Full text : Jahrbuch für Gesetzgebung, Verwaltung und Volkswirthschaft im Deutschen Reich. Dritter Jahrgang. (3)

14  Bericht  zur  Untersuchung  der  Arbeiterverhaͤltniffe  in  Däuemark.  (596

knüpft  werden,  an  welchem  er  theilnimmt,  so  daß  es  ihm  am  Herzen  liegt,
daß  es  glückt;  sein  Muth,  seine  Treue  und  seine  Hoffnung  müssen  durch
die  Aussicht  gekräftigt  werden,  daß  er  durch  Ordnung  und  Sparsamkeit
von  seiner  Stellung  als  Rad  in  der  Arbeitsmaschine  es  zur  Leitung  derselben
  bringen  kann.  «

Das  Mittel  dazu  liegt  nach  dieser  Anschauung  vorerst  und  allein
in  dem  eigenen  ausdauernden  Willen  zu  sparen,  und  die  Gelegenheit  zur
Aufklärung  und  Bildung  zu  benutzen,  die  sich  auf  mancherlei  Arten  darbieten,
  sowie  ferner  in  der  Freiheit  der  Arbeit,  dem  Rechte  und  der  Erlaubniß.
  mit  Anderen  eine  Verbindung  einzugehen,  um  durch  vereinte  Hülfe
zu  erreichen,  was  die  Kräfte  eines  Einzelnen  übersteigt.  Auf  der  Vereinigung
  Mehrerer  zur  Erreichung  besserer  Lebensbedingungen  für  Alle  seien
die  sogenannten  kooperativen  Vereine  zu  dem  Zwecke  begründet,  entweder
die  Herstellung  oder  Ansammlung  eines  Kapitals  zum  Ankauf  von  Maschinen.
Rohstoffen  zu  einem  Geschäfte  u.  s.  w.  zu  erleichtern  (die  sogenannten
kooperativen  Kreditvereine),  oder  ihre  Lebensbedürfnisse  zu  einem
billigen  Preise  herzustellen  und  dadurch  gleichzeitig  ein  Kapital  zu  ersparen
(die  sogenannten  kooperativen  Konsumvereine),  oder  endlich,
was  hier  besprochen  werden  soll,  eine  Erhöhung  des  Lohnes  oder  Ertrages
der  Arbeil  dadurch  zu  erzielen,  daß  diese  gemeinschaftlich  ohne  Arbeitsherrn
ausgeführt  und  somit,  zum  Vortheil  aller  Theilnehmer,  der  Theil  des
Lohnes  und  des  Ertrages  erspart  wird,  welche  diesem,  dem  Arbeitsherrn,
zukommen  könnten  (die  sogenannten  kooperativen  Produktionsvereine).
Durch  diese  letztere  Art  kooperativer  Vereine  würde  dem  Bedürfnisse  eines
Gemeinschafts-Betriebssystems  entgegengekommen,  und  das  Gleichheitsgefühl
würde  dadurch  zufriedengestellt  sein,  die  Arbeit  werde,  angespornt  durch  den
eigenen  Vortheil  aller  Theilnehmer,  mit  größerer  Energie  und  größerer
Umsicht  ausgeführt  werden,  die  Theilnehmer  würden  gegenseitig  über  ihren
Fleiß,  ihre  Treue  und  ihre  moralische  Führung  wachen,  besonders  werde  Jeder
gezwungen  werden,  Etwas  zu  seinem  und  dem  Besten  des  gemeinsamen
Vereins  zu  ersparen,  und  der  Lohn  und  Gewinn  jedes  einzelnen  Theilnehmers
  werde  größer  werden,  wenn  das  Geschäft  so  angelegt  sei,  daß  es
im  Ganzen  einen  Gewinn  geben  könne.  Ob  jedoch  dieses  Ziel  erreicht
werden  könne,  hänge  davon  ab,  daß  die  einzelnen  Theilnehmer  am  Geschäft
so  viel  besäßen  oder  sich  unter  mäßigen  Bedingungen  verschafften,  daß  sie
das  Geschäft  in  Gang  setzen  und  erhalten  könnten,  selbst  wenn  weniger
günstige  Konjunkturen  für  den  Absatz  des  Producirten  einträten,  und  daß
sie  im  Besitz  der  Einsicht  und  der  übrigen  unentbehrlichen  Eigenschaften
seien,  um  entweder  selbst  den  technischen  oder  den  merkantilen  Theil  des
Unternehmens  zu  leiten  oder  den  Willen,  sich  eines  Anderen  Führung  und
Leitung  des  Geschäftes  zu  unterwerfen,  sei  dieser  nun  ein  Theilnehmer  am
Geschäfte  oder  eine  von  allen  Theilnehmern  gewählte,  nicht  zu  diesen  gehörende
  Person.  Endlich  sei  erforderlich,  daß  die  Theilnehmer  die  Kenntniß
  und  das  Vertrauen  zu  einander  hätten,  daß  Alle  überzeugt  seien,  daß
jeder  Einzelne  eine  Arbeit  ausführe,  welche  dem  für  Jeden  besonders  bestimmten
  Antheil  am  Ertrage  entspreche,  sowie  daß  dieser  stets  im  Ganzen
gerecht  zwischen  ihnen  berechnet  und  vertheilt  werde.  Könnten  alle  diese
Bedingungen  vorhanden  sein  —  und  die  Erfahrung  habe  gelehrt,  daß