Ole Vereinigten Staaten. 99
angelegt wurde. Leicht veräußerliche Gegenstände wurden im Wege
der öffentlichen Versteigerung zu Geld gemacht. Feindliche Fabriken
wurden en bloc mit Einrichtung, Kundschaft und Patenten an amerikanische
Unternehmer verkauft. Etwas schwieriger gestaltete sich die Auseinandersetzung
bei amerikanischen Unternehmungen, an denen feindliche
Znteressen beteiligt waren. Hier gingen die Anteilerechte, sofern die
Beteiligung über 15% des Grundkapitals betrug, auf den öffentlichen
Treuhänder über, der damit regelrechter Anteilseigner der betreffenden
Unternehmungen wurde. Auf diese Weise sah sich die amerikanische
Regierung binnen kurzem an über 270 industriellen Unternehmungen
interessiert. So war sie u. a. an Zuckerpflanzungen in Hawai, Tabakplantagen
auf den Philippinen, Baumwollpflanzungen in den Südstaaten,
Sägemühlen in Florida beteiligt, betrieb Zinn-, Blei-, Kupferund
Silberbergwerke und war an Brauereien, Maschinenbauanstalten,
Schokoladenfabriken und Werken zur Erzeugung pharmazeutischer und
chemischer Apparate interessiert.
Die übernommenen Fabriken wurden zum Teil stark für Kriegsleistungen
herangezogen. So wurden in deutschen Betrieben Magnetapparate
für amerikanische Flugzeuge, in feindlichen Tertilfabriken
Militärtuche zur Bekleidung amerikanischer Soldaten und in deutscherseits
gegründeten Werkstätten medizinische, optische und technische Instrumente
aller Art hergestellt. Hierzu kam eine große Menge technischer
Rohstoffe und Lebensmittel, die beschlagnahmt und im Dienste des Krieges
verwendet werden konnten, so 1 500 000 lbs. Aickel, 98 000 Sack Kaffee,
10 000 Sack Reie usw.
Auch die amerikanische Einfuhr nach neutralen, mit Deutschland
im Handeleverkehr stehenden Ländern wurde einer starken Einschränkung
unterzogen. Ferner übernahm die Union das System der Schwarzen
Listen. Auf die erste Liste der feindlichen Firmen in Süd- und Mittelamerika,
mit denen der Handel verboten war, wurden 1600 Namen
gesetzt. Die Schwarzen Listen wurden ergänzt durch eine Weiße Liste
solcher nichtfeindlichen Firmen, von denen entsprechende Waren bezogen
werden konnten. Feindliche Schiffe in amerikanischen Häfen waren
gleich bei Kriegebeginn beschlagnahmt worden.
Es mag erwähnt sein, daß den ersten deutschen Dampfern, die unter
die amerikanische Flagge gestellt wurden, die Namen von deutschen Offizieren
gegeben wurden, die sich im amerikanischen Unabhängigkeitekrieg
ausgezeichnet hatten.
Kein Land konnte in gleichem Maßstab wie die nordamerikanische
Union den Krieg zur Förderung der eigenen Industrie nutzen. Das
ungeheure Aufblühen der amerikanischen Industrie durch die Kriegeliefe-7•