Full text : Erinnerungen an die Kriegsjahre im Königlich Preußischen Kriegsministerium. Zweiter Band. Heer und Heimat 1914-1918. (2)

156  Drittes  Kapitel

aufgestellt,  die  sich  70/71  vollkommen  bewährt  hatten,  und  die  auch
für  künftige  Fälle  geeignet  erschienen.

Eo  heißt  dann  weiter:

„Hält  man  außier  den  Generalgouverneuren  etc.  in  den  Provinzen
eine  militärische  Spitze  am  Sitze  der  Regierung,  die  mit  besonderen
Machtbefugnissen  auszustatten  wäre,  für  notwendig,  so  wähle  man
dazu  einen  für  eine  solche  Aufgabe  geeigneten  General,  aber  nicht  den
mit  verfassungsmäßiger  Verantwortung  ausgestatteten  Kriegsminister.“

Das  Allgemeine  Kriegsdepartement  schloß  sich  den  Ausführungen
der  Denkschrift  an.  Es  fügte  aber  hinzu,  daß  bei  einem  Kriege  mit
mehreren  Kriegsschauplätzen  die  Anwesenheit  des  Kriegsministers  in
Berlin  nötiger  sein  könnte  als  im  Großen  Haupt-Quartier.

Zur  Begründung  hierfür  heißt  es  dann:

„Die  Lage  auf  dem  dem  Großen  Haupt-Quartier  entfernten
Kriegsschauplatz  kann  sofort  wichtige  Maßnahmen  erfordern,  die  von
dem  im  Großen  Haupt-Quartier  befindlichen  Kriegsminister  nicht  beurteilt
  werden  können  oder  die  so  dringend  sind,  daß  eine  Anfrage  bei
ihm  zeitlich  nicht  möglich  ist.“

Auf  Befehl  des  Kriegsministers  wurde  die  Denkschrift  im
Mobilmachungskalender  des  Kriegsministeriums  aufbewahrt,  und  in
diesem  ein  entsprechender  Vermerk  aufgenommen.

Der  bei  Ausbruch  des  Krieges  amtierende  Kriegominister,  Exzellenz
von  Falkenhayn,  begab  sich  mit  dem  Großen  Haupt-Quartier  ins  Feld.
Die  Jiele  für  das  Kriegsministerium  waren  durch  ihm  gehaltene  Vorträge
  der  einzelnen  Departements  festgelegt,  es  lag  keine  Veranlassung
für  ihn  vor,  zu  Hause  zu  bleiben.  Wohl  aber  konnte  der  unübersehbare
Verlauf  der  Operationen  seine  Anwesenheit  im  Großen  Haupt-Quartier
notwendig  machen,  wie  es  tatsächlich  eintrat.

Seine  Vertretung  übernahm  der  zeitige  Direktor  des  Allgemeinen
Kriegodepartements,  Generalmajor  Wild  v.  Hohenborn  und,  als  dieser
eine  Division  erhielt,  der  Generalleutnant  v.  Wandel,  Gouverneur
von  Cöln  und  früherer  Direktor  des  Allgemeinen  Kriegsdepartements.

Als  Generalleutnant  v.  Falkenhayn  Chef  des  Generalstabes  wurde,
blieb  er  zunächst  Kriegsminister,  dann  wurde  Generalleutnant  Wild
von  Hohenborn  sein  Nachfolger.  Das  Zusammenarbeiten  zwischen  beiden
Persönlichkeiten  war  —  wie  nach  der  Vorzeit  nicht  anders  zu  erwarten
  —  sehr  gut.  Reibungen  zwischen  Kriegsministerium  und