Volltext : Rosenheimer Anzeiger. 64. Jahrngang (64)

die  Wiedergewinnung  der  Freiheil  der  brutal
angegriffenen  und  beraubten  Böller!  Durch
unsern  Kampf  wollen  wir  beweisen,  daß  kein
Volk,  und  sei  es  ailsch  noch  so  mächtig,  seinen
Mililarismus  zur  Unterdrüdung  freier  Völler
anwenden  darf.  Wenn  wir  unser  Ziel  nicht  zu
erreichen  versuchen.  dann  hieße  das  die  Zulunft
der  Menschheit  aufs  Spiel  gesetzt.  Darum  sage
ich  Harret  aus!  weil  uniere  Aussicht  auf  den
Sieg  noch  niemals  so  groß  war  wie  heute.
Vor  sechs  Monaten  haben  die  Fuhrer  Deutschlands
  die  gerechten  und  ehrlichen  Bedingungen,
die  die  Allierten  gestellt  haben,  von  der  Hand  geriesen.
  ie  letzte  Maske  einer  bis  dahin  zur
Schau  getragenen  Mäßigung  wurde  abgeworfen.
Es  erfolgte  die  Verteilung  Rußlands,  die  Unlerdrückung
  Rumäniens  und  der  Versuch,  mit  grozer
  Uebermacht  und  durch  verzweifelte  Angrifse
den  Sieg  über  die  Alliierten  zu  erringen.  Dank
der  unbesi:  gbaren  Tapferk  it  aller  alliierten
Heere  erkennt  nun  jedermann  deutlich,  daß  diefer
Eroberungstraum.  durch  den  die  Deutschen  den
Krieg  verbrecherisch  verlängern,  niemals  in  Crfüllung
  gehen  lan.  Noch  ist  aber  der  Kampf
nicht  entschieden.  Die  rofe  preuhische  Autokratie
  wird  noch  verz  zweselke  Veriuche  machen,  ihrer
endgültigen  Niederlage  zu  entgehen,  um  dem
Militarismus  neues  Leben  zu  verschaffen.  Wir
dürfen  diesen  Kampf  zur  Veseitigung  dieser
Autolratie  nicht  unseren  Nachkommen  überiassen,
nur  damit  wir  den  weiteren  Greueln  dieses  Krieges
  entgehen.  Wir  haben  nun  einmal  den  Kampf
begonnen  und  wir  müssen  ihn  sortsetzen.  bi  unser
  gerechtes  Ziel  erreicht  il.  Es  gibt  leinen  anderen
  Ausweg.  von  diesem  Krieg  befreit  zu  werden.
  Deshalb  heißt  die  Parole:  Ausharren!
Asquith  über  den  Völkerbund.
*  §  Haag,  5.  8.  Reuter  meldet  aus  London:
Aus  Anlaß  des  Kriegejahrestages  gab  Aequith
  eincin  Vertreler  der  „vlisociased  Preh“
eine  ltlebersicht  über  bie  gegenwärtige  La
er  sagte  dabei:  Die  Verbundeten  E—  Enlpsen  für
einen  reinen  Krieden.  Teil  der  den—
lenden  Mens#en  in  Europ#a  und  Ager  is  davon
  uber’reng:,  daß  die  Entente  den  Krieg  vergebens
  geführt  haben  würde,  wenn  nicht  wenigitens
  vor  der  B  endigun  u  des  Krieges  ein  Ansang
  mit  der  Gründung  einer  Bdllerbundes,
  der  die  Welkherrichait  des  Nech's  bedeuten
soll,  ge#nacht  worden  Kre.

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zumarshieren.  Auch  bei  Oeiva,  Tibe  und  Na- 



Amerika  und  die  Tauchbootgefahr.

5  Geuf,  5  68.  Insolge  der  U-Vootgefahr
sind  die  Transportversicherungen  von  Aenerila
nach  Europa  vom  1.  Augun  ab  um  121:  Proz.
erhöht  vorden.

Kolonien.

