Contents : Deutsche Geschichte. Zweiter Band. (2)

1761.  Tod  Georgs  II  von  England.  Wendung  in  Rußland.  149

Frieden,  im  Mai,  und  fandte  noch  vorher  an  die  ruffischen  Truppen
im  Felde  den  Befehl,  die  Teindjeligkeiten  einzustellen.  Die  Grundlage
  des  Tyriedend  war  Herjtellung  des  Standes  der  Dinge  vor  dem
Kriege  und  von  preußischer  Seite  Beiftand  gegen  Dänemark,  gegen  das
Peter  ala  Herzog  von  Holftein  eine  Streitfache  hatte.  Auch  Schweden
legte  nunmehr  jeine  ftumpfen  Waffen  nieder  und  fchloß  im  Mai
feinen  Frieden  mit  dem  König.  Dem  Frieden  mit  Rußland  folgte
Ihon  im  Juni  ein  Bündnis,  in  dejfen  Folge  Ezernitichem  die  Front
wechjelte  und  mit  jeinen  Truppen  nunmehr  das  preußische  Heer
verftärfte.  Aber  noc)  einmal  trat  im  gleichen  Jahre  ein  Umjchlag
ein.  Der  Zar,  ein  Tor,  dem  der  Befit  der  höchiten  Gewalt  zu
Kopfe  ftieg,  fegte  in  feiner  Regierungsiphäre  alles  auf  preußischen
Fuß,  trug  feine  Berachtung  des  altrufjiichen  Wejend  zur  Schau
und  fuhr  fort,  feine  Gemahlin  Katharina,  eine  Brinzeifin  aus  dem
Haufe  Anhalt-Zerbit,  die  einft  durch  Friedrich  an  diefen  Hof  gefommen
  war,  zu  mißhandeln.  Dieje  aber  hatte  Ehrgeiz  und  einen
Anhang  und  man  wußte  hier  auf  ruffiichem  Boden  fich  zu  helfen.
Am  9.  Juli  jenes  Sahres  fuhr  Katharina,  nachdem  man  fich  auc)
der  hohen  Geiftlichfeit  verjichert  hatte,  nach  der  Kajerne  der  Garde,
wurde  hier  al3  Katjerin  empfangen  und  in  der  nahen  Kirche  aladann
vom  Erzbilchof  von  Nowgorod  al3  Zarin  ausgerufen,  der  Jar  von
den  Verjchworenen,  an  deren  Spite  ein  Liebhaber  der  Kailerin,
Gregor  Orlow,  jtand,  überrafcht  und  zum  Gefangenen  gemadjt.  Und
auf  diefem  Boden  war  man  gewöhnt,  ganze  Arbeit  zu  machen;  am
17.  Suli  gejchah  eine  blutige  Tat.  Auf  dem  Landhaufe  Ropfcha,
wohin  man  ihn  gebracht  hatte,  wurde  Beter  III  umgebracht.  Man
vertufchte,  was  vorgegangen  war;  e8  war  fchon  mehr  derartiges
in  diefem  Reiche  geichehen.  Katharina  II  war  nun  Zarin,  und  es
\chadete  ihr  nicht,  daß  fie  eine  Fremde  war;  fie  wußte,  Hug  und
weitblictend  wie  fie  war,  daß  die  Verbindung  mit  Öfterreich  gegen
das  Suterejfe  des  NeichE  war,  und  fo  beftätigte  fie  zwar  den  Mllianzvertrag
  mit  Friedrich  nicht,  Ließ  aber  den  Frieden  bejtehen.

Die  Dinge  neigten  fich  num  vafch)  auch  mit  Öfterreich  zum  Frieden.
Am  21.  Suli  fam  e8  noch  zu  einem  Gefecht  zwifchen  den  Armeen