Zu der restaurierten Kirche, zu dem aus tiefstem Elend zu
desto höherer Blüte $1) emporgestiegenen Papste kam Niebuhr.
Die französische Revolution und die deutsche „von oben her“,
62) nämlich die Säkularisierung der geistlichen Stände durch den
Reichsdeputations-Hauptschluß von 1803 hatten der katholischen
Kirche nicht nur Schaden, sondern auch großen Vorteil gebracht.
Denn erst jetzt, nachdem die französischen Bischöfe durch das
Konkordat von 1801 %) von Napoleon gewissermaßen an den
Papst ausgeliefert waren und auch mit dem Aufhören des Bestehens
der geistlichen Fürstentümer in Deutschland aus dem
geistlichen Herrenstand eine Kirchendienerschait wurde, die sich
aus dem Bauern- und Bürgerstande ergänzte, also kurz:
nach Zertrümmerung der beiden großen Landeskirchen, hatte
sich die Zentralisation der gesamten katholischen Kirche mit
Rom als Mittelpunkt durchgesetzt; das Episcopalsystem war endgültig
unterlegen, die Bahn frei für die straffe klerikale Politik
des vergangenen Jahrhunderts.
Hierzu kam die Beliebtheit Pius VII. selbst in protestantischen
Kreisen, der Glorienschein eines Märtyrers fürstlichen
Standes, dem der Korse noch schlimmer mitgespielt hatte %) als
allen anderen Fürsten Europas und die maßvoll-kluge Regierung
seines Kardinal-Staatssekretärs Consalvi, 6) der ein Gegner der
rückschrittlichen Eifererpartei, der sogenannten Zelanti, war. °9)
Man brachte gewissermaßen das verletzte Legitimitätsp:inzip
wieder zu Ehren, „indem man den angeblıch ältesten Herrscherthron
der christlichen Welt wieder aufrichtete, den Stuhl Petri“.67)
Nicht zuletzt kam die natürliche Reaktion auf die Auswüchse
des Freigeistes, die zum mindesten während der franzö-61)
vgl. das Schreiben Pius VI. an Franz I. von Österreich bei Hilgenreiner
8. 12 und Nielsen $, 240 ff.
2) Sell, S 15, Mirbt, Geschichte, 8. 38,
6) das Friedrich, Geschichte des vatikan. Konzils, den bedeutendsten
Triumph des Kurialsystems nennt.
64) Nielsen 8. 239, Mirbt, Geschichte 3. 48.
66) Seinen Lebenslauf und seine Tätigkeit bei Nielsen, 8. 39 ff,; 77. 158,
173, 197. 249 ff.: 261 ff.; Kraus, Cavour, S. 17. ff.; Mirbt, Geschichte, 8.61 ff.
66) Mejer, a. a. O. II, S. 187.
6) Mirbt. Gesandtschaft, S. 12.
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