Erfolgreiche  Kämpse  unserer

Ostafrilaner.
Haag,  5.  8.  Das  britische  Kriegsamt  veröffentlicht
  sol  genden  Bericht  über  die  Vorgänge
in  Os#tafrika:  Die  feindlichen  Streinräsie  umer
General  v.  Leltom  Vorbeck  beweglen  sich,  obwohl
sie  unler  Verlusten  und  Kraul  eilen  schwer  zu
leiden  haben.  Ende  Juni  und  Ansang  Juli  in
südwestlicher  Richlung  2  Mic,  ubid  und
ewar  durch  die  Baraga:  und  Lie##gotaler.Sie
0erflörten  **)*v  erdeule-  en  Srofe  Vorräze  Qummi,
Fans  und  andere  Er  zugnisee  aus  vorlugiesischen
Plantagen.  2  1.  Juit  erreichic  sie  Nhamacura,
  wo  sie  eine  Grupxe  Portugieĩen  und  Engländer
  auf  ihremn  Wege  janden.  Es  entspann  sich
ein  dreitägiger  Kampf.  Schlieselich  gelang
  es  aber  dem  deulschen  Kommandanten,  im
waldreichen  Gelände  Deckung  zu  finden  und  in
östlicher  und  später  in  nördlicher  Nichtung  ab- 

    
  

Volkslümliche  Bührenkunsk.

Betrachtungen  eine  nez  Besuchers  des  Rosenheimer  ur
Volkstheaters.
Wenn  im  *4  Vollethzater  Komödie
gespielt  wird,  hat  der  de:  Schauens  Kundige
den  schönen  Borteil,  bei  gespanntem  Hinsehen  bie
und  da  einmelne  Spuren  von  frühefter  Theaterspielerei
  zu  sinden.  Ledig  von  allem  antilen  Mi.
mus  wird  euweilen  Geile  und  Wort  auf  eine
letzte  Form  von  Einfalt  und  Nalürlichleit  gebracht,
  die  zu  Herzen  geht.  Schade,  daß  dabei
durch  ein  salche=  Streben  nach  Routine  und
gekünstelte  Orc#malurgie  im  Siück  ab  und  zu  so
viel  verloren  geht.
Die  Volls  buhne  hatle  von  jeher  andere  Wege
und  Ziele  als  die:  Eiteraturbühner  1  unserer  Stadtund
  Hoftheater.  Und  so  wird  es  und  muß  es  auch
weiter  bleiben.  Die  Ureigentumlichleit  und  Urwüchsigkeit
  des  umlt  egende  un  Laudes  muß  in  diesen
  Komödien  durch  Lolalinhalt,  Syrache  und
Gewohnheit  ihren  echteiten  An  bperuck  jinden.  Die
reine  Einsalt  und  Un  'uläng  ii.hleit  soll  hier  Ereignis
  werden.  Wenn  es  auch  keine  6  Bretier  und
2  Fässer  sind,  auf  denen  wie  einst  —  gespielt
Uiird,  so  hat  sich  an  den  Darstellern  dem  Wesen
nach  wenig  verändert.  Einst  spielten  Gevatter
Schneider  und  Hauèschuhmacher;  Handwerker  u.
Feschäftsleute  stellen  sich  auch  heule  noch  nach
Feierabend  für  einige  Stunden  in  die  Gestalten
pon  Bauern  und  Königen.  Und  a  gibt  püastisch
geformt  die  Idee:  wenn  ich  ein  König  wä  .
Dieser  uroriginelle  Gehalt  kann  durch  Inichie

den  letzlen

.  »in-ic-  sellgelegt.

 

übertroffen  werden.

mirroe  versuchte  eine  englische  Abteilung,  die
Deutschen  am  21.  und  23.  Juli  festzuhalten,  aber
leider  ohne  Erfolg.

zullen.

Die  schlimme  Lage  der  Italiener  in
Tri  i

s  Zũrich,  5.  8.  Nach  italienischen  Blättern
seht  die  Verhängung  des  Belagerungseu
  standes  über  Tripolis  bevor.

algemeines  2  atn  tiet.
Die  Blutspur  des  Vielverbandes.
Der  Abgeordnete  Dr.  Alb.  Südelum  schreibt

im  „Teg“"“:  „Die  beiden  Mörder  des  Grafen
Mirbah  sind  unerlannt  entkommen..  Niemand

  in  tschtand  zus  isell  an  der  Nichtigleit
der  Bemer  ung  der  russischen  Volkslommissare,
die  geäußert  haben,  der  Schiag  richte  sich  ebenso
  gegen  Rußland  wie  gegen  Deutschland  (Diese
—

