Full text : Sagenbuch des Königreichs Sachsen

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dem  Dreißigjährigen  Kriege.  In  manchen  Teufels-  und  Ge—
spenstersagen  klingen  die  religiösen  Erregungen  des  16.—18.  Jahrhunderts,
  besonders  Reformation  und  Calvinismus,  wieder.  Der
Abschnitt  Teufelsbündnisse  ist  von  Bedeutung  für  die  Kultur—
geschichte.  Daß  gelehrte  Fabeleien,  wie  gewisse  Götter-  und
Gründungssagen,  aus  dem  Sagenbuche  des  sächsischen  Volkes  tun—
lichst  ausgemerzt  worden  sind,  wird  jeder  Geschichtskenner  freudig
begrüßen;  die  beibehaltenen  ätiologischen  Sagen  kennzeichnen  sich
deutlich  als  Volksetymologien  und  können  den  Ortsforscher  kaum
irreleiten.

In  Teil  II,  A:  Landesgeschichte,  sind  auch  Sagen  von  einzelnen
Orten  aufgenommen,  die  aber  in  ihrer  Gesamtheit  zeigen,  wie
irgend  ein  Ereignis  auf  das  ganze  Land  gewirkt  hat.  Unter  die
geschichtlichen  Sagen  habe  ich  ferner  die  Erzählungen  von  den
Gold  und  Edelstein  suchenden  Walen  eingereiht,  weil  in  diesen
keine  Zwerge  zu  erblicken  sind,  wie  manche  meinen,  sondern
welsche  Abenteurer,  die  sich  durch  Akten  und  andere  glaubwür—
dige  Zeugnisse  nachweisen  lassen.

Endlich  noch  ein  Wort  zu  den  Spottsagen.  Trotz  nahe—
liegender  Bedenken  habe  ich  sie  nicht  unterdrüchen  mögen.  Johann
Rist  sagt:  „Ein  Volk  ohne  Scherz  ist  unheimlich,  wie  ein  Wald
ohne  Gesang.“  Unser  Sachsenvolt  hat  —  Gott  sei  Dank  —
noch  nicht  verlernt  zu  scherzen.  Alögen  die  Betroffenen  für  solch
harmlosen  Spott  ein  herzliches  Alitlachen  haben  und  dafür  sorgen,
daß  dieses  Buch  später  auch  aus  anderen  Orten  Schildbürgereien
zu  berichten  weiß;  denn:  „Seteilte  Freude  ist  doppelte  Freude."“

Zum  Verständnis  der  Sagensammlung  brauche  ich  nichts
mehr  hinzuzufügen.  In  redlichem  Bemühen  ist  mein  Buch  entstanden;
  Liebe  zur  Heimat  hat  es  gefördert.  Ich  lege  es  nun
mit  der  Bitte  um  freundliche  Gesinnung  in  die  Hände  der  Fachgenossen
  und  lade  alle  Freunde  des  sächsischen  Volkes  ein,  an
der  weiteren  Sammlung  seines  Sagenschatzes  mitzuhelfen.  Dankbar
  werde  ich  auch  die  geringste  Gabe  empfangen.

Und  ein  Wort  des  Dantkes  ist  es  auch,  mit  dem  ich  schließen
will.  Es  gilt  zunächst  dem  Herrn  Verleger  für  die  gediegene  und