158 (teschiehte der Soeietät von 1700-1711.
festgesetzt war. musste wiederum unterbleiben, da die Anwesenheit
der Könige von Dänemark und Sachsen in Berlin den Hof beschäftiote!.
Da brach OELvEn von Neuem los. In einer Eingabe an den
König erklärte er, einen Mann zu kennen, der ein Geheimniss wisse,
die Einkünfte der Societät ausserordentlich zu vermehren; er behauptete
zugleich, die Kalender hätten, richtig betrieben, bis zum
Jahre 1708 69840 [hlr. einbringen müssen und die bisherige Verwaltung
sei ganz unfälig.
Der Mann war er wahrscheinlich selbst, die aufgestellte Rechnung
war ein heller Unsinn, das Ganze ein letztes Mittel, Geld zu
erhalten; denn er und seine Familie waren den Verhungern nahe.
Aber dass OrLven den Minister mit Eingaben in dieser Sache überschütten
durfte, dass das Concilium zur Verantwortung gezogen und
dass zwei Commissionen zur Revision der finanziellen Lage der Societät
eingesetzt wurden, daran war das Coneilium doch nicht ganz
unschuldig. Es hatte bisher Niemandem Einsicht in seine Rechnungen
verstattet, und selbst die einheimischen Mitglieder wurden
über sie in vollkommener Unwissenlieit gelassen. So konnten sich
die abenteuerlichsten Gerüchte über die Einkünfte aus den Kalendern
bilden; die rechtlosen und unbesoldeten Mitglieder — vor
allem OELvEen und MARPERGER — schauten begierig nach Pensionen
aus, und schliesslich schöpfte die Regierung selbst Verdacht und
verlangte Rechenschaft.
Das Concilium gal) diese sofort. Aber die Regierung blieb misstrauisch
und verlangte mehr. In sehr würdiger Weise verwahrte
sich Namens des Conciliums Cuxeau nun dagegen, dass die Regierung
die Charlatanerieen und Frechheiten »eines malitiösen und gemeingefährlichen
Narren« ernsthaft nehme und die Societät auf solche
Anklagen hin zum zweiten Mal belange; auch der Secretar war jetzt
Feuer und Flamme gegen OELvEn”; aber schliesslich blieb nichts übrig:
die Societät musste sich eine ecommissarische Untersuchung gefallen
lassen. Das Coneilium konnte sich glänzend rechtfertigen. Die Einnahmen
waren zwar (von 1701 bis 1708) allmählich von 6500 auf
8560 Thlr. (inel. aller Jahresüberschüsse) gestiegen® und die Ausgaben
waren etwas gefallen; aber in dem Überschuss, der für das
! Siehe Friscn’s Brief Nr.13 vom 31. Juli 1709. FıschEr S.18, und den Brief
der Frau Kırcn vom 17. Juli 1709 (Seer.-LeEıpx. Nr. 87).
? Siehe Secr.-Lrısx. Nr. 90--107.
3 Die Zahl der verkauften grossen und kleinen Kalender war von 70648 im
Jahre 1701 auf 99132 im Jahre 1708 gestiegen.