Full text : Handbuch des Völkerrechts Erster Band. (1)

Nord-Amerikaner.  501

und  einfach  geschrieben,  wenn  auch  ohne  Systematik,  fand  das  Buch  in  den  genannten
  Kreisen  bald  Eingang.  Rossi  empfahl  es  1838  der  Französischen
Academie  der  Staatswissenschaften.  Doch  ist  die  erste  Französische  Ausgabe
erst  von  1848.  Seitdem  sind  die  Ausgaben  in  verschiedenen  Sprachen,  mit
und  ohne  Commentar,  häufig  geworden.  Ich  citire  hier  nur,  um  später  darauf
zurückzukommen,  diejenigen  von  Lawrence  (1855,  1863,  1868  —  1880);  sodann
  die  von  Richard  Dana  (1866)  und  Boyd  (London  1878)  2)  die  Japanesische
  Ausgabe  von  1860;  die  Chinesische  (Or.  Martin)  von  1864;  die
Italienische  von  Arlia  1862;  die  Spanische  (1854  —  1855)  mit  Zusätzen,  die
auf  Mexico  Bezug  haben,  von  Barras.

Das  Buch  zerfällt,  nach  einer  historischen  Einleitung,  in  vier  parts,  deren
erste  von  den  Quellen  des  Völkerrechts  handelt  und  von  den  Subjecten;  die
zweite  handelt  von  den  absoluten  Rechten  der  Staaten;  die  dritte  von  dem
Friedens-,  die  vierte  vom  Kriegsrechte.

Das  Völkerrecht  definirt  Wheaton  »as  consisting  of  those  rules  of  conduct
  which  reason  deduces,  as  consonant  to  justice  from  the  nature  of
the  Scciety  existing  among  independent  Nations;  with  such  definitions
and  modifications  as  may  be  established  by  general  consent.6

So  ist  ihm  das  philosophische  Recht  Grundlage,  die  Thatsachen  aus  dem
wirklichen  Völkerleben  werden  angeführt  theils  als  Belege,  theils  auch  als
gewohnheitsrechtliche  Beschränkungen.  „Nun  leuchtet  aber  ein“,  bemerkt  Mohl
(S.  399),  „daß  auf  diese  Weise  weder  ein  ächt  wissenschaftliches,  noch  ein  praktisch
  zuverlässiges  positives  Völkerrecht  zu  Stande  kommt.“  Und  doch  mag  es
sein,  daß  eben  dieses  Zwitterhafte,  wie  Vattel's,  so  auch  Wheaton's  Erfolg
in  den  Staats=  und  diplomatischen  Kreisen  zum  Theil  herbeigeführt  hat.

Fünf  Jahre  nach  dem  ersten  Erscheinen  der  Elementse,  1841,  gab  Wheaton
  seine  „Inquiry  into  the  validity  of  the  British  claim  to  a  right  of  vi-Sitation
  and  search  of  American  vessels  suspected  to  be  engaged  in  the
African  slave  trades,  und  seine  =  Histoire  des  progrès  du  droit  des  gens
en  Europer.  Der  Erfolg  dieses  (gekrönten)  Werkes  war  nicht  minder  glänzend
als  der  der  „Elementsc.

William  Beach  Lawrence,  geb.  1801,  gest.  1881,  wirkte  zuerst  in
seinem  Vaterlande  als  Advocat,  dann  in  London  1826  —  1829  als  Gesandtschaftssecretär
  und  als  Geschäftsträger.  Hierauf  ward  er  wieder  ein  sehr  gesuchter
  Anwalt,  wobei  er  sich  stets  wissenschaftlich  und  literarisch  beschäftigte;
auch  lehrte  er  Staatswirthschaft  im  Columbia  College  zu  New-Vork.  Seit  1850
lebte  er  meist  auf  seinem  Landsitze  bei  Newport,  Rhode-Island.  Er  war  eine  Zeitlang
  Gouverneur  dieses  Staates.  Längere  Reisen  hielten  seine  persönlichen
Verbindungen  mit  vielen  Europäischen  Staatsmännern  und  Gelehrten  aufrecht.

Einen  Haupttheil  seiner  Thätigkeit,  in  seinen  letzten  Lebensjahren,  hat  er
den  beiden  Meisterwerken  seines  älteren  Freundes  Wheaton  gewidmet.  Schon
bei  der  ersten  Veröffentlichung  derselben,  in  den  Jahren  1836  und  1841,  hatte
Wheaton  seine  Handschriften  Lawrence  zugeschickt,  mit  dem  Auftrage,  dieselben,