Für die neuen gemeinsamen Anstrengungen der Mittelmächte hatten die
deiderseitigen Heeresleitungen sich dabin verständigt, daß ln Zukunft eine Vermischung
der deutschen und der österreichlsch-ungarischen Streitkräfte einzutreten
babe — weil letztere für sich allein nicht mehr die nötige Stoß- und Wider--standekraft
besaßen. Man ging also zu dem System der „Korsettstangen“ über.
Würden trotzdem die vorhandenen Kräfte selbst für eine so deschränkte
Aufgabe wle die zweite Befreiung Ostpreußens und die Verdrängung der Russen
vom Karpathenmossio ausreichen? Allee kam darauf an, ob die O. H. L. willene
sein würde, der östlichen Kriegeleitung frische Kräfte zur Verfügung zu stellen.
Diese Zweifel lösten sich, als dei Oderost die Nachricht eintraf, daß von den vier
in der Helmat neuerbings aufgestellten Armeekorps drei und außerdem das
21. Armeekorpe# Anfang Fedruar anrollen würden. Das vlerte der neu aufgestellten
Korps kam an die Westfront, um dort das 21. Armeekorpe zu ersetzen.
Dies bestand zu einem sehr großen Teil aue Elsässern und Lothringern und hatte
sich im ersten Kriegeabschnitt auf heimatlichem wie auf französischem Boden
glänzend bewährt. Aber seit der Zurücknahme der Front lagen die Reichelande
in der Reichweite der französischen Kanonen, ein Tell dereite hinter den französischen
Gräden. Dieser Zustand war für die Stimmung der reichsländischen
Bevölkerung von entscheidender Cragweite. Er deeinflußte auch die Zuverlafsigkeit
dee reichsländischen Ersatzes in immer steigendem Maße. Darum war
die Verlegung des 21. Korpe an die Ostfront ein Gebot der Notwendigkeit.
Ee bat sich auch hier „hervorragend geschlagen“ (Ludendorff).
Um die Russen über die Absicht einer offensiven Derteldigung auf delden
zum Ziel des russischen Angriffe bestimmten Flügeln zu täuschen, unternahm das
Zentrum am 31. Januar einen Angriff bei Bolimow. Hier wurde zum erstenmal
ein großer Versuch mit Gaemunition gemacht. Aber dieser versagte, weil
es zu kalt war. Die Einflüsse der Witterung auf die Gasmunktion waren damals
noch nicht erkannt. Die erste Anwendung des neuen Kampfmittels führte also
zu einer Enttäuschung. Trotzdem hatte der Vorstoß den Erfolg, daß einige
tausend Gefangene gemacht wurden, und daß der Russe den Eindruck dekam,
es sei eine Fortsetzung des deutschen Vorgehenes im Zentrum geplant. Seine
Aufmerksamkeit wurde also von dem geplanten deutschen Vorstoß
in Oftpreußen abgelenkt.
Schon vorber hatten an der Karpathenfront die Kämpfe degonnen.
Zn wechseloollem Ringen maßen sich auf den vereisten Karpathenhöhen die
österreichischen und russischen Kräfte, ader das Ergednie war, daß die Österrelcher
schließlich noch welter üder den Karpathenkamm zurückgedrängt wurden.
Aur ein starker Einfatz deutscher Krafte konnte hier die Lage retten. Um so
wichtiger war es, daß die geplante Kampfhandlung in Ostpreußen möglichst
schnell und gründlich zu einer Entscheidung führte.
Inzwischen waren mit großer Heimlichkeit die Vordereitungen zu einem
deutschen Angriff auf die russischen Kräfte durchgeführt worden, die auf ostpreußischem
Gediet zwischen Tilsit und der Landeegrenze füdlich Johannisburg
standen.
Zum zwelten Male dereitete Hindendurg, der nach den großen Schlachten
in Polen zum Generalfeldmarschall ernannt worden war, gestützt auf Luden-165