8 I. Don der Restauration zur Revolution.
In diesem preußischen Machtbewußtsein stimmt auch sein
politischer Gegner, der Konservative Stahl, mit ihm überein.
Hhallers Kuffassung des Staates als der Summe privater
Besitzrechte des herrschers teilten nur noch wenige konservative,
allerdings in hohen Stellungen befindliche Männer
wie Leopold von Gerlach. Die Mehrzahl der Konservativen
hatte sich dem Einflusse des Entwichlungsgedankens nicht
entziehen können. Zuch dem Staate — aber nicht der
Nation — als einem lebendigen Organismus erhannten sie
nun das Recht zu, sich zu verändern und auszuwachsen; aber
seine Entwichlung sollte gebunden sein an die in der Staatsform
vorgesehenen Möglichkeiten und vor der Souveränität
des herrschers haltmachen.
Beinahe frei von solchen politischen Ideen begründet
List die Einigung Deutschlands auf die Uotwendigkeit, die
sich aus der Wirtschaftslage Deutschlands ergibt, welche er
in ihrem Jusammenhang mit der wirtschaftlichen Entwichlung
aller Länder betrachtet.
Diese beschränhte Auswahl kann uns kein getreues
Bilb von dem Reichtum der mannigfaltig abgestuften
Meinungen geben, aber sie lassen uns doch die wirkenden
Ideen erkennen. Und auch etwas anderes wird schon offenbar,
was H. von Gagern in seiner Rede ausführlicher erläutert:
daß nicht nur manche dieser Kräfte einander befehden,
sondern daß auch dieselbe Kraft oft in ganz entgegengesetzten
Richtungen wirksam wird. Die religiöse
Grundstimmung verbindet zwar die Eläubigen, aber sie
wecht auch wieder den scharfen Gegensatz der Konfessionen
und treibt die hatholische Partei dazu, das Kaisertum der
protestantischen Hhohenzollern zu behämpfen. Die Liebe zum
Daterlande, zum deutschen Dolkhstum, ist sicher die haupttriebkraft
zu einer Einigung Deutschlands; aber sie erzeugt
zugleich auch den widerstrebenden Hartikularismus und
widersetzt sich dem Zusschluß Gsterreichs. Lelbst in der Verfassungsfrage,
die sich einer verhältnismäßig übersichtlichen