Ansicht  wurde  vollauf  bestätigt.  DO.  R)..  Der
Weg  der  Ententepolitik  il  mit  den  Ulutspuren
gemeiner  Meuchelmorde  gzilnet..  Der

Menckehnord  an  dem  österrrichisch  u  Thronfolger
und  sriner  Galtin  in  Serajewo  hat  gewiß  den
MWeittzieg  nicht  „verursacht“,  aber  die  zu  jener
Jeit  beüehende  Spannung  zwischen  den  enropäiscen
  Mächteĩnstemen  zur  Entaadung  Kebracht.
Und  was  man  quth  immer  sagen  möge:  die
Tat  märe  ohne  die  von  der  serbilchen  Regierung
  geforderte,  vom  zaristischen  Ruhland  dauernd
  unlerflützte  groß-serdische  Agiralion  unmög
lich,  ueil  sinnlos  gewesen  .  .  In  Frantlreich
aber  stand  eine  inoralische  Machi  von  titanen
hafter  Größe,  ein  Mann  des  Friedens  und  der
Völlerverbrüderung  aus  der  Wacht,  der  in  jahrzehmelenger
  unerschroener  polltis#zer  Arbeit  das
unielige  Bündnis  der  Republil  min  dem  Zarismus
  wegen  seiner  sicher  voraus#usehenden  sürchterlichen
  Folgen  hartnäcig  und  erfolgreich  anzugreif.
  u  nik  mude:  geworden  war:  Jean  Jaures.
  Kan  Jaures  muttte  fallen,  ebe  die  Schleu-###
  des  rütie#tz  icen  Blulmeeres  aufgestoßen,  Europas
  lkchinde  Flerin  zum  Kräz  liksta  n  Kamufseid
  gemacht  merden  konnten.  Und  Jean  Jaures
  fiel  durch  cine  Augel  des  gemeinen  Menchelmörders,
  der  sein:  Pesehle  auf  der  rusi  schen  Bot- 



schaft  in  Paris  echalten  hatte.  nicht  ohne  daß

auch  einfluxreiche  sranzösische  Polililer  ihr  Einverständnis

  zu  der  schreclichen  Tat  gegeben  hatten.

  Vilain,  der  Mörder  von  Jaures,  sitzt  seit

hulitagen  des  Jahres  1914,  also  nun

schon  volle  ier  Jahre,  in  .n  Untersuchungshaft“
ohne  daß  die  Behemscher  der  französischen  „demolralishen"
  Republil  gewagt  hitten,  ihm  im
ordentlihen  Gerichtsverfahren  den  Prozeß  zu
machen.  Es  bleibt  eine  ewine  Schande  des  frankösischen
  Sozialismus,  ein:  durch  gar  sichts  zu
beschönigende  oder  zu  emschuldigende  Nichtswür-  a
digleit  der  Thomas.  Sembat,  Renaudel  u.  wie

sie  alie  heißßen  mögen,  ihren  Herrn  und  Meister

so  schmachvoll  verraten  zu  haben.

England  heate,  als  der  Krieg  nicht,  wie  seine!
Machthaber  gewollt  und  gehofft  hatten,  mit
einem  raschun  Zusammenbruch  Deutschlau  ds  unter
  dem  suichtbaren  Druck  der  russisch-französischen
  Uebermacht  nach  wenigen  Wochen  envete,
gine  schrere  Sorge:  das  Gespenst  im  eigenen

Lande  katte  sich  gerührt.  Irland,  das  jahrhunderlelang

  untr  rdru-  te,  erh.  b  seine  Stimme  zu
cinem  lauten  Schrei  nach  Recht  und  erechtigkeit
  Der  Führer,  der  mit  der  Flammen-  ·
glut  seice  aus  tieistem  Nechtt  ichleitssinne  geborenen
  Eng'##haises  die  Iren  zum  gefährlichen
  rs,  v?!ie  *  tte  hinweisen  kämen,  war  Roher
  Castm##:..  Roger  Casement  mußte  getötet
werden.  der  Batr  Gesandte  in  Chrifliania,
Mr.  3rolap,  übernahm  das  ekle  Geschäft,  den

Das  erite  Theater  in  Zeuischland  war  Siegreiffpiel
  von  den  Dar#telt=  uerf

ir  .  en  Rushrung  det  Inhalt  des
Heute  noch  sind  die  Volisftücke
  voll  von  eigenen  Einsällen  und  Lotalhumoresken
  der  Spieler.

