Metadata : Lehr- und Lesebuch oder die Vaterlands- und Weltkunde.

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aut  den  Zähnen  fuffen  fann,  fondern  er  fehlägt  ihr,  mie  ber  Pöwe,  feine  eifen.
ven  mehrere  Hol  langen  Krallen  fammt  ben  Zehen  oft  fünf  Zoll  tief  ing
gelb  ein.  “

Das  Hauptvaterland  des  Tigers  ift  ganz  Oftindien  nebft  den  Infeln  Sumaira
  und  Java,  weniger  häufig  lebt  er  in  den  mittelafiatifhen  Steppen  zwifchen
Sibirien,  China  und  Indien.

Tie  Zahl  der  Tiger  ift,  nach  Angabe  der  neueiten  Neifenden,  gegenwärtig  in
Ditintien  noch  jo  außerorbentlich  groß,  daß  in  manden  Gegenven  ganze  Dörfer
ihretwegen  verlaffen  werden  müflen.  Die  dortigen  ungeheuren  Wälter  und  bie
Dicht  ftchenten,  riefenmäßigen  Bambusrohre  (Banzen,  De  unferm  Teichrohr
shnlich  And,  aber  oft  fünfzig  Fuß  hoch  und  fo  die  werben,  wie  bei  ung  eine
Fünfzigjährige  Tanne)  an  ven  Küürfen  machen  e3  ihnen  leicht,  fic)  zu  verbergen,
auf  Beute  zu  lauern,  und  den  Raub  bortbin  zur  Schlerpen.  Bisweilen  veranftalten
De  indiichen  Yürften  Treibjagden,  mit  Gfephanten  und  vielen  taufent  Soltaten
zu  Suß  und  au  Pferd,  auf  Tiger.  Man  ftelit  Danın  große  Garne  auf,  umftellt
ven  Wald,  zündet  Das  Grad  an  und  treibt  die  Tiger  unter  großem  Lärm  unt
Setöfe  gegen  Das  Garn,  wo  fie  von  Bäumen  aus  gejchoffen  werten.  —

Manchmal  behauptet  einer,  troß  aller  Anftrengung  der  Menichen,  monatlang
eine  aeiwifte  Stelle  En  hatte  fid  in  bem  Engpaffe  von  Rutfumfandy  eine
Tigerin  mit  zwei  Qungen  gelagert;  jie  würgte  täglich  einen,  auch  zwei  Menfchen.
Schon  zwölf  Boltboten  waren  nad  und  nach  von  ihr  zerwiffen  worden.  Da
fegfe  man  einen  Sedeutenden  Preis  auf  fie;  allein  vergebend.  —

Scejättiat  ii  der  Tiger  feigz  er  flieht  den  Menichen  und  fuct  einen  ftillen
Drt,  um  rubia  verbauen  zu  fünnen.

ie  Schnelligfeit,  mit  welcher  Der  Tiger  feine  Beute  raubt,  it  faft  unbegreiflich.
©o  holte  ein  Tiger  in  Tftindien  beim  Mariche  einer  englijchen  Keiterabtbeilung
einen  Neiter  vom  Dferte  herab,  und  eilte  fo  Jchnell  mit  ihm  davon,  Daß  man  Ihn
nicht  nicht  einholen  Fonnte.  —  Ein  anderer  Tiger  fprang  auf  einen  Elepbanten,
packte  Den  tim  Sattelfeffel  fihenden  Engländer  am  Schenkel,  warf  ihn  über  den
Rüden  und  entfloh.  Alle  Gewehre  waren  zwar  auf  dag  Thier  gerichtet,  aber
aus  yurcht,  Daß  man  ben  Unglüdlichen  mittreffen  möchte,  überließ  man  ihn  feinem
traurigen  Schidjale.

Der  Nußen,  ten  der  Tiger  Dem  Menfchen  gewährt,  it  ganz  unbeträchtlich;
Die  Felle  werden  namlich  au  Pferdes  und  Sclittendeden  gebraucht,  und  auch  Diefe
Anwendung  Jcheint  außer  Diode  fommen  zu  wollen.

26.  Der  Seidenfpinner.

Shr  Habt  Doch  gewiß  fehon  von  dem  Seidenwurme  gehört,  von  Dem  unjere
Seide  fonmt?  Nun  das  ift  eben  Die  Raupe,  auß  melder  der  Seidenfpinner,
eind  ‚ver  nüglichiten  Infeften,  entfteht.

Slaußt  ja  nicht,  daß  der  Setvenfpinner  fhön  augfieht.  Cr  ift  ein  Nacht:
Falter,  ungefähr  einen  Boll  lang,  und  mit  audgejpannten  Flügeln  11/4  Bol  breit.
(Fr  bat  gelblich  meiße  Flügel  mit  drei  blaßbraunen  Etreifen  und  fammartige
Fühlhörner.  Das  Weibehen  legt  in  einigen  Tagen  300  bis  500  Eier,  Die  fo
groß  find,  wie  Hnfeförner.  Durch  eine  Wärme  von  18  Eis  20  Grad  werden
Diefe  Eter  in  6—8  Tagen  ausgebrütet.  Die  Fleinen  Raupchen,  Die  erjt  weiß  find,
Dann  braun  mwerden  und  zulegt  einen  fhmwarzen  Kopf  befommen,  häuten  fidh  und
wachfen  fehnell.  Sie  find  fehr  gefräßig,  wie  alle  andern  ihres  Sleichen,  rühren
aber  nicht3  an  als  Die  Blätter  de3  weißen  Maulbeerbaumes,  menigftens
wii  ihnen  nicht®  anderes  recht  fohmeden  und  zufagen.  Ste  häuten  fih  4—5
mal  und  zwar  beinahe  jede  Woche  einmal.  So  Ieht  und  frißt  nun  Diefe  Naupe
6  538  7  Wochen  lan...  5—8  Tage  nad)  der  legten  Häutung  fängt  fie  end»
ih  an,  fi  einzufpinnen,  was  fie  vorher  baburch  zu  erkennen  giebt,  Daß  fie
nicht  mehr  frißt,  fondern  mit  Fäten  im  Maule  und  mit  aufgerichteten  Halle
unruhig  unberläuft,  um  einen  Drt  zu  fuchen,  an  dem  fie  Säven  befefligen  Fann.
Hat  bie  Naupe  enplich  Diefen  Ort,  nämlich  Dürre  Ruthen  von  Birken  oder  andern
Reifern,  gefunden,  fo  Elebt  fie  zwei  fehr  feine  Tröpfchen  eined  Elebrigen  ©aftes