wegte sich daher in allgemeinen Wendungen über die stete Be—
reitwilligkeit, zur. Beendigung von Kriegen überall beizutragen,
und wich dem Gedanken eines gemeinsamen Vorgehens mit der
Bemerkung aus, daß ein Kollektivschritt leicht bedrohlich wirke und
es besser sei, wenn eine einzelne Macht, z. B. Rußland als Vor—
macht der Friedenskonferenz, eine Vermittelung in London an—
biete. Der Unterstaatssekretär v. Mühlberg teilte diesen Gedanken—
gang dem russischen Geschäftsträger mündlich mit, der darauf be—
merkte, nichts anderes erwartet zu haben. Damit war die zweite
Anregung zu einer Vermittelung noch schneller im Sande ver—
laufen als die erste.
In der Zeit zwischen beiden Versuchen war ein neues deutsch—
englisches Sonderabkommen, zu dem portugiesischen und dem
Samoavertrag das dritte, abgeschlossen worden. Den Hintergrund
bildete das gemeinsame Auftreten der Mächte gegen die Fremdenhetzein
China, die während des Winters 1899/1900 ausgebrochen
war. An der Spitze der Bewegung standen zwei Geheimgesellschaften,
„das große Messer“ und „die rote Faust“
(Boxer). Ihr Schauplatz war die Provinz Tschili mit der Hauptstadt
Peking. Als stille Schutzherrin galt die Kaiserinwitwe, die
nach der Einkerkerung des für fremdenfreundliche Reformen
zugänglichen Kaisers eine Alleinherrschaft führte. Den äußeren
Anstoß hatte die Machtentfaltung Rußlands in der Mandschurei
nach der Besetzung von Port Arthur gegeben. Anfangs von den
Gesandtschaften wenig beachtet, wurde die Bewegung bedrohlich,
als die Boxerhaufen im Frühjahr 1900 bis vor die Tore von
Peking drangen. Die gleichmäßige Gefahr für alle fremden Vertreter
in Peking führte ein gemeinsames Auftreten aller in Ostasien
interessierten Großmächte herbei, und es war das erstemal,
daß die Vereinigten Staaten von Nordamerika im Anschluß an
ihren mit dem Erwerb der Philippinen vollzogenen Übergang zur
Weltpolitik unmittelbar in chinesische Angelegenheiten an der Seite
der eurzpäischen Großmächte und Japans eingriffen. Der deutsche
Standpunkt war von Anfang an ungefähr gleich dem französischen
und amerikanischen, nämlich lediglich als Kulturmacht zum Schutze
allgemeiner Interessen mitzuwirken, ohne dem Vorrücken Rußlands
in Nordchina entgegenzutreten. Aus Europäern, Ameri—
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