Full text : Der Weltbrand. Deutschlands Tragödie 1914-1918. Erster Band. (1)

Für  die  neuen  gemeinsamen  Anstrengungen  der  Mittelmächte  hatten  die
deiderseitigen  Heeresleitungen  sich  dabin  verständigt,  daß  ln  Zukunft  eine  Vermischung
  der  deutschen  und  der  österreichlsch-ungarischen  Streitkräfte  einzutreten
babe  —  weil  letztere  für  sich  allein  nicht  mehr  die  nötige  Stoß-  und  Wider--standekraft
  besaßen.  Man  ging  also  zu  dem  System  der  „Korsettstangen“  über.

Würden  trotzdem  die  vorhandenen  Kräfte  selbst  für  eine  so  deschränkte
Aufgabe  wle  die  zweite  Befreiung  Ostpreußens  und  die  Verdrängung  der  Russen
vom  Karpathenmossio  ausreichen?  Allee  kam  darauf  an,  ob  die  O.  H.  L.  willene
sein  würde,  der  östlichen  Kriegeleitung  frische  Kräfte  zur  Verfügung  zu  stellen.
Diese  Zweifel  lösten  sich,  als  dei  Oderost  die  Nachricht  eintraf,  daß  von  den  vier
in  der  Helmat  neuerbings  aufgestellten  Armeekorps  drei  und  außerdem  das
21.  Armeekorpe#  Anfang  Fedruar  anrollen  würden.  Das  vlerte  der  neu  aufgestellten
  Korps  kam  an  die  Westfront,  um  dort  das  21.  Armeekorpe  zu  ersetzen.
Dies  bestand  zu  einem  sehr  großen  Teil  aue  Elsässern  und  Lothringern  und  hatte
sich  im  ersten  Kriegeabschnitt  auf  heimatlichem  wie  auf  französischem  Boden
glänzend  bewährt.  Aber  seit  der  Zurücknahme  der  Front  lagen  die  Reichelande
in  der  Reichweite  der  französischen  Kanonen,  ein  Tell  dereite  hinter  den  französischen
  Gräden.  Dieser  Zustand  war  für  die  Stimmung  der  reichsländischen
Bevölkerung  von  entscheidender  Cragweite.  Er  deeinflußte  auch  die  Zuverlafsigkeit
  dee  reichsländischen  Ersatzes  in  immer  steigendem  Maße.  Darum  war
die  Verlegung  des  21.  Korpe  an  die  Ostfront  ein  Gebot  der  Notwendigkeit.
Ee  bat  sich  auch  hier  „hervorragend  geschlagen“  (Ludendorff).

Um  die  Russen  über  die  Absicht  einer  offensiven  Derteldigung  auf  delden
zum  Ziel  des  russischen  Angriffe  bestimmten  Flügeln  zu  täuschen,  unternahm  das
Zentrum  am  31.  Januar  einen  Angriff  bei  Bolimow.  Hier  wurde  zum  erstenmal
  ein  großer  Versuch  mit  Gaemunition  gemacht.  Aber  dieser  versagte,  weil
es  zu  kalt  war.  Die  Einflüsse  der  Witterung  auf  die  Gasmunktion  waren  damals
noch  nicht  erkannt.  Die  erste  Anwendung  des  neuen  Kampfmittels  führte  also
zu  einer  Enttäuschung.  Trotzdem  hatte  der  Vorstoß  den  Erfolg,  daß  einige
tausend  Gefangene  gemacht  wurden,  und  daß  der  Russe  den  Eindruck  dekam,
es  sei  eine  Fortsetzung  des  deutschen  Vorgehenes  im  Zentrum  geplant.  Seine
Aufmerksamkeit  wurde  also  von  dem  geplanten  deutschen  Vorstoß
in  Oftpreußen  abgelenkt.

Schon  vorber  hatten  an  der  Karpathenfront  die  Kämpfe  degonnen.
Zn  wechseloollem  Ringen  maßen  sich  auf  den  vereisten  Karpathenhöhen  die
österreichischen  und  russischen  Kräfte,  ader  das  Ergednie  war,  daß  die  Österrelcher
  schließlich  noch  welter  üder  den  Karpathenkamm  zurückgedrängt  wurden.
Aur  ein  starker  Einfatz  deutscher  Krafte  konnte  hier  die  Lage  retten.  Um  so
wichtiger  war  es,  daß  die  geplante  Kampfhandlung  in  Ostpreußen  möglichst
schnell  und  gründlich  zu  einer  Entscheidung  führte.

Inzwischen  waren  mit  großer  Heimlichkeit  die  Vordereitungen  zu  einem
deutschen  Angriff  auf  die  russischen  Kräfte  durchgeführt  worden,  die  auf  ostpreußischem
  Gediet  zwischen  Tilsit  und  der  Landeegrenze  füdlich  Johannisburg
standen.

Zum  zwelten  Male  dereitete  Hindendurg,  der  nach  den  großen  Schlachten
in  Polen  zum  Generalfeldmarschall  ernannt  worden  war,  gestützt  auf  Luden-165