rotgoldenen Grenzpfähle hinaus zum Blick ins Weltganze geweitet. Er wird
sich nicht in natlonallstische Enge zurückbannen lassen — ader edensowenig ins
Erenzenlose einer oersch g zerflattern, deren Tage,
wenn sie jemals kommen sollten, heute noch in weiter Ferne liegen. Eines
aber wird der mit ruhigem Stolz erkennen: die Welt, die dies Deutschland
zertrümmern wollte, deginnt heute schon zu erkennen, daß sie es nicht entdehren
kann.
Es ist kein Zweifel, daß dlese Erkenntule mächtig gefördert worden ist
durch jene innerdeutsche Entwicklung, welche, so krampfhaft, widerwlllig und
verworren sle sich auch vollzogen hat, das Relch der politischen Verfassung und
der Staatsauffassung der glücklicheren und politisch reiferen Völker des Erdballes
angenähert hat. Auch der Deutsche, dessen ganze Bergangenheit unter
dem seelischen Banne der setzt ins Nichts versunkenen Mächte und Meinungen
gestanden hat, wird, wenn anders er überhaupt mit offenen Augen und ohne
Scheuklappen ine Gesamtleden seiner Gattung hineinzuschauen fähig und willig
ist, nicht verkennen können, daß ein Volk, das im großen Gesamtgetrlede der
Menschhelt einen Platz deansprucht, nicht in der Lage ist, seinen eigenen Weg
ohne Rücksicht auf die Auffassung der anderen führenden Kulturnationen zu
gehen — daß ee einen gesellschaftlichen und politischen Aufdau, der, aus vergangenen
Geschichtsepochen stammend, üderall draußen bereits üder Vord
geworfen ist — ulcht deidehalten kann — auch dann nicht, wenn es seiner um
der Erhaltung selner Eigenart willen zu bedürfen glaudt. Denn dann erfüllt
sich an ihm der Fluch, unter dem Deutschland zusammengedrochen ist: der Fluch
der seelischen Zsollerung — dle über kurz oder lang auch zur polltischen Einkreisung
führen muß. Sich zu solcher Erkenntnis durchringen zu müssen, wenn
man mit fast allen Instinkten seines Daselns an jenen Uberlieferungen gehangen
hat, auf die es nun unwelgerlich zu verzlchten gilt, ist leldooll — ader es ist notwendig.
Die gewaltlge Kragödie ist zu Ende. Die größte, die je üder die Erde hingestampft
ist. Und am Ende müssen, dürfen wir aufatmend erkennen, daß sie
gar kelne Tragödie im strengen Sinne gewesen lst — in all lbrer schauerlichen
Tragik.
Denn ihr Held — das deutsche Volk — es ledt.
Alcht sein Untergang stebt am Ende des gewaltigen Schausplele — sondern
der Beglun selner Läuterung. Was wir in Schauern und Leiden ohne Maß,
in Tränen und Wunden, in Verarmung und Derditterung erledt haden und erleben
·- bem tiefer schauenden Auge erscheint es ale ein großes, göttliches
Erziehungswerk am deutschen Volke.
Und wenn wir das erst degriffen haben, dann finden wlr auch zu unserem
nationalen Schlcksal die rechte Stellung. Dann lernen wlr erkennen, daß über
lhm das erhadene Weltgesetz der Kausalität waltet — der Folgerlchtigkeit —
der Notwendigkelt. Nicht Willkür und Haß der Feinde, nicht Schwachheit und
Unzulänglichkeit der Führung, nicht Gier und Verrat der Masse, nicht Verdrechen
und Wahnsinn des Pöbels — nichts oon all dem ist die Ursache unseres
Zusammenbruchee — dae alles sind nur Auswirkungen. Oie Ursache liegt viel,
299