Ueber  die  Art  der  im  Lause  des  Jahres
hier  gespielten  Stücle  mag  mancher  die  Nase
rümpfen;  der  „Aeuhet“  sagt  kur::  albern,  abgeschmack,
  Kilsch.  Aber  da  möchte  ich  eher  vom
Gegenleil  ein  hohes  Lied  mit  aller  Entrüstung
anheben.  Mit  vollen  Händen  wird  in  den  #inöglichst
  tiesten  Tiefen  aus  vollem  Leben  geschöpft;
selbit  wo  Unnatur  durchdringt.  Mittel  der  Technik
  versagen  und  der  Tert  vielfach  verflacht  ist,
nirit  urbewuite  Ursprünglichteil,  alles  überlönend.
  Die  ehrliche,  höl  sne  Lustigkeit  in  stainmelnden
  und  überschönmenen  Lieleserllärungen,
rührseligen  Abschiedof'enen  und  derben  Naufereien
  wird  erstarrt  zu  echtem  Holzschnitt.

Solange  es  wahre  Vollslunft  gibt,  wobei  das
Vollstümliche  auf  Kosten  des  Künktlerischen
gehen  muß,  wird  diese  Art  von  Komöodie  durch
leine  Bemühung  mit  „Auftlärung  u.  Er:iehung
zum  Höhern“  aus  der  Welt  geschafft  werden  können.


Das  Nosenhe#ner  Vollstheater  hat  seine  Urahnen
  in  den  Passionsspielen  des  Mittelalters,
in  den  Zunftspielen  der  Hans  Sachsschule  und
den  Wandertruppen,  die  mit  Seiltänzern  und
Komödien  von  England  über  Norddeutschland
bis  zu  uns  nach  Oberbayern  und  Tirol  kamen.
Nähere  und  fernere  Verwandte  hat  es  in  den

7'

 

vertrauten  Diener  Tasements  zum  Meuchelmord
anzustiften.  An  der  Treue  des  Dieners  schiiterte
der  schändliche  Anschlag.  Aber  englische  Zielsicherheit
  fand  dennoch  einen  Verräter,  der  gegen
lüngenden  Lohn  den  prachtvollen  Vorkämpfer
seines  gemarterten  Vaterlandes  im  Augenblick
seiner  Landung  auf  der  grünen  Insel  den  bereitstehenden
  Häschern  auslieferte.  Der  dem
Stahl  des  Menchelmörders  glücklich  entgangen
war,  endele  durch  den  Strick  am  englischen  Galgen.
  Und  Cailianr,  der  im  Gefängnis  schmachtet,
  während  eistige  Hände  an  der  Arbeit  sind,
das  passende  „  Dossier“  für  seinen  Prozeß  zurechtzumachen,
  wird  er  nicht  den  Gang  zum
Sanohausen  amteten  müssen,  weil  der  Engländerknecht
  Clemen#ceau  von  seinen  polilischen  Vorbildern
  die  Weieheit  gelernt  hat,  daß  nur  der
lole  Feind  nicht  mehr  zu  sürchten  ist?

Sutiiche  Nanbichen.
Die,  deutsch  russäschen
“  Verehamolmugen  ün  Beelirn.
§&  Berlin,  5.  8.  Aus  Petersburg  wird  gemeldet:
  Baron  Nosen.  der  frühere  Gesandte  in
Japan  und  in  den  Vereinigten  Staalen,  ilt  nach
Berlin  abgereist,  um  an  den  in  Verlin  slatt
sfindenden  deutscherussischen  wirtschaftlichen  Konseremen
  teilzunehmen.

Sef.  uunnm  Vetsonlsaacheichken.
München.  6.  8.
Der  „Reichsanzeiger“  verössentlicht  der  Vereihung
  des  Ordens  Pour  le  Merile  an  den
barerischen  Leutnam  der  Reserve  Kissenbarth.

