224 Uebersicht der Creignisse des Jahres 1860.
weiteren Hindernisse zu bereiten, die, es ist wckhr, in diesem Augenblick
wenig Aussicht hat, aber im gemeinsamen Interesse beider Dynastieen immer
wünschenswerth bleibt. Ich hoffe, daß diese Betrachtungen einigen
Einfluß auf die Erwägungen Franz II. und seiner Rathgeber ausüben
werden. Uebrigens dürfen Sie merken lassen, daß der König bereit ist,
seinerseits alle diejenigen Garantieen zu gewähren, die vernünftiger Weise
gefordert werden können. Falls also eine Offensiv= und Defensivallianz
mit gegenseitiger Garantie der Integrität beider contrahirenden Staaten
vorgeschlagen werden sollte, so werden Sie die Geneigtheit dazu aussprechen,
immerhin unter dem Vorbehalt, Ihrer Regierung zu referiren behufs
der erforderlichen praktischen Instruktionen". Es scheint nicht, daß die
Regierung von Neapel dazu geneigt war oder daß sie die Frage auch nur
in nähere Erwägung gezogen habe. Und doch war die Gefahr nahe genug
und kam immer näher und näher. Schon war zu Anfange des Jahres
1860 der innere Zustand im Kirchenstaat und in Neapel der Art geworden,
daß der französische Gesandte Herzog von Grammont dem Cardinal
Antonelli am 3. März ganz offen erklärte: „Sie können ihre Augen doch
der Evidenz nicht verschließen! Sie sehen die Bewegung, die Sie umgarnt,
Sie sehen, daß eine Erhebung der Marken und Umbriens droht; Sie kennen
die Gefahren, in denen das Königreich Neapel schwebt und während
ein Wort der Transaction von Ihrer Seite im Stande wäre den Sturm
noch zu beschwören, den Rest der Staaten des Pabstes zu retten, Neapel
zu retten, das Sie ohne Mitleid opfern, Italien vielleicht vor einem allgemeinen
Umsturz zu retten, verwerfen Sie alle Heilmittel und rufen den
Orkan selber herbei, gleich als ob Sie in dem Schiffbruch zu gewinnen
wähnten!“ Als in demselben Monate und in Folge des Widerstandes,
den Rom jeder Art von Transaction entgegensetzte, die Beziehungen zwischen
Frankreich und Rom so gespannt geworden waren, daß jenes ernstlich
daran dachte, seine Truppen zurückzurufen, erklärte sich Sardinien
immerhin noch bereit, zu einer von Frankreich vorgeschlagenen Besetzung
der Marken und Umbriens durch neapolitanische Truppen seine Zustimmung
zu geben, wenn Rom die Annexion der Romagna anerkenne und in
die Besetzung von Ancona durch sardinische Truppen einwillige. Rom
verwarf den Antrag und Neapel konnte sich nicht entschließen darauf eirzugehen.
Am 23. April schrieb der französische Gesandte seiner Regierung
aus Neapel: „Noch vor einigen Moenaten eristirte die Idee einer Vereinigung
mit dem nördlichen Italien gar nicht; man glaubte den Gebrechen
des Landes noch in anderer Weise abhelfen zu können; heute habe ich alle