Full text : Königlich-Baierisches Regierungsblatt. 1812. (8)

447  Kotsasse  —  krabbeln.

Bed.  eines  Schrankes  oder  Schuppens:  köte,  ein  almer,
ein  schrank  oder  ort,  da  man  allerlei  hinlegt  Schottel;
kot  und  kote  als  kleines  Bauernhaus  ohne  eigentliches
Feld:  kote,  kathe,  tugurium  rusticum  Frisch;  bei
Möser  botten,  auch  kötten  (Phant.  1,  104),  mit  kötter,
Besitzer  eines  Kotten  (108),  kötterei  Besitztum  eines
Kötters  (123);  —  Schuppen,  Hütte  zum  Unterschlupf,
fischerkote.  Hütte  wo  das  Salz  gesotten  wird,  salzkot,
salzkote,  übertragen  auch  auf  einen  Gewinnanteil  am
Salzwerke  Hondorff  Beschreibung  des  Salzwerks  zu
Halle  49  ffg.  —  Zusammensetzung:  Kotsasse,  m.  der
aus  einem  Kot  sitzt,  Inhaber  eines  kleinen  Bauernhauses
ohne  Feld,  in  niederdeutscher  Form  kotsete,  kotsate,
assimiliert  kossäte,  kossate,  kossat.

Köter,  m.  1)  Inhaber  eines  Kots,  Besitzer  eines
kleinen  Bauernhauses,  mnd.  koter,  bei  Möser  kötter
(ogl.  oben  unter  kot,  kote).  2)  schlechter  Hund,  eigentlich
  gemeiner  Dorfhund,  mud.  koterhunt  und  gekürzt
koter;  in  verächtlicher  Rede:  der  köther  knirscht  in
jeden  stein  Bürger  Hund  aus  d.  Pfennigschenke;  verfluchter
  dachshund,  infamer  köter  Grabbe  Napoleon
215;  im  Bilde:  bis  ihnen  einmal  der  herrgott  seinen
köter,  das  ungluck,  auf  das  bret  jagt  Freytag  Brautfahrt
  5,  2;  —  dazu:  hunde  erregten  durch  ihr  köterhaftes
  verhalten  den  unwillen  der  ganzen  strasze  Freytag
  Erinn.  295.  —  kotig,  voll  Kot,  mit  Kot  beschmutzt:
cenosus  kotig  Dief.;  kaatig,  coenosus,  lutulentus,
limosus  Dasypodius;  lutheus,  das  ist  der  katige
Zinkgref  2,  36;  sich  kothig  machen,  ein  kothiger
weg,  kothiges  wetter  Adelung;  die  wege  in  dieser
welt  sind  zuweilen  kothig  Freytag  Handschr.  3,  73;
das  kotbige  pflaster  Wildenbruch  Nov.  162.  —
Kötuer,  m.,  wie  köter  1,  Besitzer  eines  Kotes.

Kotze,  m.  f.  grobes  Wollzeung,  und  daraus  gemachte
Decke  oder  Kleid;  ahd.  kozzo,  chozzo,  mhd.  kotze,  altsächs.
  in  einer  siarken  Nebensorm  kot,  die  sich  auch  ahd.
als  koz  findet;  ohne  Entsprechung  in  andern  deutschen
Sprachen  und  unbekannter  Herkunst.  cortum,  pirus
chozze  Dief.;  ein  ruher  kotze  was  sin  kleit  gute
Gerhard  3716;  heisz  in  den  kotzen  von  im  legen
Wickram  Goldf.  X  4b;  deckin  oder  kotzen  aussteuben
Frölich  Stob.  433;  jetzt  noch  oberdeutsch  als  der  und
die  kotzen,  kutzen,  grobes  Tuch,  zottige  Decke  von
Wolle,  grobes  Kleid  Schmeller;  man  deckt  in  der
nacht  nur  mit  dem  kotzen  sich  zu  Heyse  2,  79;  als
Fem.:  sie  legten  mich  auf  einc  kotzen  oder  deck
Albertinus  Landstörzer  94;  mit  einer  kotze  bedecken,
eine  kotze  auf  das  pferd  legen  Steinbach.  —  kotzen,
niedriges  Wort  für  sich  erbrechen,  seit  15.  Ih.  erscheinend:
vomere  kotzen,  kutzen  Dief.;  dasz  .  .  alle  cndlich
kotzten  wie  die  gerberhunde  Simpl.  1,  101;  anfangs
kotzte  ich  ein  biszchen  uber  dieses  bild  HHeine
11,  175;  tranf.:  kotzt  seine  eigne  gall  Eppendorff
Plin.  64;  in  milderem  Sinne  =  husten  Steinbach;
dazu  unpersönliches  kotzern,  Brechreiz  empfinden:  ünge
mich  mehr  an  zu  kotzern  als  zu  hungern  Simpl.  4,  34;
es  kotzert  mich  Adelung.