Künchener  Neuigkeilen.

Eine  Hochstaplerin  verhaftet.  Vor
einigen  Tagen  gelang  es  der  Münchener  Polizei.
eine  geriebene  soit  auwei  Jahren  gesuchte  Hochstap
lerin  in  der  Person  einer  geschiedenen  Arttensgat
lin  namens  Emma  Freimann  aus  Sachsen,  die
in  München  und  in  vielen  anderen  Großstädten
von  Hotelbetrügereien  und  Warenschwindel  lebte
und  sich  dabei  unter  Benützung  salscher,  hochllingender
  Nunen  gute  Tage  machte,  zu  verhaften.
  Die  Schwindlerin  lebte  in  erstllassigen  Ho
tels  und  Pensionen,  ##mctete  meist  wei  Zimmer
und  lieble,  in  eleganten  Toiletten  einher:  ugehen
und  nur  auf  gutem  Fuß  ½  leben.  Sie  Hlich
überall  die  Zechen  schuldig.  In  biesigen  Geschäslen
  und  auch  auswärls  machte  sie  reichliche  Warenbestellungen
  und  ließ  sich  die  Sachen  zuschikken.
  Am  Eingang  ihrer  Wohnung  erwartete  sie
die  Ueberbringer,  führte  sie  in  ihr  Zimmer  und
„lien  die  Leute  warten,  weil  sie  das  Bestellte  ihrer
(Mutter  un  Zimmer  nebenan-  keigen  wollte.  Dann
verschwand  sie  durch  eine  Türe  und  kam  nicht
wieder.  Durch  die  Angestellte  eines  hiesigen  Geschäftes
  in  der  Theatinerstraße  wurde  sie  nun
erwischt.  Die  Schwindlerin,  die  in  diesem  Geschäft
  schon  eimmal  den  Inhaber  um  mehrere  tausend
  Mark  geprellt  hatte,  erschien  dort  wieder,
mu  größere  Beste  ellungen  zn  machen,  und  bat  um
usendung  der  Sachen  in  ihr  Hotel.  Die  Vertäuferin
  erlannte  sie  sofort.  wieder  und  liet  sie
fesinelnnen;  ihre  Vekrügereien  machen  weit  über
100  000  Mark  aus.

Zum  Raubmord  am  St.  Annaplatz
melden  hiesige  Vlätter,  daß  gestern  abends  in
[München  der  als  des  Mordes  verdächtige  Taglöhner
  Andreas  Weidner  festgenommen  werden
lonnte  als  er  in  seine  Wohnung  zurücklehrte.  Er
wurde  bei  der  Poli:eidirektion  einein  sofortigen
Verhöre  unter:  rogen.  Weidner  will  von  der;
Mordtat  nichts  wissen.

Ertrunten.  Die  seit  einigen  Tagen  vermiste
  24  Jahre  alte  Katharina  Wolf,  die  als
1wangsögling  in  einer  Annalt  untergebracht

Hitter.  Jauber=  und  Schauerstücken  der  Romantik,
  in  den  Puppenspielen  usw.

Ohne  jede  Berührung  und  stets  feindlich  war
es  mit  dem  Lileraturthealer  mit  seinen  Gesellschaftoilücken,
  Opern  und  hohen  Dramen.  Und
so  soll  es  bieiben,  wenn  es  Ausesicht  haben  will
auf  Beträchtlicheres.  Ursprünglichkeit  und  Lebensfülle
  ist  alies.  —  r.

 

 

 

