
5, 4; arm in arm gehen, als eng Verbundene: arm in
arm mit dir zum biutgerust! arm in arm mit dir zur
hölle! Schiller Kab. 5, 8; sie gehen arm in arm geschlungen
Fr Müller 1,97; mit offenen armen jemand
aufnehmen, empfangen, liebend; offnen armes zuspringen
Schiller 1, 211; den arm bieten, führend, stützend: ein
stiller dienstbarer genius der der erschöpften pilgerin
secele den arm bietet Kab. 5, 1: einem unter die arme
Freifen, aufhelsend, auch bildlich: wenn ihm einer mit
ein puar hundert mark unter die arme griffe, so wür
ihm geholsen; arm als starker, schützender, kämpsender:
38; dem andern war es ärgerlich, gekrönten hüuptern (er) leeret meinen arm den ehren bogen spannen 2. Sam.
viel voraus zu lassen Lessing 4, 110; aus dem ürger- 22, 35; mein arm wird stark und grosz mein muth
lichen leben der englischen buhlschwestern 5, 40; bis Stolberg; dasz wir noch arm und muth genug baben,
auf diesen argerlichen zähen klumpen fleisch Schiller uns . zu vertheidigen Goethe Große. 1, 2; der donner
Räub. 2, 1; Arger empfindend: ich bin ürgerlich, dasz rast in seinem arm Schiller 1, 347; und daher vom
er ausgeblieben ist; dies ärgerliche vesen Lessing Manne: (Raubgezücht) von dem mein taplrer arm die
Brief 1773; die hartnäckigkeit . macht verdrieszlich welt befreite Phädra 4, 2; der beste mann im land,
und ürgerlich Goethe 54, 107; sich leicht ärgernd: Sie der bravste arm Tell 4, 1; als strafender, schädigender:
wissen, er war immer ein ürgerlicher herr Freytagzubrich den arm des gottlosen Pf. 10, 15; einem in den
Journ. 1, 2. — ärgern, ahd. argerön, mhd. ergern,
Häufigkeitsbildung zu urg, 1) in älterer Spr. verschlechtern:
ergern, peiorure, deteriorure Voc. 15. Ib.;
das ettlicher weinschenken wein merklich geringert,
geergert und auch verendert werden Nürnb. Pol. 251;
refl. indem es sich mit den kranken ärgerte Simpl.
2, 245. 2) zum Bösen reiztn. jetzt noch aus der Bibelspr.
bekannt: das er das volk ergert 3. Mos. 1, 3; ergert
dich aber dein rechts auge Matth. 5, 29; ver uber,
ergert dieser geringsten einen 18, 6; refl. vom Gewinnen
eines Anstoßes, bösen Beispiels, mit Gen.: dhie
sich des nicht ergeren Myst. 1, 10; später mit an: das
sie sich dran ergern Hiob 12, 5; in dieser nacht werdet
imr enoh alle ergern an mir Matth. 26, 31. 3) neuere
und jetzt einzig lebendige Bed. Arger verursachen oder
gewinnen (seit 16. Ih., einen ein wenig ergeren, erzurnen
Maaler): dasz meines vaters zahmer paviun dich
argerte Schiller 5, 21; ihn ürgert die fliege an der
wand;: ein einziger umstand in seiner klatscherei urgert
mich Lessing Brief 1773; er ärgert mich noch zu
tode; refl. sich uber einen ärgern; mensch, ärgerc dich
nicht: jetzt häufiger Zurnf. — Argernis, n. 1) das was
zum Bösen reizt, Anstoß: geriet seinem haus zum ergernis
Richt. 8, 271 weh dem menschen durch welchen
ergernis kompt Matth. 18, 7; lasset uns aber niemand
Iirgent ein (Variante eine) ergernis geben 2. Cor. 6,3;
und von der Bibelspr. her: um aber kein ürgernis zu
geben Schiller 1, 171; ist er uns allen ein stein des
arm sallen, Strase vereiteln; als Bild der Macht: rusen
uher den arm der groszen Hiob 35, 9; sprichwörtlich:
grosze herren haben lange arme; arm in solchen Bedeniungen
von Gott: du hast einen gewaltigen arm
Pj. 49, 14; der herr wird- seinen arm an den Cbaldeern
beweisen Jef. 48, 11; sei jr arm Jes. 33, 2; von
persfönlich Gedachtem: der weltliche arm, Macht der
weltlichen Obrigkeit, und sie selbst: die gaunze geistlichkeit
mit einem ziemlich ansehnlichen gelolge vom weltlichen
arm Seume Spaz. 2, 38; dem arm der justiz
zu entlaufen Schiller Ränb. 1, 1: in deinen armen,
an deinem herzen wieder, natur Spaz.; den du aus
den armen der verzweilung rettest Goethe nat. Tocht.
1, 4; arm als Maß: armes diek, armes stark; ein arm
voll holz, reisig, auch zusammen armvoll geschrieben,
mundartlich arsel geworden; ochsen mit armlangen
hörnern Bismarck Brief 1852; auf 2 armeslängen
von mir ebd.; ar##dicke strahlen Freytag Soll 2, 208.
2) bei Tieren, Vorderschenkel: es sei ochs oder schafe,
das man dem priester gebe den arm 5. Mos. 18, 3; so
noch heute beim Pserde, auch bei andern Tieren; bei
Polypen kangarme uU. a. 3) sich abzweigender Wasserlauf:
von dem mer fleuzt manig arm in manig stuek
des ertreiches Megenberg 101; in den linken arm
der Dwina pers. Reisebeschr. 3, 1; zuletzt alle abtrunnige
arme ihres stromes nach der nämlichen mundung laufen
Schiller 1. 52. H sonstiges Armähnliches, dichterisch
Baumast: dort hangen trauerbirken dic arme JPaul,
anstoszes und urgernisses Wallenst. Lager 8; Plur. Ua#is namentlich Gerät; arme eines kronleuchters, einer wage.
insbesondre schaffet ärgernissc Goethe Div. 2, 2. 2) wie am unker u. a.; urm, herausstehendes Wirtshausschild,
Arger: sie hat ihn in verdacht, und ist voll ärgernis und daher im Wortspiel mit 1, sprichwörtlich: er gruszt
Gellert Band 4; als Fem.: innerlich verzehrte ihn gern, wo unser herrgott einen arm herausstreckt, (weil
die urgernis Goethe Egm. 5. leibliche Nahrung Gottesgabe ist). — Zusammensetzungen:
M. Heyne, Deutsches Werterbuch, 1. 10