Krabbe,  (f.  kleiner  Meerkrebs;  Wort  der  deutschen
Seccanwohner,  altengl.  crabba,  altnord.  krabbi,  niederd.
krabbe,  niederl.  Krabbe,  krab,  in  Wurzelverwandtschaft
zu  krebs;  seit  15.  Ih.  auch  hochdentsch:  polipiis  krappe,
krabbe  Dief.;  krab,  runder  meerkräbs,  meerspinn,
meertäsch,  cancer  marinus  Maaler;  in  neuerer  Spr.
übertragen  auf  muntere  kleine  Wesen,  besonders  Kinder,
bei  Adelung  die  krabbe  —  kleines  ungezogenes  Kind,
jetzt  in  milderem  Sinne,  selbst  kosend;  von  einem  Pferde:
dic  muntre  krabbe  soll  zwei  pferde  mir  ersparen.
Schiller  Pegasus  im  Joche.  —  krabbeln,  hastige  Bewegungen
  mit  Füßen  oder  Händen  machen;  im  Ablaut
zu  kribbeln;  aber  die  Berührung  mit  grabbeln  (s.  d.)
und  die  Möglichkeit  einer  Umdeutung  dieses  Wortes
auf  krabbe  (s.  d.)  ist  nicht  ausgeschlossen.  Als  krappeln

krabblig  —  krachen.  448

spät  mhd.:  daz  si  (die  jungen  Hühner)  her  für  krappeln
Megenberg  193,  35;  später  als  krabeln  und  krabbeln:
die  würmer  krabeln  im  käse  Steinbach;  häufig  in
neuerer  Spr.,  von  den  Bewegungen  kleiner  Tiere:  hat
er  einen  topf  voll  maikäfer  in  mein  schlafzimmer  gesetzt,
  dasz  ich  .  vor  kribbeln  und  krabbeln  nicht
ruhen  konnte  Kotzebue  Pagenstr.  1,  4;  da  krabbeln  sie
nun,  wie  die  ratten  auf  der  keule  des  Herkules  Schiller
Räub.  1,  2;  wie  die  ameisen  krabbelnd  Keller  Werke
1,  13;  dann  laufen  käfer  und  ameisen  an  seinem  rock
und  krabbeln  an  seinem  bart  empor  Rosegger  Waldschulm.
  271;  von  entsprechenden  hastigen  Bewegungen
der  Menschen,  namentlich  der  Kinder:  der  junge  krabbelte
  auf  dem  boden  herum;  fand  mich  auf  der  erde
unter  Lottens  kindern,  wie  einige  auf  mir  herum  krabbelten
  Goethe  Werther  1;  von  klein  aussehenden  Menschen
  in  der  Entfernung  oder  Höhe:  dort  auf  dem
weiszen  streifen  krabbelte  eine  kreuzschaar  heran  Rosegger
  Waldheim.  1,  178;  refl.:  ich  krabbelte  mich
wieder  in  die  höhe  Adelung;  ich  krabbelte  mich.
zurück  J  Paul  kom.  Anhang  zum  Titan  1,  73;  von
Handbewegungen,  eifrig  tasten,  fühlen:  er  krabbelt  nach
dem  schweine  Voß  6,  150;  auch  —  krauen:  wenn  ich
..  hinterm  ohr  ihm  krabble  Bürger  weltl.  hochd.
Reime;  tranf.,  jemanden  krabbeln  Adelung;  wenn
ihr  glattes  pfötchen  um  brust  und  hals  euch  noch
zur  letze  freundlich  krabbelt  Wieland  Liebe  um  L.
1,  143;  von  juckenden  Empfindungen:  mir  krabbelts
an  der  groszen  zeh  Goethe  Faust  II,  1;  es  krabbelt
mir  am  hals  (in  Furcht  gehängt  zu  werden)  Mitschuld.
2,  3;  in  Arger:  dem  herren  pfaff  das  krabbeln  thüt
ewig.  Inde  268;  ausdrücklich  an  die  Tierbewegungen
angeschlossen:  ihr  herz  krabbelte  so  ängstlich  und  wehrlos,
  wie  ein  käfer,  der  auf  dem  rücken  liegt  Keller
Seldw.  1,  218;  das  menschenelend  krabbelt  mich  wie
eine  schwarze  wolfsspinn“  an  Werke  9,  52.  —  krabblig,
krabbelig,  älter  krabbelicht,  viel  krabbelnd:  krabelicht,
contrectabilis  Stieler;  übertragen  auf  hastige  Regsamkeit:
  ein  krabbeliges  wesen  haben;  jene  krabbelige
arbeit  von  tausend  kleinen  dingen,  die  man  eigentlich
nicht  gelernt  Keller  Seldw.  1,  3.