–G

«  ---Bantectieeink


Der  „nadte  Strumpf“.  Vor  vierzehn
Tagen  habe  ich  ihn  zum  erstenmaie  gesehen.  Und
da  wirlie  er  verblüssend.  R#cht  nur  als  Novum,
sondern  auch  als  Einzelerscheinung.  Heute  sieht
man  ihn  zu  Dutzenden.  Es  war  auf  der  Calea
Victoriei  in  Bukarest.  Großer  Korso  rumänischer
  Schönheiten.  Alles  sehr  hell.  lehr,  lustig
und  sehr  duftig  gekleidet.  Wie  das  eben  in
Bukarest  Mode  ist  und  der  glühenden  Temperatur
  entspricht.  Vor  mir  geht  eine  Dame.
Vielleicht  is  es  auch  ein  Dämchen.  Man  kann
da2  in  Bularest  nicht  immer  so  recht  unterscheiden.
  Sie  ist  die  Vorkämpferin  der  neuen  Mode.
Sie  hat  keinen  Strumpf  an.  In  dem  zierlichen
weißen  Atllasschuh  steckt  der  bloßße  Fuß.  Das
schlanke  Bein  ist  ziemlich  stark  gepudert,  so  daß
man  i#m  ersien  Augenblick  die  Illusion  eines
Strumpses  hat,  der  so  sein  und  durchsichtig  ist,
daß  er  kaum  noch  als  Strumpf  wirkt.  Es  ist
höchstens  ein  „nadter  Strumpf“,  wie  der  Witz,
nicht  gerade  logisch,  aber  doch  treffend,  die  neue
Mode  bezeichnet.  Die  Mode  ist  jedenfalls
ungemein  praktisch.  Nicht  nur  wegen  der  Hitze.

 

6

war,  wurde  aus  dem  Nymphenburger  Kanal  als
Leiche  geborge

Der  essrn  in  die  Lebensmittelkarten-Verteilungestelle
  in  der
Tumblingerschule.  Bei  einem  am  Samstag
  init  drei  Genossen  verhafteten  Bäcker  wurden
inehrere  Hundert  der  in  der  Tumblingerschule
entwendeten  Reichsreisebrolmarken  und  eine  Anrahl
  Fett-  und  Käsemarken  vorgefunden.  Auch
konnte  festge'tellt  werden,  daß  der  Berhafiete  in
einer  Wirtschaft  an  der  Schützenstraße  Lebensmittelkarten
  zum  Kaufe  angeboten  hat.

——

Die  wiedergefundene  Glocke.  Vor
längerer  Zeit  wurde  eine  8  Zentner  schwere
Glocke  der  Pfarrkirche  in  Arnstorf,  welche  abbeliefert
  werden  sollie,  beiseite  geschafft.  Nun

n#dein  Veziramt  mitgeteilt,  daß  die
ile  in  einem  Acker  vergraben  sei,  wo  sie  auch
gesunden  wurde.
Schadenfeuer.  In  Haldenwang  bei  Bur-Kau
  (Schw.,  brannie  beim  Freyberger  Hos,  dem
großen  Hofgute  des  Freyherrn  von  Freyberg-Schüh,
  der  große  Stadel  mit  ca.  1500  Zentner
Hen,  1000  Kentner  Kunstdünger  und  allen  landu
  irischafllichen  Maschinen  und  Geräte  bis  auf  die
(GGrundmauern  nieder.  Der  Schaden  beläuft  sich
auf  etwa  100  000  Mk.  n„

Gesperrte  Meßgereibetriebe.  Die
Metzgereibetriete  des  P.  Oberhoser  und  #.
Schnitbauer  in  Regen  wurden  mnit  sofortiger
Wirksamkeil  bis  auf  weiteres  geschlossen,  da  aus
den  genannten  Betrieben  se“t  längerer  Zeit  Fleisch
und  Wurstwaren  an  einen  Münchner  Schleichhändler
  geliefert  wurden.

Auch  nicht  übel!  Im  Kommunalverband
Wegscheid  können  diesen  Monat  keine  Lebensmittel
  auf  die  Buchwiaben  der  Lebenemittelarten
verteilt  werden,  weil  dieselben  gestohlen  oder
verhandelt  nnden  sein  solien.

 

Grenzisnde.

