schaft bei ihm nicht mehr besteht. Er wird also den Neutralen
an Bedeutung zunı mindesten gleichgestellt;
warum hebt wohl die preußische Regierung im April 1917 das
Jesuitengesetz auf? Glaubte man damit in Rom, auf das man
direkt nicht mehr einwirken konnte, einen günstigen Eindruck
hervorzurufen.
Es ist zu beachten, worin zwei katholische Forscher, die
verschiedentlich bei uns zu Worte kamen, ihre Betrachtung über
die heutige Stellung des Papstes zusammenfassen:
Hilgenreiner ?%) sagt wörtlich: „Nie erschien der Papst so unabhängig,
so frei ‚ Zeuge dessen der Krieg und das
Verhalten des Papstes in und zu demselben.“
Hilling 2°) spricht von einer „glänzenden Stellung“ und
„schönsten politischen Erfolgen“ des Papstes. Er werde „von
den kriegführenden Mächten der verschiedenen Konfessionen
gleichsam umworben“.
Wem da noch nicht die Augen aufgehen, dem kann nicht
geholfen werden.
Ist somit aber dargetan, welche Bedeutung das Papsttum
heute besitzt, so kann es nur als ein politischer Fehler denkbar
größter Schwere genannt werden, wollte unsere Regierung nicht
alles daran setzen, die diplomatischen Beziehungen zur Kurie
(wenn es anginge, schon während des Krieges) wieder herzustellen.
Konnte man vor dem Kriege noch zweifelhaft sein (der Verfasser
bekennt offen, daß er es war): Heute sprechen die Ereignisse
eine nicht mißzuverstehende Sprache.
Wir müssen unsere eingangs gestellte Frage, ob es im
Staatsinteresse liege, die preußische Gesandtschaft beim Vatikan
beizubehalten, bedingungslos bejahen.
Bei den Friedensverhandlungen wird unsere Regierung gut
daran tun, für die tatsächliche Unabhängigkeit des Oberhauptes
der katholischen Kirche einzutreten, dann aber zu versuchen, ihren
Einfluß in Rom nach Möglichkeit zu verstärken.
Ein solcher Einfluß wird am besten ausgeübt durch einen
geschickten Diplomaten, denn das gesprochene Wort aus dem
254) Seite 18,
258) JII, Seite 18.
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