Full text : Sächsisches Realienbuch enthaltend Geschichte, Erdkunde, Naturgeschichte, Physik, Chemie und Mineralogie.

—  XIII  —  I

hohen  Gebirge  gedeihen  darauf  nur  noch  Hafer  und  Kartoffeln  gut.  Ja,  stellt
sich  der  Winter  besonders  früh  ein,  so  kann  es  vorkommen,  daß  die  Kartoffeln
aus  dem  Schnee  hervorgegraben  werden  müssen.  Von  dem  kräftigen  Heu  der
Gebirgswiesen  wird  nicht  alles  für  die  Viehzucht  verbraucht,  so  daß  ein  Teil  in
die  großen  Städte  abgegeben  werden  kann.

Vor  vielen  Häusern  steht  eine  Eberesche,  Vogelbeerbaum  genannt,  des
Erzgebirgers  liebster  Baum;  denn  Obstbäume  kommen  häöher  oben  nicht  mehr
sort.  Auch  als  Straßenbaum  ist  er  vielfach  angepflanzt.  Von  ihm  singt  der
Gebirgsbewohner  in  seiner  erzgebirgischen  Mundart:

Kann  schinn'rn  Baam  gippt's  Unn  wenn  iech  gestorm  bieh
wie  dann  Vuglbärbaam,  —  iech  wär'sch  net  d’rlaam  —,
as  wärd  a  su  leicht  net  do  pflanzt  off  mei  Grob
ann  schinn'rn  Baam  gahnm  fei  ann  Vuglbärbaam.

8.  Der  Bergbau.  a)  Der  Silberbergbau.  Das  Erzgebirge  hat  seinen
Namen  von  dem  Reichtum  an  Metallen.  Zuerst  fand  man  die  Silbererze.
Das  war  im  12.  Jahrhundert.  Damals  baute  Markgraf  Otto  von  Meißen,
später  der  Reiche  genannt,  das  Kloster  Altzella  bei  Nossen;  beim  Ausroden  des
Klosterwaldes  stieß  man  auf  Silbererze.  Auf  die  Nachricht  von  diesen  Funden
kamen  Bergleute  aus  dem  Harze  herbei,  die  sich  hier  ansiedelten.

Es  entstand  die  Stadt  Freiberg,  noch  jetzt  die  größte  des  Gebirges
(36000  Einw.).  In  dem  Dom,  dessen  Haupteingang  die  Goldne  Pforte  heißt,
haben  die  sächsischen  Herrscher
  eine  Zeitlang  ihre
letzte  Ruhestätte  gefunden.
Die  zahlreichen  Bergwerke,
  die  in  der  Nähe  der
Stadt  entstanden,  machten
sie  recht  geeignet  zum
Sitz  einer  Bergschule  oder
Bergakademie.  Jetzt  hat
man  freilich  den  Silberabbau
  ganz  eingestellt,  da
er  infolge  des  Sinkens  des
Silberpreises  nicht  mehr
lohnt.  In  den  tiefen
Schächten  —  der  tiesste
reichte  bis  686  m  hinab  —  Dom  und  altes  Gymnasium  zu  Freiberg.
sammelte  sich  viel  Wasser.  Nach  einer  Photographie  von  Dr.  Trenkler  &  Co.  in  Leipzig.

Um  dieses  nicht  immer
nach  oben  pumpen  zu  müssen,  baute  man  einen  14  km  langen,  unterirdischen
Ableitungskanal  zur  Triebisch,  den  Rotschönberger  Stollen.

Zu  den  Erzbergwerken  gehören  die  Hüttenwerke,  in  denen  aus  den  Erzen
die  reinen  Metalle  gewonnen  werden.  Das  geschieht  durch  Pochen,  Waschen  und
vor  allem  durch  Schmelzen.  Das  bedeutendste  sächsische  Hüttenwerk  ist  Muldenhütten
  bei  Freiberg,  im  Tale  der  Freiberger  Mulde  gelegen.  Die  beim  Schmelzen
der  Erze  entweichenden  giftigen  Dämpfe  werden  durch  hohe  Essen  abgeleitet,  richten