Kufstein,  5.3.  Kirchenraub.  Unbekannte
Täter  Kange  in  die  neben  dem  Pfarrhof  sie
bende  D  Dreifaltigleitslirche,  öfineien  die  mit
einem  ftarken  Eisengiller  verschiossene  (Gruse,
die  um  Altar  führt.  und  raubten  Meehrere  Allan.,
  und  andere  Tücher  sowmie  Ker'en  im  Ce.
samtmerte  von  rund  150  Kr.  Am  die  gleiche
Jeit  wurden  auch  in  der  Jeller  Pfarrlirch:e  eine
Ane#ahl  Gegenstände  ge-  stohlen,  und  zwar  4  alle
versilberte  Kanontafeln  im  Werte  von  600  Kr.,
2  hölzerne  Engelsfiguren  im  Werte  von  400
Kronen,  lerner,  inehrere  Altartücher  und  Wachsder2en.
  Der  Gesamtschaden  bezi  sfert  sich  bier
auf  2250  Kr.  Zweifellos  hal  ein  und  dieselbe
Person  inan  vermutet  eine  alte  Frau,  die
sich  auffällig  in  Zell  herumtrieb  beide  Diebstähle
  begangen.  Von  den  entwendeten  Gegenständen
  konnte  bis  jetzt  nichts  beigebracht  werden.

Bruneck,  5.  8.  Bluttat.  Auf  dem  Wechselebenhof,
  aun  Berge  ober  Gais  in  Taufers.  wurden
  von  einem  Soldaten  Vater  und  Sohn  er.
schofsen,  eine  Tochter  erhielt  eine  Sltichwunde,
lam  aber  mit  dem  Leben  daron.  Soldat
halte  uvor  un  Hause  Milch  u.  Brot  bekommen.

Saangechs  li  74##  3.

·  Kiefersfelden,  4.  8.  Uuj  den  Unterinitaler
  Vergen  hat  es  geschneit.
Während  un  Tale  die  Schnitter  ihre  Garben
banden,  wirbellen  auf  den  Höhen  die  Schneeflocken
  durcheinander,  als  besänden  wir  uns  im
Noveinber  und  nicht  mitten  im  Hochsommer.

Chieming,  4.  Aug.  Eine  tüchtige

D

 

*7v'

"  Schwim  merin.  Die  Fischerstochter  Mathilde

Auch  aus  reinen  S

 

Kirchmaier  durchschwamm  den  sog.  Weitsee,  daz

 

Schönh#itsgründen.  Strünmyse
von  der  seinen  D  Diuchsichtigkeit.  wie  die  Bukare
sterin  Hie  gewöhnt  isl,  find  laum  noch  zu  haben.
Und  den  bäßlichen  disen  Er  satzitrunpf  duldet
ihre  Eit-leit  nitt.  Deshalt  trägt  sie  üleber  gar
leinen  Strumps,  als  einen  unschönen.  Und  er'
sieht  wirklich  niedlich  aus  der  nackte  Strumpf
wenn  er  wirklich  niedlich  ist.

Frauenrock  oder  Hose.  Die  Neu
Vorler  Frauenwelt  widmet  jetzt  nach  Beendigung
  der  Thratersaison  ihr  ganzes  Sinnen  u.
Trachten  der  Frage:  Frauenrock  oder  Hose.
Mehrere  Frauenorganisationen  haben  die  Abschaffung
  des  Frauenrods  auf  ihre  Fahn:  n  geschrieben
  und  propagieren  die  Hose.  Dies  i't
eine  Folge  des  Kriegszustandes.  Auch  in  andern
  kriegführenden  Ländern  erschien  es  den
Frauen  bequemer,  die  Beine  in  Hosen  zu  steden,
  wenn  sie  Arbeiten  verrichten,  die  sonst  von
Männern  geleistet  wurden,  aber  in  Amerika
droht  die  neue  Tracht  allgemein  Verwendung
zu  sinden.  Die  Haupkursach:  ist,  daß  man  von
einer  Frau,  die  Hosen  trägt,  voraussetzt,  daß
sie  im  Interesse  des  Landes  irgend  eine  Kriegsarbeit
  verrichtet.  Frauen,  die  sich  noch  nicht  der
einen  oder  der  anderen  Kriegsindustrie  zugewendet
  haben,  finden  es  daher  sehr  angenehm,
den  Schein  zu  erwecken,  daß  sie  für  Mitglieder
der  großen  Frauenarmce  gehalten  werden,  wenn
sie  in  Hoken  erscheinen.  Ws  unlängst  ein  grobes
amerilanisches  Frauenmeeting  abgehalten  wurde,
auf  dem  man  die  zukünftige  Frauentracht  besprach,
  zeigte  es  sich,  daß  die  übergroße  Mehrheit
  geneigt  war,  die  Hose  einzuführen.