Friede zu St. Germain. 191
von Cleve erbetenen Durchmarsch — über Minden, Halberstadt, Magdeburg nach
Berlin zu marschieren. Da mußte auch Friedrich Wilhelm dem König sich ergeben.
Was er auch noch versuchte zu erreichen, wie er sich auch mühte, hinreichende
Streitkräfte aufzubringen oder im Wege der Unterhandlungen wenigstens
Stettin zu retten, es war alles umsonst, und ein tollkühnes unüberlegtes Vorgehen
wäre nicht nach der Art des Kurfürsten gewesen. „Denn nicht allein diejenigen
sündigen“, schrieb er später, „die einen ungerechten Krieg beginnen, sondern
auch die, welche in gerechter Sache die Waffen ergreifen ohne Hoffnung auf
Erfolg, ohne den Ernst der Vorbereitung und Berechnung, die das furchtbare
Kriegsspiel erfordert." Im Frieden zu St. Germain en Laye am 29. Juni 1679 1670
hab er ganz Pommern, gab er alle Früchte des mühseligen Krieges an Schweden
zurück. „Ganz Deutschland war in Erstaunen, daß der Besiegte alles behielt,
der Sieger nichts als die Schande"“, so schrieb selbst der kaiserliche Historiograh
— nur daß er Schaden mit Schande verwechselte, und die Schande auf Seite
derjenigen war, die den Sieger wieder einmal im Stiche gelassen hatten. Denn
„nicht der König von Frankreich sei es, der ihn zum Frieden zwinge, sondern
der Kaiser, das Reich, seine Verwandten und Bundesgenossen; dereinst würden
sie es bereuen, wozu sie ihn gezwungen, und ihr Verlust würde so groß sein, wie
jetzt der seine“ — so urteilte Friedrich Wilhelm; aber sein Wunsch war, wie er
den Holländern schrieb: „daß Gott ihren Stoat inskünftige vor allem Unglück
und feindlichen Uberfall bewahren wolle, auf daß sie nicht einst zu ihrem Schaden
gewahr werden möchten, was es nach sich ziehe, getreue Freunde zu verlassen".
Ihm hatte der Friede von Nymwegen den Boden seiner Politik entzogen;
jede Hoffnung, gemeinsam mit dem Kaiser des deutschen Reiches Interesse zu ver-*
gemeinsam mit den Verbündeten die Freiheit Europas gegen den französibermut
zu retten, war aufs gründlichste zerstört. Er mußte sehen, wie er
äh irte und wenn es, nach seinem Ausdruck, sein Herz drückte, daß er als
Deutscher geboren sei, wenn er „unter ihnen nichts sah, als Ungercchtigkeit",
dann mußte er doppelt so scharf zusehen, wie er seinen Staat, wie er den Staat
rette, der allein die Feinde des Reiches gedemütigt hatte.
Stasfage des Stiches „Die VBelagerung von Steltin“ durch Kurfürst Friedrich
Wilhelm 1677 in P. Valckenier „Das verwirrte Europa“. Amsterdam 1688.