100 Her Wirtschaftskrieg der anderen Länder.
rungen und insbesondere die Vervielfachung des amerikanischen Schiffbaues
ist zu bekannt, um bier einer breiten Darlegung zu bedürfen. Für
die Zeit nach dem Kriege muß aber in Betracht gezogen werden, daß
unter dem Einfluß der mächtig erstarkten Arbeiterschaft die amerikanischen
Einwanderungegesetze während des Krieges bedeutende Verschärfungen
erfahren haben. Der Aufschwung der amerikanischen Volkewirtschaft
hat sich bisher durchweg mit Hilfe der europäischen Zuwanderung vollzogen.
Während des Krieges hat diese Zuwanderung nicht nur eine starke
Einschränkung erfahren, sondern hat sogar einer Mehrabwanderung
Platz gemacht.
Nach dem Kriege steben die verschärften Einwanderungegesetze einem
starken Menschenzufluß im Wege. Aus diesem Grunde wird die amerikanische
Industrie künftig mit dauernd sehr hohen Löhnen zu rechnen haben,
was ihrer Wettbewerbsfähigkeit ziemlich enge Schranken zu setzen verheißt.
Bezüglich des wirtschaftlichen Nachkrieges hat Amerika den
englischen Standpunkt zu keiner Zeit geteilt. Es hat zwar ständig schon
im Frieden eine Wirtschaftepolitik betrieben, die den Wettbewerb der
fremden Industrien auf dem Absatzmarkt der Vereinigten Staaten nach
Kräften erschwerte. Es hat die eigene Industrie nicht nur durch hobe
Zölle geschützt, sondern auch durch ein konsularisches Sostem der Auskunfteinholung,
das man als Industriespionage bezeichnen könnte, wenn
es nicht so ganz öffentlich betrieben würde.
Anderseits haben die Vereinigten Staaten trotz der Förderung ihrer
eigenen Industrie im Kriege allen Anlaß, doch auch ferner auf den Absatz
ibrer Rohstoffe bedacht zu sein, für die gerade Deutschland ein hervorragender
Kunde war. Was Deutschland anbetrifft, so sprechen viele in
einem anderen Abschnitt zu bebhandelnde Gründe dafür, seine Rohstoffbezüge
aus Amerika nach Mäöglichkeit einzuschränken. Amerikanisches
Interesse ist es, Deutschland nicht noch stärker auf den Ersatz bieher
amerikanischer Bezüge aus anderen Bezugsquellen hinzuweisen. Der
wirtschaftliche Nachkrieg würde scharf in dieser letzteren Richtung wirken, den
Ausfuhrinteressen Amerikas also entschieden widersprechen. Bemerkens-—
wert ist, daß einsichtige amerikanische Handelekreise sich auch gegen den
Versuch einer Förderung des amerikanischen Außenbandels durch Maßregeln
auegesprochen haben, die dem früheren Vorgeben Englands mit
einer britischen Schutzmarke („made in Germany“') entsprechen würde.
So berichteten englische Fachblätter im Herbst 1918:
„Die amerikanische Handelskammer in London protestierte in einer
Erklärung gegen die gesetzliche Festsetzung einer nationalen amerikanischen
Schutzmarke für amerikanische Ausfuhrprodukte. Die Kammer behauptet,