§ 272. Grundschuldbriefe auf Inhaber. 8§ 273. Alteres Recht. 437
rechtliche Regeln gab es nur für die Orderpapiere sowie für das Eigentum
und das Pfandrecht an Inhaberpapieren.
III. 1. Das bisherige Recht der Inhaberschuldverschreibungen stimmte mit
den Regeln des neuesten Reichsrechts in den Hauptpunkten überein, namentlich
was den Erwerb des Eigentums an den Urkunden, ihre Verpfändung und die
beschränkte Wirkung der in der Person eines Gläubigers begründeten Ein-
wendungen angeht. Doch fehlte es auch nicht an Unterschieden.
a) Der Satz, daß der Aussteller einer Inhaberschuldverschreibung aus ihr
haftbar ist, auch wenn sie gegen seinen Willen in Verkehr gesetzt war, stand
bisher nur in Sachsen fest."“ Im übrigen Deutschland war er streitig: er
ward von den Anhängern der sog. Kreationstheorie gebilligt, dagegen von den
Anhängern der sog. Vertragstheorie verworfen.5
b) Das Erfordernis staatlicher Genehmigung bei der Ausgabe von Inhaber-
schuldverschreibungen, die auf die Zahlung einer bestimmten Geldsumme gehn,
galt bisher in Preußen, Sachsen usw.“, nicht dagegen z. B. in Bremen.7
IR) Eine gesetzliche Vorlegungsfrist bestand bisher nur in wenigen Staaten,
und zwar meistens mit Beschränkung auf Staatsanleihescheine.
4) In Sachsen wurde als Gläubiger aus dem Papier der jeweilige In-
haber der Urkunde angesehn, ohne Rücksicht auf die Art, in der er zu seiner
Inhabung gekommen war, also sogar der Dieb; demnach war der Schuldner
zur Leistung an den Dieb nicht bloß, wie nach jetzigem Reichsrecht, berechtigt,
sondern sogar verpflichtet, konnte sich also auf die Unrechtmäßigkeit der In-
habung des Diebes nicht einmal im Wege des Einwandes berufen. Im übrigen
Deutschland war die Rechtsstellung des unrechtmäßigen Inhabers der Urkunde
sehr bestritten. 10
e) Die Kraftloserklärung abhanden gekommener, vernichteter oder be-
schädigter Inhaberschuldverschreibungen war schon bisher fast in ganz Deutsch-
land zugelassen. Dagegen gab es eine Zahlungssperre nur in wenigen Staaten,
z. B. in Sachsen.:41
1) Der Satz, daß die Umschreibung einer Inhaberschuldverschreibung auf
den Namen eines bestimmten Gläubigers nur mit Einwilligung des Ausstellers
erfolgen kann, war bisher in Süddeutschland anerkannt. Dagegen ließ nament-
lich Preußen die Umwandlung auch ohne Mitwirkung des Schuldners durch
eine sog. „Außerkurssetzung“ zu. Diese bestand bei Schuldverschreibungen,
3) Siehe die Wechselordnung und das ältere H#G. 301 ff., 307, 309.
4) Sächs. GB. 1045.
5) Siehe Dernb. Pr. Pr R. 2 § 12; Brunner bei Endemann 2 S. 164.
6) Preuß. Ges. v. 17. 6. 33; sächs. G. 1040.
7) RH. 17 Nr. 36.
8) Brunner bei Endemann 2 S. 232.
9) Sächs. GB. 1039, 1045.
10) Hierüber namentlich Brunner bei Endemann 2 S. 212.
11) Brunner bei Endemann 2 S. 222, 227.