Krach,  1)  Interjection,  Nachahmung  des  Geräusches
bei  ctwas  plötzlich  Brechenden:  krach,  brach  der  balken,
„  u.  ä.;  auch  als  krack:  krack!  da  liegt  auf  allen  vieren
mein  prahler  Wieland  Liebe  um  2.  6,  379.  2)  als
Masc.,  plötzlicher  scharfer  Schall,  schon  ahd.  chrac,  mhd.
krach,  alte  lautmalende  Bildung,  Verbalsubst.  zum
Verbum  krachen:  der  crach  der  schefte  (Spere)  schal
Nib.  1550;  einen  krach  thun,  von  sich  geben  Adelung;
  nun  folgt  in  langer  pause  nach  ..  dem  blitz
der  krach  Lenau  383;  krach  eines  geschützes;  Formel
ach  und  krach,  vgl.  unter  ach;  —  krachender  Riß  oder
Fall:  als  er  auf  das  eise  kam,  dasselbig  einen  krach
nam  Teuerd.  23,  28;  einen  krach  bekommen,  kriegen,
übertragen  vom  Vorsatz  Frisch;  in  jetziger  Spr.  auch
Zusammeubruch  eines  Geschäftes  oder  einer  ganzen
Reihe  von  Geschäftsverbindungen,  dem  engl.  gleichbedeutenden
  crash  nachgebildet:  der  grosze  krach  von
Wien  1973;  die  reden,  welche  bereits  von  einem  unvermeidlichen
  häuserkrach  umgingen  Keller  Werke
8,  242.—  krachen,  scharfes  Geräusch,  wie  von  Berstendem,
hören  lassen,  Wort  auf  lautmalendem  Grunde,  ahd.
chrachön,  mhd.  krachen,  altengl.  cracian,  engl.  crack:
der  walt,  der  von  denen  krachet  Kv  Würzburg
Lied.  7,  30;  s0  hoert  man  uns  beide  krachen  (auf  den
knarrenden  Dielen),  wenne  wir  gẽn  durch  deu  ganc
Ges.  Abent.  3,  120;  las  nu  dein  fedder  krachen  Luther
1,  364b;  wo  die  rüder  der  regierung  ewig  ins  gellende
ohr  krachen  Schiller  Fiesko  1,  6;  wenn  ihr  unterm
kleide  des  leibchens  straffer  atlas  kracht  Freilig-=rath
  2,  19;  vom  Leibe,  Körperteilen,  in  Schmerz  und
schwerer  Arbeit:  min  herze  duz  muog  krachen  Dietrichs